Wien (dpa) - Wenn deutsche Fans während der Fußball-Europameisterschaft in Österreich mit Einheimischen fachsimpeln wollen, wird es schnell verständnislose Gesichter geben.
Denn die Deutschen können genauso wenig mit einer «Wuchtl» oder einem «Gurkerl» anfangen wie die Österreicher mit einer «Pille» oder einem «Beinschuss». «Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gemeinsame Sprache», zitiert der Sprachexperte und Autor mehrerer Bücher zum österreichischen Deutsch, Robert Sedlaczek, den Wiener Kabarettisten Karl Farkas. Dies habe auch für die Fußballsprache Gültigkeit. Ähnliche Verständigungsschwierigkeiten werden mit den Nachbarn aus der Schweiz erwartet.
Verirren sich deutsche Zuschauer beispielsweise zu den Übertragungen des österreichischen und schweizerischen Fernsehens, tönt ihnen Fremdes entgegen. «Im Bereich der Fußballsprache ist das Schweizerdeutsche noch stark vom ursprünglichen, englischen Fachwortschatz geprägt», sagt Martin Graf vom Schweizerdeutschen Wörterbuch in Zürich, das die deutsche Sprache in der Schweiz dokumentiert. Das bestätigt Sedlaczek für Österreich. Als der Fußball vor mehr als 100 Jahren aus England in den deutschsprachigen Raum kam, waren Österreich und die Schweiz Vielvölkerstaaten. «Eine Sprachpolitik, die auf strikte Eindeutschung hinausläuft, hätte zu zusätzlichen Konfrontationen zwischen den Nationalitäten geführt», erklärt Sedlaczek. Deshalb wird in beiden Ländern noch heute statt einer «Ecke» ein «Corner» geschossen, das Tor hütet ein «Goalie» und einen «Strafstoß» kündigt der Kommentator als «Penalty» an.
Auf der Ebene der Mundart wird es für Deutsche dann noch komplizierter. Für Sätze wie «Den Boin fang i mit'n Kappl ausse» als Torwartbeschimpfung oder die Bezeichnung «Agraselkicker» (Stachelbeerspieler) braucht man schon einen Dolmetscher. «Seit jeher haben die Fußballer und die Fußballfans ein großes Bedürfnis gehabt, die Fußballsprache mit Ausdrücken ihrer Umgangssprache oder ihres Dialektes zu verfeinern», sagt Sedlaczek. Besonders beliebt sind in Österreich die sogenannten L-Einschübe: Spieler lassen den Ball «abtröpfeln» (mit der Brust stoppen und dem Fuß weiterspielen), «köpfeln» ihn ins Tor oder punkten mit einem «Schupferl» (Heber).
Einen Heimvorteil genießen da die Fußballfans im Süden Deutschlands. Die Bayern und die Österreicher haben aus Expertensicht gemeinsame Sprachwurzeln und verstehen deshalb ihre Dialekte besser. Begriffe wie «Erdäpfel» für Kartoffeln und «Schwammerl» für Pilze sind beispielsweise in München genauso gebräuchlich wie in Wien. Die Menschen aus Baden-Württemberg rücken sprachgeschichtlich mit den Schweizern zusammen, denn viele ihrer Dialekte zählen ebenso wie das umgangssprachliche «Schwyzerdütsch» zu den alemannischen Mundarten. «Der Süden, aber besonders der Südwesten Deutschlands, ist relativ nah am Alemannischen in der Schweiz», sagt Graf.
Schlachtenbummler aus dem Rest der Bundesrepublik sollten sich jedoch nicht gleich geschlagen geben, sondern das Internet um Hilfe bitten. Um etwa im Austragungsort Bern verbale Fehlpässe zu vermeiden, trainieren EM-Besucher am besten mit dem Wörterbuch unter http://www.euro08-bern.ch die wichtigsten Vokabeln des «Bärndütsch». Die Firma Henkel CEE macht Fußball-Touristen auf ihrer Website sprachlich fit für Österreich. Von der Begrüßung über den Stadionbesuch bis zum Flirten sind auf «Weanerisch», Deutsch und Englisch alle möglichen Situationen beschrieben.
Da das Fachsimpeln mit den Nachbarn für deutsche Fans nicht so einfach wird, weil sich einige Begriffe im Österreichischen bzw. Schwyzerdütsch erheblich vom Hochdeutschen unterscheiden, hier einige Übersetzungen:
«weanarisch» / deutsch* Outwachla - Linienrichter Fetznlaberl, Eierlaberl, Wuchtl - Ball Leiberl - Trikot Schrei ma ned so ins Oawaschl, i bin scho fast derrisch! - Brülle mir nicht so ins Ohr, ich bin schon fast taub! piefkinesisch - hochdeutsch *nach http://www.henkel-fanguide.at
Dabei wollen wir doch eigentlich nur eines: Uns endlich mit euch vertragen, damit auch am Urlaubsort Frieden einkehrt!
Bild.de-Wunsch an die Engländer
Ein Gericht in Stoke-on-Trent urteilte in der vergangenen Woche, dass eine britische Familie Anspruch darauf hat, rund ein Fünftel ihrer Urlaubskosten erstattet zu bekommen, weil es in ihrem griechischen Hotel praktisch keine Angebote in englischer Sprache gab. Das Hotel war fast ausschließlich von Deutschen besucht und bot zum Beispiel Unterhaltungsprogramme für Kinder nur auf deutsch an. Nach Ansicht des Gerichtes war der englische Prospekt, der darauf nicht hinwies, schwer irreführend.
Damit war nach Ansicht von "Bild" offenbar der ohnehin fragile Waffenstillstand zwischen Engländern und Deutschen gebrochen.
Auf einen mittelhämischen Artikel in der "Sun" reagierten Bild.de und "Bild" mit dem vollen Arsenal aus Verdrehungen, Rumgepöbel, Vorurteilen — und abwegigen Fußballvergleichen.
Unglaublich, aber wahr: Ein britischer Urlauber bekommt von seinem Reiseveranstalter Schadenersatz — weil ihm im Hotel zu viele Deutsche waren! Das Gericht erkannte das als eindeutigen Mangel an.
Über den Artikel stellte Bild.de das Motto:
Liebe Tommies, ihr wollt nicht mit uns Urlaub machen? Kein Problem. Wir spielen diesen Sommer ohne euch Fußball…
Und am Ende hieß es im Geist der Völkerverständigung:
Liebe Briten, listen carefully: Wir Deutschen erklären euch jetzt mal, warum wir nicht nur Schadenersatz, sondern sogar Schmerzensgeld verdient haben, wenn wir die kostbarste Zeit des Jahres ausgerechnet mit euch teilen müssen (oben im Kasten).
"Oben im Kasten" hat ein Bild.de-Praktikant sämtliche Vorurteile über Briten aus der Mottenkammer geholt. Zum Beispiel:
Gestern dann übernahm die gedruckte "Bild"-Zeitung. Sie hatte das Wochenende genutzt, auf dem Niveau vom Samstag zu bleiben, und schlagzeilte:
Und nachdem die beiden Autorinnen durch geschicktes Weglassen und Übertreiben die Chance minimiert hatten, dass die Leser das Urteil zumindest halbwegs nachvollziehen konnten, endeten sie mit dem Zitat einer deutschen Vertreterin eines Reiseveranstalters:
"Wir weisen unsere Kunden darauf hin, welche Nationalitäten in dem gebuchten Hotel zu erwarten sind."
Und die "Bild"-Autorinnen fügen hinzu:
Sollte man in England vielleicht auch so machen …
Aber dass das exakt die Begründung für das Urteil war, dass auch in England Kunden ein Recht auf solche Hinweise hätten, das haben sie in ihrem "DIE SPINNEN DOCH, DIE BRITEN!"-Rausch nicht gemerkt. Vielleicht konnten sie aber auch nicht mehr darüber nachdenken, weil ihnen gerade das Sauerkraut in die Tastatur gerutscht war und sich ihre Dirndln in den Nazi-Schreibtischstühlen verheddert hatten. PS: Und die "Bild"-Geschichte ist nun wieder Thema in den britischen Medien usw. usf.
Es gibt Krach zwischen der Fluggesellschaft Air Berlin und den Behörden auf den Balearen: Politiker und Medien rügen Airline-Chef Hunold öffentlich wegen seiner Aussagen zur katalanischen Sprache. Ein Politiker stellte das Air-Berlin-Logo mit einem Hakenkreuz ins Netz.
Hamburg - Ein Streit um den Einsatz der katalanischen Sprache zwischen der Balearen-Regierung und Air Berlin entwickelt sich zum handfesten Eklat: Katalanische Politiker fordern eine Entschuldigung des Air-Berlin-Chefs Joachim Hunold für einen Artikel im Bordmagazin des Unternehmens. Dort lehnte er in deutlichen Worten die Bitte ab, auf Strecken nach Mallorca, Menorca und Ibiza die Fluggäste auf katalanisch zu begrüßen. Die Balearen gehören neben Katalonien und Valencia zu den Regionen, in denen Katalanisch neben Spanisch offizielle Sprache ist.
Der katalanische Ex-Abgeordnete Joán Puig Cordón verlangte in seinem Blog, Hunold solle nach seinem "ungeheuerlichen Angriff" für seine Äußerungen "um Vergebung bitten". Das Logo von Air Berlin stellte er mit einem Hakenkreuz auf seine Internetseite.
"Das überspannt den Bogen. Wir sind ohnehin erstaunt über den Fanatismus, mit dem da reagiert wird. Das geht weit über das Ziel hinaus", sagte Air Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel SPIEGEL ONLINE. Das Unternehmen werde unverzüglich rechtliche Schritte einleiten.
Kritik an "mittelalterlicher Kleinstaaterei"
Auslöser für den Streit war ein Leitartikel in dem Magazin. Unter dem Titel "Das kommt mir spanisch vor" reagierte Hunold dort auf eine Aufforderung der Balearen-Regierung, "einen adäquaten Gebrauch der offiziellen Sprache der Insel" zu gewährleisten. Flüge nach Galizien oder ins Baskenland würden schließlich auch nicht in der regionalen Sprache betreut, konterte Hunold und fragte: "Spricht denn dort niemand Spanisch?"
Zudem sei es ziemlich gewöhnungsbedürftig, dass die einst wohlklingende Playa de Plama jetzt Platja de Palma heiße - was wie "Platscha de Palma" ausgesprochen werde. Als "Rückfall in die mittelalterliche Kleinstaaterei" bezeichnete Hunold zudem die angestrebte Autonomie von Nationalisten.
Boykottaufrufe und öffentliche Air-Berlin-Schelte
Die Aussagen Hunolds ging einigen Katalanen dann doch zu weit. Die Zeitung "El Diari d'Balears" erklärte Hunold zur "persona non grata" (unerwünschten Person). Mit seinen Äußerungen über die Sprachpolitik habe der Air-Berlin-Chef sich "wie ein Elefant im Porzellanladen" benommen, schrieb das auf Mallorca erscheinende Blatt.
Eine andere Zeitung fordert ihre Leser in einem Forum zu Stellungnahmen auf - an einem Tag gab es 500 Reaktionen. Die Initiative "Plataforma per la Llengua", die sich für die Verbreitung der katalanischen Sprache einsetzt, empfahl einen Boykott der Fluggesellschaft.
Air Berlin weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben nur erklären wollen, dass eine weltweit agierende Airline überfordert ist, wenn sie alle Regionalsprachen bedienen will. Das Ganze hat schließlich auch einen gewissen ironisch-humorigen Unterton", sagt Air-Berlin-Sprecher Hauptvogel und verweist auf einen Cartoon auf Seite 102 des Bordmagazins. Dort fliegen die Weißwürste und spritzt das Bier, weil ein Bayer wütend auf den Tisch haut. Die Sprechblase zeigt, warum: "Jo mei, wenn die hier noch Bayern kimma, die saupreißischen Katalanen die, da müssens fei boarisch redn! Kruzitürkn!!!"
Dass der Streit derartig eskalierte, hat nach Ansicht Hauptvogels auch mit der aktuellen Landespolitik zu tun: Die spanische Regierung habe vor kurzem angeordnet, eine dritte Spanischstunde an Schulen einzuführen, was die Gemüter erhitze. "Und wir sind genau in diesen Hexenkessel geraten", vermutet Hauptvogel.
Der südliche Teil der elsässischen Weinstraße führt durch eine reizvolle Landschaft mit romantischen Weindörfern und mittelalterlichen Städtchen. Bis hoch zu den Vogesenwäldern ziehen sich die Rebberge. Seit den Römern prägt der Weinbau diese Gegend, die weltweit berühmt ist für ihre Weine. Millionen von Urlaubern, Wanderern und Freizeitsportlern kommen jedes Jahr hierher, denn das südliche Elsass bietet neben dem Weinland nicht nur die Mittelgebirgslandschaft der Vogesen mit herrlichen Wäldern und Wiesen. Dem Besucher begegnen auf Schritt und Tritt Historie und Histörchen. So wird im Ecomusée, dem größten Freilichtmuseum Frankreichs, ein gerade vergangenes Stück Elsass vor dem Vergessen bewahrt. Mehr als 70 vom Abriss bedrohte Gehöfte wurden wieder aufgebaut, Handwerker arbeiten wie zu Urgroßvaters Zeiten und es wird Landwirtschaft getrieben wie vor einem halben Jahrhundert. Im Ecomusée hat Francis Dopf den Umgang mit Pferd und Pflug gelernt und seine Liebe zu den schweren Vierbeinern zum Beruf gemacht. Dopf pflügt auch in den Reben des Weinguts Dirler-Cadé. Vor acht Jahren wurden 17 Hektar Rebland, darunter beste Grand Cru Lagen, auf biodynamischen Anbau umgestellt. Die Winzer sind überzeugt, Wein beginnt im Weinberg und nur im völligen Einklang mit der Natur lässt sich ein Optimum an Geschmack erreichen. Hoch zu Ross sind die Patrouillen der Brigade Verte, der Umweltpolizei, in den Weinbergen und den Wäldern der Vogesen unterwegs. Der Schutz der Natur gilt im Elsass viel - und besonders stolz ist man darauf, dass sich die Population des Weißstorches wieder erholt hat. Der Wappenvogel des Elsass war Anfang der 70er Jahre fast ausgestorben. Doch dank der Organisation APRECIAL und ihren vielen Helfern sind die Störche wieder nahezu überall im Elsass anzutreffen. Unermüdlich ist der Leiter von APRECIAL, Gérard Wey, unterwegs, um Nistplätze auszuspähen oder für den Schutz von Meister Adebar zu werben. So dürfen im Storchenpark von Soultz Kindergartenkinder miterleben, wie der Storchennachwuchs beringt wird. Ein erlebnisreicher und anstrengender Tag für die Kleinen, denn am Morgen haben sie schon im Kindergarten Deutsch gelernt. Die deutsche Sprache hat über Jahrhunderte die Kultur des Elsass geprägt. Doch zwei Weltkriege haben auch hier tiefe Wunden hinterlassen, lange Zeit war es wenig schick, Deutsch zu sprechen. Von den leidvollen Kapiteln der deutsch-französischen Geschichte zeugen die Kreuze der Soldatenfriedhöfe auf den Höhen der Vogesen. Während des Ersten Weltkriegs sind allein 30.000 Soldaten auf dem Schlachtfeld des Vieil Armand, des Hartmannswillerkopf, gefallen. Nicht selten kämpften Mitglieder einer Familie auf beiden Seiten. Ein Symbol des Wandels: Heute pflegen Soldaten der deutsch-französischen Brigade die Gedenkstätte. Erhalten hat sich der historische Stadtkern von Colmar - mit seinen Fachwerkidyllen und herausgeputzten Renaissancehäusern einer der schönsten im Elsass. Die ehemalige Reichsstadt lockt Schwärme von Touristen, die sich von Türmchen, Giebeln, Galerien und dem Skulpturenschmuck der Häuser verzaubern lassen. Unter den zahlreichen Museen der Stadt beherbergt das Musée d'Unterlinden einige wertvolle Kunstschätze des Elsass. Weltberühmt: der Isenheimer Altar von Mathias Grünewald, eines der bedeutendsten Werke der abendländischen Kunstgeschichte. Zum Ende der filmischen Reise durch das südliche Elsass besucht "Bilderbuch" noch eine der ältesten Weinbruderschaften Frankreichs. Die Confrérie Saint-Etienne residiert im Schloss von Kintzheim. Berühmt ist ihre Weinsammlung, in der über 70.000 Flaschen lagern. Heute werden mehr als 160 Millionen Flaschen Weißwein jährlich im Elsass produziert.
Die Luzyca-Reihe "Minderheiten in Europa" führt die Redaktion diesmal in die niederländische Provinz Fryslan. Hier leben und arbeiten ca. 400.000 Westlauersfriesen. Die Sprache gehört zu den westgermanischen Sprachen. Sie hat acht Dialekte und ist zweite Amtssprache in der Region. Es gibt ein Treffen mit dem Bürgermeister der Nordseeinsel Ameland, Albert de Hoop, deren Einwohner einst von Strandräuberei lebten. Heute leben dort 3.500 Friesen vorwiegend vom Meer und den Touristen. Besucht wird auch Schneek, die einzige einst eingemauerte westfriesische Stadt.
Talkshow mit Jörg Thadeusz Zu Gast: Mister Tagesthemen Ulrich Wickert
Sein "Guten Abend, meine Damen und Herren" am Beginn der "Tagesthemen" und die "Geruhsame Nacht" am Schluss, sein jungenhafter Charme, das rollende R, die feine Ironie in der Stimme und wie er dabei den rechten Mundwinkel ein wenig nach oben zieht - all das hat Ulrich Wickert bekannt und berühmt gemacht.
15 Jahre lang war Wickert das Gesicht der Tagesthemen. Und die Tagesthemen waren Wickert, weil dort einer seinem Publikum die oftmals schrecklichen Dinge des Tages mit Abstand und Gelassenheit nahe bringen konnte. So schaffte er es an einem "Tagesthemen"-Abend im Juli 2000 in jeder Anmoderation ein Zitat aus Goethes "Faust" unterzubringen - sogar zur Wetterankündigung fand sich etwas Passendes. Und Wickert gebührt die Ehre, die Vokabel "pissig" in die Nachrichtensprache eingeführt zu haben.
Langweilig war es mit Ulrich Wickert nie: "Ich habe im Zweifelsfall immer das getan, was ich für richtig hielt und nicht das, was andere für richtig hielten." Und in der Tat: Geboren in Tokio und aufgewachsen in Heidelberg, hing er sein Jurastudium kurz vor dem Abschluss an den Nagel, um Journalist zu werden - was Vater Erwin mit den Worten "Du Depp" kommentierte und ihm riet, doch etwas Anständiges zu machen.
Seit bald 40 Jahren ist Ulrich Wickert nun schon Journalist. Er war Korrespondent in Paris, Washington und New York und spürte als Reisender soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge auf. "In Amerika habe ich den Sinn für Freiheit kennen gelernt, in Frankreich habe ich den Sinn für politische Werte - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und den Sinn für den Begriff "Nation" kennen gelernt", sagte er einmal und mühte sich stets von Berufs wegen "einen Zipfel der Wahrheit zu erhaschen". Vor allem als Autor geriet der Vielschreiber zum "Moralisten der Nation". Er glaubt daran, dass sich in einer Gesellschaft nicht die Strukturen verändern müssen, sondern die Menschen.
Von den Deutschen und ihrem Verhältnis zur Vergangenheit handelt auch sein neues Buch. In "Gauner muss man Gauner nennen" lässt er sich gewohnt zynisch über Dinge aus, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, es aber nach wie vor nicht sind. Denn in der Welt, wie Wickert sie sieht, herrscht nichts als Verlust und Schwund. Fast alles ist geschwunden: das Vertrauen der Bürger, die Glaubwürdigkeit der Politiker, die Hoffnung auf die Zukunft, die moralischen Grundwerte, die Solidarität, das Gemeinschaftsgefühl. Das einzige, was nicht schwinden will, ist der "hohe Sockel von Arbeitslosigkeit". Die Wertekrise. Und sein Erfolg bei Frauen.
Wo immer Ulrich Wickert hinkommt, entsteht Unruhe, Verlegenheit, Aufmerksamkeit. Doch wenn einer 1,96 Meter groß ist, vergleichsweise schlank, selbst bei Hundewetter joggt, Tennis spielt, weltläufig und kunstsinnig ist und als links gescheitelter Fernsehstar eine hanseatische Sinnlichkeit verströmt, dann interessiert sich die Weiblichkeit nun mal für ihn.
Bei THADEUSZ verrät Ulrich Wickert, warum er als Student eine Ballettschule gründete, ob der einzige Bestandteil seines Lebensabends das Bücherschreiben bleibt und weshalb deutscher Käse wie Putzmittel schmeckt.
RBB - Bilderbuch Deutschland 24.06.2008, 15.15-16.00 Uhr
Bautzen - Im Land der Sorben
Idyllisch am Rand von Spree und Lausitzer Bergland liegt die über tausendjährige Stadt Bautzen. Schon 1002 wurde Bautzen als "Civitas Budusin" erstmals urkundlich erwähnt - und durch seine Grenzlage seitdem immer wieder belagert und umkämpft. Die Stadt gehörte schon zur Mark Meißen, zu Polen, zu Brandenburg, mehrmals zu Böhmen und sogar zu Ungarn. Doch seit 1635 - also fast 400 Jahren - liegt Bautzen auf sächsischem Territorium. An diesem Kreuzpunkt von Geschichte, Kulturen und Völkern leben heute 42.000 Menschen, darunter 5.000 Sorben. Das slawische Volk ohne Staat pflegt und bewahrt seit 14 Jahrhunderten in der Lausitz seine eigene Sprache und Kultur. Dabei ist Bautzen für die insgesamt 60.000 Sorben der Ober- und Niederlausitz inoffizielle Hauptstadt und kulturelles Zentrum.
WDR - Bilderbuch: Die Saar in Rheinland-Pfalz 25.06.2008, 14.15-15.00 Uhr
Ein Film von Sabine Glaubrecht
Die Saar kurz vor ihrer Mündung in die Mosel, flankiert von steilen Weinbergen und schroffen Felsformationen. Kein eiliger Strom, sondern ein behäbig dahin fließender Fluss im Südwesten Deutschlands. Ländlich die Region, zwei Mittelgebirgslandschaften - Hunsrück und Saargau - zwängen den Fluss immer wieder in ein enges Bett. An seinem Ufer das bonbonfarbene Städtchen Saarburg und weltberühmte Weindörfer. Wiltingen mit einem der weltbesten Weingüter, dem Scharzhof. Das Dorf Ayl und seine Weinlage "Ayler Kupp". Dazwischen der Ort Kanzem, ausgezeichnet als eines der schönsten und aktivsten Dörfer Europas. Ganze 27 Kilometer legt die Saar in Rheinland-Pfalz zurück. Diese wenigen Kilometer zwischen der saarländischen Grenze und ihrer Mündung in die Mosel sind die abwechslungsreichsten ihres gesamten Laufes. Ein Dreiländereck. Deutschland, Luxemburg und Frankreich treffen hier zusammen, Europa im Taschenformat. Die Menschen sprechen eine gemeinsame Sprache, ihren moselfränkischen Dialekt. Sie haben häufig französische Nachnamen, wohnen oft in Deutschland und arbeiten in Luxemburg. So kamen die französischen Vorfahren des Weingutbesitzers Claus Piedmont 1881 mit Napoleon an die Saar. Der passionierte Jäger, Wein- und Saarliebhaber pflegt sein Erbe, ein "Weinschloss", wie die alten, typischen und aufwändig gebauten Gutshöfe hier heißen. René Morbé hingegen kam mit seiner Familie erst vor wenigen Jahren aus Luxemburg an die Saar. Er tauschte seine Wohnung in der Europastadt Luxemburg gegen einen Bauernhof auf dem Dorf ein. "Eine Landschaft zum Verlieben schön", sagt er über seine neue Heimat. So ähnlich haben dies bereits Römer, Kurfürsten und Könige gesehen. Ihre Kultstätten, Gutshöfe und Grabstätten belegen die Bedeutung dieser einst heftig umkämpften Grenzregion. Vielfalt der Landschaft, facettenreiches Kulturerbe und die durch viele Völker beeinflusste besondere Lebensart - "Bilderbuch" zeigt diese einmalige Mischung, wie sie nur hier, an diesen wenigen Flusskilometern der Saar, zu finden ist.
"Es sind nicht die höchsten Berge der Welt, auch nicht die gefährlichsten, aber bestimmt sind es die schönsten", sagt Reinhold Messner über die Gipfel seiner Südtiroler Heimat. Als Studiogast bei Planet Wissen erzählt der berühmte Bergsteiger, warum es ihn immer wieder dorthin zieht. Die Region mit ihren mächtigen Gipfeln, sanften Tälern, der deftigen Küche und dem italienischen Flair blickt zurück auf eine bewegte Geschichte. Einer Geschichte von Trennung aber auch vom Entstehen einer neuen Nation. Wie lebt es sich in einem Land mit mehreren Sprachen? Gemeinsam mit Reinhold Messner erklimmt Planet Wissen Südtirols landschaftlichen und kulinarischen Höhepunkten.
Erntestress bei Deutschlands größtem Gemüsebauern - Die Niedersachsen-Nacht
Rudolf Behr ist Deutschlands größter Gemüsebauer und Chef der "Behr Aktienge-sellschaft". Die Zentrale des Grünzeug-Imperiums steht im niedersächsischen Seevetal. 120 Millionen Köpfe Eisbergsalat verkauft das Unternehmen jedes Jahr, 80 Millionen Minirömer und 42 Millionen Kohlrabis. Doch bevor der Salat in den Verkauf kommt, beginnt ein harter Kampf im Einzelhandel. Wenn sich die eine große Supermarktkette für das Wochenende eine "Römersalat"-Aktion ausdenkt und die andere mit Rucola dagegen hält, muss Rudolf Behr seine internationalen "Salatsöldner" bis auf den letzten Mann ins Feld schicken: Überstunden und Wochenendschichten sind dann angesagt, denn wenn die Salate zu spät in den Regalen landen, muss Behr bis zu 25000 Euro Strafe zahlen. "Salat wächst am Boden, damit fängt das Problem an", sagt der Chef. Er weiß, dass sich in Deutschland kaum noch jemand bücken will - schon gar nicht für 5,42 Euro die Stunde. Zehn Prozent seiner Saisonarbeiter müssen aus Deutschland kommen, das verlangt die Arbeitsagentur. Die Bandscheibe, die Sehnenscheiden, lange Anfahrtswege - von den deutschen Arbeitslosen hat in all den Jahren keiner länger als ein paar Tage durchge-halten. An der Salatfront ackern Marokkaner, Afrikaner, Vietnamesen und vor allem Polen. Der kenianische Vorarbeiter musste Polnisch lernen. Das ist die gängige Sprache bei der Feldarbeit - ein Kulturkampf in der Ackerfurche.
"Im Salat" zeigt das schwierige, aber spannende Geschäft mit den vitaminreichen Köpfen, von denen die europäische Fitness- und Diätgesellschaft immer mehr verschlingt.
NDR - Alles und noch viel mehr - Die Manuela-Story 03.07.2008, 23.10-00.20 Uhr
Wie werde ich Superstar
Ein Film über die Liebe, die Lüge und den deutschen Schlager, über den Aufstieg und Fall der Doris Wegener, genannt Manuela (1943 bis 2001), und vor allem die Geschichte ihrer Fans. So spektakulär der Aufstieg der ehemaligen Löterin in einer Radiofabrik zum gefeierten Superstar Manuela auch war, so still und schmerzvoll war der Abstieg. Von den Medien fallen gelassen und von schlechten Beratern um ihre Tantiemen betrogen, sollte sich der lang gehegte Traum vom großen Comeback durch den frühen Tod der Sängerin nicht mehr erfüllen. Manuela schuf mit ihrem Gesangsstil einen neuen Trend: Sie war die erste, die der populären ausländischen Musikkonkurrenz ein Schnippchen schlug und rotzfrech in gebrochenem Deutsch sang. Für Sprachästheten war dies eine Vergewaltigung der deutschen Aussprache - das Publikum hingegen fand es todschick. Seit der Antike werden Schriftsteller und Schauspieler, Sportler und Staatsmänner als Idole verehrt und zu Helden und Göttern verklärt, so ist der Fankult nicht wirklich ein neuzeitliches Phänomen. Und nicht erst seit dem Musical "Jesus Christ Superstar" kann die Bewunderung für eine Person des öffentlichen Lebens Massen in Bewegung setzen. Was aber verbindet die Fans mit der Schlagersängerin Manuela? Welche Faszination übt das wechselvolle Leben der verstorbenen Interpretin auf derartig unterschiedliche Menschen aus, dass sie dem "Leben ihres Idols" so viel Zeit und Mühe widmen? Ist es vielleicht das Wissen darum, woher die Lieder ihres Stars Manuela kommen? Weil ihre Fans dabei waren, als sie zum ersten Mal gesungen wurden? Weil die Songs von Manuela dem persönlichen Glück und Unglück ihrer Anhänger eine Gestalt, einen Klang gegeben haben? Wie weit durchdringen sich die verschiedenen Realitäten, die völlig unterschiedlichen Biografien?
Yevgen Zaretsky - Anglizismen im Russischen seit 1991 Ein Vergleich mit dem Ukrainischen und Deutschen
Studien zur Anglistik und Amerikanistik, Bd. 12
Hamburg 2008, 692 Seiten, ISBN: 978-3-8300-3766-8
Zum Inhalt:
In dieser Studie wird der Einfluss des Englischen auf die russische Sprache untersucht, vor allem in der Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion (1991). Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Lehngut, das in die Umgangssprache und verschiedene Fachsprachen eingegangen ist und schon jetzt eine vergleichsweise hohe Wortbildungsaktivität aufweist, obwohl es morphologisch und graphematisch zum Teil noch wenig integriert ist. Es geht um die Verwendung von Anglizismen in den ehemaligen Republiken der Sowjetunion, in denen Russisch als Muttersprache oder lingua franca verwendet wird: Russland, Ukraine, Kasachstan, Weißrussland, Moldawien etc.
Zu den wichtigsten Themen zählen die Gründe für die Übernahme des fremden Wortschatzes, die Geschichte des englischen Einflusses auf das Russische, die Einstellung von verschiedenen Bevölkerungsschichten zu Anglizismen und zur Amerikanisierung der russischen Kultur im Allgemeinen, die Sprachpolitik der russischen Regierung, der kulturelle und historische Hintergrund der Amerikanisierung. Besondere Aufmerksamkeit wurde den soziologischen Aspekten der Amerikanisierung geschenkt. Es wird der Versuch unternommen, kultur- und sprachwissenschaftliche Ansätze, die fast immer getrennt untersucht werden, in Verbindung zueinander und außerdem auch zu empirischen Untersuchungen zu bringen.
Die wichtigsten Ziele des Verfassers bestehen in der Zusammenfassung der bisher erschienenen Werke über Anglizismen, in der kritischen Auseinandersetzung mit den Ergebnissen dieser Werke, in der Beschreibung der neuesten sprachlichen und kulturellen Erscheinungen, falls diese in Verbindung mit den sprachlichen gebracht werden können, sowie in der Erschließung der Quellen, die bisher in diesem Kontext noch nicht untersucht wurden. Auf die Erläuterung allgemein bekannter Tatsachen über Anglizismen im Deutschen (Kapitel "Die Amerikanisierung des Russischen und Deutschen im Vergleich") wird verzichtet, zumal sie ohnehin in anderen Quellen mehrmals vorgenommen wurde; Russisch und Ukrainisch werden dagegen in jeder Hinsicht in Bezug auf mögliche Auswirkungen des englischen Einflusses untersucht, Ukrainisch allerdings in einer komprimierten Form und ohne Gegenüberstellung zum Deutschen (Kapitel "Der Einfluss des Englischen auf das Ukrainische"). Die Untersuchung des Ukrainischen ist insofern wichtig, als man auf diese Weise die Thesen über die Natur einiger Erscheinungen im Russischen überprüfen kann: Die meisten Prozesse, die heutzutage im Russischen zu beobachten sind, sind auch im Ukrainischen feststellbar, aber mit einigen interessanten Ausnahmen, die man durch die Spaltung des Landes in eine prorussische und prowestliche Hälfte, durch den "Zweikampf" der Sprachen (Russisch und Ukrainisch) sowie durch die unterschiedliche Einstellung zu Anglizismen erklären kann.
Schlagworte
Sprachkontakt, Anglizismen, Russisch, Ukrainisch, Fremdwörter, Sprachwandel, Soziolinguistik, Sprachpurismus, Lehnwörter, Lehnwortschatz, Russland, Ukraine, Kasachstan, Weißrussland, Moldawien, Sprachpolitik, Amerikanisierung, Anglistik, Amerikanistik, Kulturwissenschaft, Sprachwissenschaft --- Die Schreibweise des Autorennamens ist der Verlagsseite entnommen: http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-3766-...achwissenschaft
WDR - Heimatsuche - Jeckes in Israel 07.07.2008, 14.15-15.00 Uhr
Dokumentation von Frank Rothert und Christoph Felder
"Jeckes" - das ist der traditionelle Name für deutschstämmige Israelis. In ihren Lebensläufen bündelt sich das Drama der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, die nie ohne den Holocaust zu denken - und zu leben - sind. Die meisten Jeckes kamen unter dem Eindruck der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland nach Palästina. Sie waren nicht besonders willkommen, sie waren nicht besonders gut vorbereitet auf das Leben im Orient, sie galten oft als steif und förmlich, als zu kulturbeladen und vergeistigt. Und ihre Sprache war die Sprache der Täter. Sie galt es zu verstecken - so sehr, dass viele "Jeckes" ihren Kindern erst gar kein Deutsch mehr beibrachten. Ofir, ein junger Israeli, begibt sich in dieser Reportage auf die Fährte seiner eigenen Geschichte. Er hat deutsche Großeltern, von denen er so gut wie nichts weiß - und von deren Lebensdrama ihm auch der Vater nichts erzählen kann. So sucht er im Kontakt und im Gespräch mit "bekennenden" Jeckes nach dem besonderen Lebensgefühl der deutschen Einwanderer in Israel. Er findet kulturelles Erbe, und er erlebt, dass Israel jetzt, nach vielen Jahrzehnten des Schweigens, die Leistungen der Jeckes beim Aufbau des Staates anerkennen kann. Und er versteht, dass es die Aufgabe der Enkelgeneration ist, die Erinnerung an die schwierigen und oft schmerzhaften Anfänge in der neuen Heimat zu bewahren.
Themen: * Besuch bei Nachbarn * Pension Büchler - Hotel für Obdachlose * Gefangenentheater "aufBruch" spielt in Tegel * Interkulturelle Gärten
Besuch bei Nachbarn Seit Ende Dezember gibt es an der deutsch-polnischen Grenze keine Kontrollen mehr. Doch nur die wenigsten sprechen die Sprache der Nachbarn. Das will das Projekt "Spotkanie heißt Begegnung" ändern. Polnische und deutsche Kinder sollen sich bei gegenseitigen Besuchen kennen lernen.
Pension Büchler - Hotel für Obdachlose Der studierte Mathematiker Lutz Büchler betreibt in Lichtenberg eine Pension in einem großen alten Plattenbau. Rund 300 Gäste hat er zurzeit: Bauarbeiter auf Montage - und Hartz IV-Empfänger. Eine Nacht im Doppelzimmer kostet 6,50 Euro. Küchenbenutzung inklusive. Damit ist die Pension Büchler eine der billigsten Herbergen der Republik.
Gefangentheater "aufBruch" spielt in Tegel Das Gefangenentheater "aufBruch" besteht seit über 10 Jahren und hat sich schnell zu einem künstlerisch anerkannten Projekt entwickelt, das sowohl in der Theaterszene als auch in der Leitung und bei den Insassen der Justizvollzugsanstalt Tegel große Anerkennung findet. Mitte Juni war die Premiere des diesjährigen Freiluftgefangentheaters auf dem Freiganghof der JVA Tegel. Weitere Vorstellungen folgen im Juli.
Interkulturelle Gärten In vielen Berliner Bezirken und in Brandenburg bestehen bereits solche Gärten, weitere sind in Planung. Der erste interkulturelle Garten wurde vor 14 Jahren in Berlin Neukölln-Britz von griechischstämmigen Arbeitsmigranten gegründet, die dort gemeinsam mit deutschen Freunden und Kollegen die Beete bewirtschafteten. Daraus wurde rasch ein Projekt, das allen Nationalitäten offen steht und Nachahmer fanden sich in fast allen Berliner Bezirken.
SWR BW - Wirtshausgeschichten aus Südtirol 11.07.2008, 18.15-18.45 Uhr
Das "Garsun" im Gadertal
Michael Harles besucht das Land der Ladiner, wo nicht nur eine eigene Sprache gesprochen, sondern auch eine ganz eigene Küche gepflegt wird. Während man die Geschichte der Region in den Dolomiten am besten beim mittelalterlichen Umzug in Sankt Vigil erlebt, genießt man die Küche am besten im Wirtshaus "Garsun". Dort gibt es "Turtres", Teigtaschen, die mit Spinat und Kraut gefüllt werden, und diverse süße oder saure Variationen von Krapfen. Früher war die Küche von Loise Obwegs zugleich die Wirtsstube, in der die Gäste ihre Gerstensuppe und ihren Rotwein genossen haben. Heute gibt es eine extra Stube und auch eine Bar, in der die Bauern sich treffen und bei einem Schoppen über alles debattieren - selbstverständlich auf ladinisch.
Ich weiß, dass dieser Vereinsname mittlerweile zu "Verein Deutsche Sprache e.V." verkürzt wurde. Aber bei meinen Streifzügen durch das Wirre Weite Web kam mir dieser (schon etwas ältere) Artikel unter: http://www2.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricet...uC1/BFDtSpr.htm.
In ebenjenem Artikel findet ihr dann auch den Hinweis auf den VWDS e.V.:
Zitat von FÜR DIE BEWAHRUNG UND PRAKTISCHE FORTENTWICKLUNG DES KULTURELLEN ERBES UND EIGENWERTES DER DEUTSCHEN SPRACHE. Aktionen, Materialien, Beiträge.a) Der 'Verein zur Wahrung der deutschen Sprache e. V.' *, Postfach 104128, D-44041 Dortmund, Tel.: 0231-7948520, FAX 0231-7948521, EP-Adresse: info@vds.de , URL-Adresse : http://www.vwds.de, Umbenennung des Vereins in 'Verein Deutsche Sprache': info@vds-ev.de bzw.: http://www.vds-ev.de und http://www.vds-ev.de/verein/. Auf dem Wege über diese Adresse sind u. a. eine nützliche Literaturzusammenstellung (Aufsätze und Vorträge zur deutschen Sprache), mehrere Internet-Foren und eine Vielzahl anderer nützlicher Informationen zugänglich.
*Auf einer Vollversammlung des Vereins wurde vor einiger Zeit der - später von einigen Delegierten gerichtlich angefochtene -Beschluß gefaßt, den Namen in 'Verein Deutsche Sprache (VDS)' umzuändern. Die neue Namensgebung verunklärt m. E. die legitimen Ziele des Vereins. Der außerordentlich vierdienstvolle Verein nimmt mit einer solchen Umbenennung eine angesichts seiner schon immer völlig legitimen und verfassungsmäßigen Ziele in Umfang und Form völlig unnötige 'Anpassung' an eine in der politisch-medialen Öffentlichkeit seit längerer Zeit wahrzunehmende, im Hinblick auf die institutionelle Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) bedenkliche, ja unerträgliche öffentliche Meinungskontrolle vor. Christian Gizewski).
Die meisten Inhalte und Argumente der zitierten Publikation sind wohl bekannt und harren meiner noch tiefer gehenden Analyse.
Da wird sich die "VdS Schadenverhütung GmbH" aber über die Unmengen an unbekannter Post freuen, die über die verstümmelte EP-Adresse (ist nun eine Abkürzung besser als ein eingeführter Anglizismus?) eintrudelt.
Am interessantesten aber fand ich den Verweis auf den genannten Verein: http://www.vwds.de. Ich dachte mir, vielleicht funktioniert er noch und verweist auf die aktuellen VDS-Seiten. Mitnichten! Da hat wohl jemand Geld sparen wollen und den eingeführten Domainnamen veräußert oder freigegeben - ein Klick genügt und wir werden unter der genannten Adresse über den Gebrauch der reformierten Rechtschreibung (kurz und knackig erklärt, finde ich) aufgeklärt. Des weiteren finden sich kurze Erklärungen zu Kollokationen, Homonymen, Antonymen usw. Abschließend werden beliebte Vor- und Nachnamen aufgelistet, gefolgt von ein paar Vokabeln verschiedener Dialekte (Berlinerisch ist hiermit zu einem Dialekt geadelt worden!). Alles in allem etwas mager.
Unter "Kontakte" finden sich mir unbekannte Namen:
Zitat von VWDS.de-Kontaktev/w/d/s. de e/G/.i. Team in Zusammenarbeit mit: - Berlin GaioStudio - Rolf Newald, Berlin - Initiative Andreas Bolk, Berlin
Internet: Berlin
Marl Krummel, Thorsten Vogel - ( Berlin ) kontakt [at] v/w/d/s .de
Sind das nun Ex-Mitglieder des heutigen VDS? Eine DENIC-Abfrage war genauso unergiebig: Domaininhaber ist die in Belgien ansässige Gesellschaft "Verb Well Day Service e.G.i." (v/w/d/s), technisch wird die Domain von einem Treuhänder in Potsdam (mit russischem Vornamen) betreut. Das Thema in etwa dasselbe wie beim alten VWDS - aber sonst? Es gibt auf der Seite (es ist wirklich nur eine Seite) noch Werbeverweise auf zwei Berliner Hotels: "Zarenhof" und "Orion". Beide bieten auf ihren Internetauftritt neben deutsch und englisch auch noch auf russisch an (der "Zarenhof" zusätzlich noch auf polnisch).
Ich mutmaße mal nicht, sondern lasse es auf mich wirken.
(entnommen der c't 9/2007, aber nach eigenem Erleben noch aktuell)
Zitat von c't 9/2007Vista enthält nicht nur viel neuen Code, sondern auch viel mehr Text als Windows XP. Dialoge bieten neben Standard- schaltflächen auch Hyperlinks zu verwandten Bereichn, Assis- tenten erklären ausführlich die Risiken und Nebenwirkungen des nächsten Schritts und eine ausführliche Online-Hilfe erläu- tert alle möglichen Belange.
In der englischen Version mögen diese Hilfestellungen durchaus willkommen und gelungen sein, doch die mit der Übersetzung betrauten Microsoft-Mitarbeiter waren vom Textwust offenbar überfordert. Die deutsche Lokalisierung von Vista ist derart mangelhaft, dass es nicht nur Sprachpuristen kalt über den Rücken läuft.
Anders als frühere Windows-Versionen wurde Vista komplett in den USA übersetzt. Dabei scheinen Online-Hilfe, Dialog- texte und Schaltflächen von unterschiedlichen Übersetzern zu stammen, die zuvor weder ein gemeinsames Vokabular vereinbart noch die Texte nachträglich abgeglichen haben.
Im besten Fall fällt das Ergebnis humorig aus, im schlimmsten führt es zu massiver Verunsicherung. Klickt etwa ein Anwender in der Karteikarte "Leistung" im Task-Manager auf die Schalt- flache "Ressourcenmonitor...", fragt die Benutzerkontensteue- rung zurück, ob man wirklich die "Zuverlässigkeits- und Leis- tungsüberwachung" starten möchte, die als perfmon.exe im System32-Verzeichnis liegt. Der Ressourcenmonitor wurde nicht etwa von einem Trojaner* überschrieben - hinter dem Tohu- wabohu steckt schlicht eine Lokalisierungspanne.
Die Systemsteuerung bietet zahlreiche schrullige Optionen wie "Tastaturen ändern" oder "Problemverlauf anzeigen". Eini- ge Einträge wecken überhöhte Erwartungen: "Einstellungen für Personen in meiner Umgebung ändern" konnte den Kollegen Vahldiek mitnichten dazu bewegen, seine Meinung über Windows Mail zu überdenken.
Je tiefer amn in Vista abtaucht, desto unverständlicher wird das Deutsch. Der Ressourcenmonitor misst neben der maxi- malen Frequenz der CPU auch die "Meiste aktive Zeit" der Datenträger. Wer sich im Geräte-Mana- ger mal die detaillierten Eigenschaften einer beliebigen Komponente ansieht, stößt dort auf "Star- ker Name des Treiberknotens", "Klassenkurzname" und "Aus- werfverhältnisse".
Auch der Gruppenrichtlinienobjekt-Editor ist ein steter Quell von Übersetzungspannen und Tippfehlern; einige Optionen blieben hier komplett unübersetzt. Allerortens haben die Übersetzer engliche Substantivfolgen brutal zu zusammen- gesetzten Hauptwörtern vermatscht ("Funktionssuchanbie- ter-Host"). Teilweise hilft nicht einmal eine mühselige Rück- übersetzung.
Ausgerechnet bei den PR-trächtigen Sicherheitsfunktionen des neuen Betriebssystems gibt sich Microsoft eine Blöße nach der anderen. Der Befehlszeilenbefehl "whoami /all" führt eine Gruppe mit dem Namen "Verbindliche Beschriftung\Hohe Verbindlichkeitsstufe" und bescheinigt eine Berechtigung zum "Auslassen der durchsuchenden Überprüfung".
Über die zahlreichen Mängel bei der Eindeutschung der Bit- Locker-Laufwerksverschlüsselung, pardon "Laufwerkver- schlüsselung", hat sich schon der Beitrag in c't 5/2007, S. 194 "Platte unter Verschluss" ausführlich lustig gemacht.
Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Microsoft hier Nach- besserungsbedarf sieht. Dabei erstrecken sich die beschriebe- nen Lokalisierungsschwächen auch auf andere Microsoft-Pro- dukte wie etwa Office 2007: Dort weisen Dialoge den An- wender schon einmal darauf hin, auf "Schließen" zu klicken - dumm nur, dass auf der gemeinten Schaltfläche stattdes- sen "Fertig stellen" steht.
* Gemeint ist wohl: Trojanisches Pferd (Anm. von mir)
Sommersprachcamps für 140 Schülerinnen und -schüler mit Migrationshintergrund
Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit: Ab 21. 2008 Juli beginnen Sprachcamps für insgesamt 140 Oberschülerinnen und -schüler mit Migrationshintergrund. Die Sprachcamps werden von der Bildungsverwaltung, der Stiftung Mercator und Freien Trägern seit 2006 angeboten. In diesem Jahr stehen wieder drei Sprachförderangebote zur Auswahl: · Vom 21.7. - 1.8.: 14-tägige Sprachcamps (Schreibwerkstatt/Berufsorientierung, Vorbereitung auf den MSA) sowie diverse begleitende Kreativworkshops (Rap, Theater, Hörspiel, Siebdruck u.ä.) - im Kreativ- und Bildungszentrum die gelbe Villa in Berlin-Kreuzberg. (40 Plätze) · Vom 20.7. - 2.8., 3.8. - 16.8. und 17.8. - 30.8.: Die Sommerschule mit ars-vivendi nach Grebenhain (Hessen), Ruhlsdorf (Brandenburg). (60 Plätze) · Vom 21.7. - 1.8.: Das ibbw Sommer-Sprachcamp in Berlin-Neukölln widmet sich dem Thema Medien. Während der fachbezogene Wortschatz geübt und durch Sprachübungen vertieft wird, vermitteln die Workshops zudem Medienkompetenzen durch praktische Anwendungen. (40 Plätze) Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: "Die Erfahrungen zeigen, dass selbst junge Menschen mit guten Kenntnissen der Alltagssprache an ihre Leistungsgrenzen stoßen, wenn im Unterricht zunehmend Bildungs- und Fachsprache angewendet wird. Durch die Sommercamps wollen wir die Deutschkenntnisse von Schülerinnen und Schülern, die mehrsprachig aufwachsen, so verbessern, dass sie die sprachlichen Anforderungen in der Oberschule erfüllen und einen höherwertigen Schulabschluss erreichen können." Das Land Berlin und die Stiftung Mercator fördern seit 2005 dieses Sprachförderprojekt an 13 Schulen. Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprache erhalten eine gezielte Sprachförderung am Nachmittag, am Samstag sowie Feriensprachkurse (Sprachcamps). Das zweiteilige Förderkonzept ist von Prof. Dr. Heidi Rösch (PH Karlsruhe) entwickelt worden: Deutsch als Zweitsprache (DaZ) wendet sich als Schreibprojekt an die 7./ 8. Jahrgangsstufe, während der 9./10. Jahrgang einen Schwerpunkt bei der Berufsorientierung liegt. Neu ist ein erweitertes Sprachkonzept zur Vorbereitung auf den mittleren Schulabschluss (MSA) mit dem Schwerpunkt auf der 4. Prüfungskomponente (Präsentation, Fach- und Bildungssprache). In Kooperation mit der Stiftung Mercator werden 25 Sprachförderlehrer und -lehrerinnen von der Humboldt-Universität in einer viertägigen Schulung auf den Sprachförderunterricht in den Ferien vorbereitet. Anmeldemöglichkeiten bestehen noch bei der gelben Villa, Frau Wellbrock, Tel. 030 767650-0 oder Herrn Dezgahi 0551 54822-24, info@ibbw.de.
Kooperation zwischen Land und Bildungsträgern unterzeichnet: Englisch-Zertifikate für Realschulen
Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung teilt mit:
Zum Schuljahr 2008/2009 werden 21 Realschulen (darunter 19 öffentliche Realschulen eine verbundene Haupt- und Realschule und eine private Realschule) ihren Schülerinnen und Schülern das international bekannte und anerkannte Cambridge-Sprachzertifikat für Englisch anbieten. Zur Vorbereitung erhalten diese Schülerinnen und Schüler zusätzlich zur Stundentafel ein bis zwei Stunden Englischunterricht. Es wird auch Schulen geben, die eine weitere Zusatzstunde bereits ab der 7. Klasse anbieten. Die Zertifikatsprüfungen für 10. Klässler finden im Frühjahr 2009 statt. Das Cambridge-Sprachzertifikat ist eine Zusatzqualifikation, die nach dem Vorbild eines Modells zur Verstärkung von Französisch an Realschulen (das seit 2004/2005) angeboten wird. Ziel ist es, die englischsprachige Kompetenz von Realschülern zu erweitern, bessere Berufschancen nicht nur im europäischen Sprachraum zu eröffnen und den berufsbezogenen Aspekt im Englischunterricht zu stärken. Mit der Vorbereitung auf die Zertifikatsprüfung bereiten sich die Schüler gleichzeitig auf den mittleren Schulabschluss vor. Kooperationspartner sind Cambridge ESOL, UNIVERSITY OF CAMBRIDGE ENGLISH FOR OTHER LANGUAGES EXAMINATIONS - Cambridge Assessment (Ucles Gruppe), GLS (German Language School) Sprachenzentrum in der Kastanienallee in Berlin Pankow, Prenzlauer Berg und die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Cambridge ESOL bietet kostenlose modulare Lehrerfortbildungen, sowie ein eintägiges kostenloses Bewerbungstrainingsmodul für Schülerinnen und Schüler und eine Unterstützung des Fachbereiches Englisch an Realschulen. GLS Sprachenzentrum stellt nicht nur alle erforderlichen Räume (im Besonderen Medienräume) für die Lehrerfortbildungen und die Bewerbungstrainingsmodule zur Verfügung, sondern auch erforderlichen Dozenten und Medien. Die Senatsbildungsverwaltung beauftragt die schulübergreifende Fachkoordinatorin Englisch für Realschulen mit der Leitung des Projektes. Die Prüfungskosten in Höhe von 72 Euro, werden von den Schülerinnen und Schülern übernommen bzw. über honorierte Schulaktivitäten abgerechnet. Eine Fortsetzung des Projektes ist von allen Beteiligten beabsichtigt.
Immer wieder fällt dem Autor dieser Zeilen die schlechte Aussprache von Moderator(inn)en, Nachrichtensprecher(inn)en und Korrespondent(inn)en auf. Von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen (im Radio des Deuschlandfunks sprechen immerhin noch die meisten Nachrichtensprecher/innen - leider nicht alle Kommentator/innen - noch richtig deutsch) hat sich bei den meisten von ihnen die vor allem in nördlicheren Gefilden sehr verbreitete Angewohnheit durchgesetzt, Ä-s wie E-s auszusprechen. Dies ist aus verschiedenen Gründen bedauerlich. So weist das ä in vielen Wörtern auf die Etymologie (u.a. bei lateinisch-stämmigen Wörtern - z.B. kommt "Qualität" von qualitas, qualitatis) hin. Der Schäfer beispielsweise heißt so, weil er mit Schafen zu tun hat, und Räder sind die Mehrzahl von Rad und haben absolut nichts mit den Betreibern von Schifffahrtsgesellschaften zu tun.
Nun könnte man sagen: "Warum kommt es dann auf eine deutlich unterscheidende Aussprache an?" Darauf lautet eine weitere Antwort: "Weil eine falsche Aussprache oftmals blanken Unsinn hervorbringt". Dazu einige Beispiele, wie sie schon tausendfach in Radio und Fernsehen zu hören waren:
Die Lottozahlen ohne Gewehr zu verkünden, entbehrt wenigstens nicht einer gewissen Situationskomik, da man sich vorstellen kann, dass der/die betreffende Sprecher/in die zuhörenden Lottospieler/innen noch einmal ausdrücklich ermahnen möchte, sich nicht das Leben zu nehmen, wenn man keine sechs Richtigen hat.
Beeren trotten - entgegen der Meinung vieler Sprecher(innen) - durchaus nicht brummend durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung, sondern wachsen an Sträuchern und Bäumen, und können sich daher also nicht selbständig fortbewegen.
Wenn eine Kunstausstellung in "schlecht ausgeleuchteten Seelen" (O-Ton Deutschlandfunk ... bedauerlicherweise!) stattgefunden hat, stellt sich die Frage, ob man dies unserem Schöpfer oder den Organisatoren der Ausstellung vorwerfen muss.
Wenn von Personen die Rede ist, die infolge einer Krankheit oder eines Unfalls gelehmt sind, könnte man flapsig erwidern "Dann wasch den Lehm doch einfach ab!" Nur ist das Thema eigentlich zu ernst für Witze dieser Art.
Geradezu grotesk wird es aber, wenn immer wieder von Flughefen gesprochen wird. Hefen (als Mehrzahl von Hefe) kommen u.a. bei der alkoholischen Gärung oder beim Auftreiben eines Brotteiges zum Einsatz, aber nicht als Knotenpunkt bei der Fortbewegung von Menschen oder Frachtgut durch die Luft. Auch habe ich bisher noch nicht davon gehört, dass diese Hefen sich selbst fliegenderweise verbreiten - biologisch versiertere Leser dürfen mich natürlich eines Besseren belehren, wenn dem doch so sein sollte.
Abgesehen davon, dass also die falsche Aussprache oftmals unsinnig ist, dient sie auch ganz allgemein gesprochen nicht gerade der Verständlichkeit, ganz besonders im Hinblick auf Menschen mit nachlassendem Gehörsinn oder Menschen, die (noch) nicht besonders gut deutsch sprechen und verstehen.
Bei Leuten wie Politikern oder anderen Promis, die gelegentlich im Fernsehen auftreten, sind solche Dialekt-Varianten durchaus zu entschuldigen, aber beim anfangs erwähnten Personenkreis, dessen Beruf sich ja überwiegend um die Anwendung und Verbreitung der deutschen Sprache dreht, sollte man es aus einer professionellen Einstellung heraus als selbstverständlich ansehen, sich eine sinnverzerrende Aussprache abzugewöhnen zugunsten einer korrekten und dem Sinn entsprechenden deutschen Hochlautung, wie sie in jedem Wörterbuch zu finden ist (man fragt sich dabei unwillkürlich, ob diese Damen und Herren überhaupt eine professionelle Sprecherziehung genossen haben, und, falls ja, bei was für unprofessionellen Lehrkräften!!). Schauspieler und andere Fernsehleute aus Österreich und der Schweiz (ich denke da z.B. an einen populären Meteorologen) zeigen einen besonderen Eifer beim Erlernen der norddeutsch gefärbten Dialektvariante - wohl in der irrigen Annahme, es handele sich dabei um Hochdeutsch... sie sollten sich lieber die weiter unten aufgeführten Kolleg(inn)en als Vorbild nehmen.
Auch der Rechtschreibung unserer Kinder - PISA lässt grüßen - wäre eine korrektere Aussprache in den Medien sicherlich nicht abträglich.
Ich habe lange gezögert, aber da die Personen, die in den audio-visuellen Medien (noch) gutes Deutsch repräsentieren, leider immer rarer werden, möchte ich hier eine Positivliste* beginnen, die ich jederzeit gerne und mit großer Genugtuung ergänze (Hinweise per eMail nehme ich dankbar entgegen - schließlich sehe ich auch nicht 24 Stunden am Tag fern).
Positivliste von Repräsentant(inn)en guter deutscher Aussprache in den audio-visuellen Medien (kleinere Ausrutscher toleriert): Susanne Daubner (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Katja Horneffer (TV-Meteorologin) Gert Scobel (TV-Moderator/Journalist) Eva Herman (Ex-Nachrichtensprecherin... hat zwar eine gute deutsche Aussprache, aber ihre öffentlichen Äusserungen lassen leider vermuten, dass sie nicht allzu viel von Geschichte versteht) Thorsten Schröder (Nachrichtensprecher/Journalist ) Sandra Maischberger (Talkmasterin/Journalistin) Sven Plöger (TV-Meteorologe) Anne Will (Nachrichtensprecherin/Journalistin - mit gelegentlichen Schwächen) Johannes B. Kerner (Talkmaster - zeicht allerdings gelegentliche Schwächen) Valerie Haller (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Jens Riewa (Nachrichtensprecher/Journalist) [hatte sich einmal mehrere böse Ausrutscher in Folge geleistet "gefehrdet, Vertrege, 150-jehrige Geschichte, ohne Gewehr" - dies alles in derselben Sendung am 24.5.06 - aber da er sich in letzter Zeit deutlich gebessert hat, steht er vorläufig wieder hier...] Martina Meisenberg (TV-Moderatorin/Journalistin) Claus Kleber (Nachrichtensprecher/Journalist) Gundula Gause (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Katja Wölfing (TV-Moderatorin/Journalistin) Steffen Seibert (Nachrichtensprecher/Journalist) Wolfgang Heim (Radio-Moderator/Journalist) Anne Gesthuysen (TV-Moderatorin/Journalistin) Judith Rakers (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin) Marietta Slomka (Nachrichtensprecherin/Journalistin - hat allerdings ebenfalls noch nicht realisiert, dass das Wort "Militär" nicht von dem Straßenbelag "Teer" abgeleitet ist) Peter Hahne (TV-Journalist) Marietta Slomka (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Stefan Siller (Radio-Moderator/Journalist) Patricia Schäfer (TV-Moderatorin/Journalistin) Constanze Pollaschek (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Astrid Prit (Nachrichtensprecherin/Journalistin) Petra Gerster (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin) Tom Buhrow (Nachrichtensprecher/Journalist) Annika de Buhr (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin) Karen Webb (TV-Moderatorin) Sina Habermann (Nachrichtensprecherin)
*Diese Auflistung richtet sich weder nach Sympathie noch nach politischer Gesinnung, sondern ausschließlich nach der (wenigstens annähernd) vorbildlichen deutschen Aussprache.