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  • Eine lesenswerte Reaktion auf die "Bild"-Aktion stammt von Anatol Stefanowitsch in seinem Sprachlog-Beitrag "Die vielstimmige Gesellschaft und ihre Feinde".

    Ich erspare mir diesmal das Zitieren, denn ebenso lesenswert sind die verschiedenen Kommentare dazu. Unter den Kommentatoren ist übrigens auch Herr Peter Ambros, VDS-Forenadministrator.

  • BILDblog: BullshitDatum08.11.2010 15:58
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema BILDblog: Bullshit

    Und noch ein Nachschlag aus der BILDblog-Redaktion:

    BILDblog: Bullshit

    Seit Samstag unterstützt "Bild" die interessierten Laien vom "Verein Deutsche Sprache" bei ihrem Vorhaben, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern (BILDblog berichtete).

    Auch heute, da sich der "1. Minister" (und gefühlt 42. Politiker) der Forderung anschließt, wettert "Bild" wieder gegen das sogenannte "Denglisch", das unter anderem bei Berufsbezeichnungen um sich greife:




    Nun ist es nicht so, dass es diese Berufsbezeichnungen auch tatsächlich alle gäbe: Beim "Environment Improvement Technician" handelt es sich – obwohl viele deutsche Medien das nicht zu ahnen scheinen – nicht um eine Putzfrau, sondern um einen Scherz. Auch für "Nourishment Production Assistant", "Master of Welcome" oder "Media Distribution Officer" finden sich keinerlei Stellenausschreibungen, nur verschiedene Listen mit (angeblichen) albernen Berufsbezeichnungen.

    Unklar ist aber auch, warum "Bild" unbedingt den Deutschen Bundestag mit dem Thema behelligen will und nicht erst mal vor der eigenen Haustür kehrt. Folgende Berufsbezeichnungen sind jedenfalls willkürlich aus der Liste "Jobs & Karriere" der Axel Springer AG entnommen:



    Mit Dank an Karsten L., Stephan K. und Flo M.

  • BILDblog: UrahnungslosDatum11.11.2010 17:58
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema BILDblog: Urahnungslos

    BILDblog: Urahnungslos

    Seit Tagen kämpfen "Bild" und Bild.de gegen den angeblichen Verfall der deutschen Sprache. Dabei übersehen die Redakteure, dass die Gefahr nicht nur von englischen Fremdwörtern und in ihren Landessprachen parlierenden Migrantenfamilien ausgeht, sondern auch von Leuten, die mit deutschen Vokabeln nicht vernünftig umgehen können. Also zum Beispiel von ihnen selbst:

    Es ist jedenfalls biologisch äußerst unwahrscheinlich, dass die Ur-Ahnen eines vor 189 Jahren verstorbenen Mannes heute noch "geschockt" sein können. Sie dürften vielmehr längst zu Staub zerfallen sein.

    Mit Dank an Thomas B. und Fr.-Jo. K.

    Nachtrag, 11. November: Mehrere unserer Leser weisen darauf hin, dass das Partizip Perfekt von "schockieren" eigentlich "schockiert" lautet. "Geschockt" ist ein Anglizismus.

    Und außerdem müsste es natürlich "Makaberes England" heißen.

  • RE: Duden download für Open OfficeDatum12.11.2010 16:46
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Duden download für Open Office

    Kenne nur die Version 4 für MS Word, war eine brauchbare Korrekturhilfe.

  • Zitat von annebohn
    Wenn Sie sogar "zu" richtiger als "an" finden, wieso kommen denn dann die Sprecher von Nachrichten sowohl in Berlin als auch in Hamburg auf dieses "an"?


    Vielleicht, weil sie aus dem Westen "importiert" wurden? Bei dem von mir präferierten Radiosender "Fritz" (Rundfunk Berlin-Brandenburg) tauchen alle halbe Jahre mal neue Praktikanten auf, die später vielleicht einmal Moderatoren werden. Und gerade jetzt haben zwei Bayern ihre Karriere begonnen, es waren auch schon Kölner und Hamburger mit von der Partie. Und dann kann es eben auch mal passieren, dass die Uhrzeitansagen von denen im Berliner Raum üblichen abweichen oder die von Ihnen "bemängelten" Redewendungen "an Weihnachten" usw. herausrutschen.

    "Falsch" oder "Richtig" wird es hier wohl nicht geben, da das hier "Falsche" in anderen Gegenden als "Richtig" empfunden wird.

    Zum Beispiel werden Sie hier in Berlin keine "Berliner" beim Bäcker bekommen, dafür aber "Pfannkuchen". Woanders sind Pfannkuchen etwas anderes. Ähnlich wird es sich mit den landschaftlich geprägten Lebensmittelbezeichnungen "Schrippe", "Schnitte", "Bemme", "Knüppel", "Brötchen" usw. verhalten.

  • Der Prenzlauer Berg gilt nicht zu Unrecht als "Einwanderungsgebiet" vor allem von Süddeutschen. Leider wird so das Berlinische aus diesem Ur-Berliner Stadtbezirk verdrängt, das betrifft nicht nur den sprachlichen Aspekt. Vor allem zugewanderte Eigentumswohnungsbesitzer haben es immerhin geschafft, den seit 1952 bestehenden Knaack-Klub musikalisch zu kastrieren und wahrscheinlich ganz zu vertreiben:

    Zitat von Pressemitteilung des Knaack-Klubs:
    Die Zukunft des traditionsreichen Knaack Clubs an der Greifswalder Straße ist hingegen ungewiss. Weil ein benachbarter – natürlich nicht nur von Schwaben bewohnter – Neubau nicht schallisoliert wurde, dürfen Konzerte nur noch bis 22 Uhr stattfinden. Außerdem musste die Lautstärke runtergedreht werden. Für Betreiber Matthias Harnoß bedeutet das einen Besuchereinbruch um 70 Prozent. Wie es nach 58 Jahren weitergehen soll? „Momentan steht alles in den Sternen“, sagt Harnoß. „Es gibt die Idee, im Mauerpark was Neues zu gestalten.“

    Für Interessierte: Partymacher als Arbeitgeber.

  • Und das BKA müsste nach Wagners Unkenntnisstand die Redaktionsräume des Terraristik-Fachmagazins "TERRARIA" durchsuchen lassen.

  • Papperlapapp! Al-Qaida! In Wirklichkeit heißen die "terre des hommes" und tarnen sich als Kinderhilfsorganisation!

  • RE: Noch'n Witz...Datum27.11.2010 10:12
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Noch'n Witz...

    Der kleine Berliner Junge kommt weinend in die Küche zur Mutter: "Mamma, Pappa hat mir jeschlaagen!". Verbessert ihn die Mutter: "Mich!". Wundert sich der Junge: "Watten, dir ooch?"

  • Zitat von Dorftrottel
    Ansonsten: Perron, Kondukteur, Chauffeur, Kontrolleur, Porteur, Lokomotive, train, couchette.


    Was ist an französischen oder küchenlateinischen Austauschbegriffen besser als an den englischen?

  • RE: spiegel redaktionDatum01.12.2010 16:58
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema spiegel redaktion

    Als Nicht-Experte würde ich folgende Zusammensetzungen für richtig halten:
    1. die Spiegel-Redaktion (im normalen Fließtext, die Schreibung "SPIEGEL" ist doch eher plakativ und etwas für Überschriften)
    1.a) die "Spiegel"-Redaktion (als Alternative zur Großschreibung)
    2. die Redaktion des "Spiegel"
    3. die Redaktion des Magazins "Der Spiegel".

    Gewiss gibt es noch andere richtige Formen - ich übergebe an die Experten.

  • RE: Lieber besserDatum06.12.2010 16:41
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Lieber besser

    Und was genau ist an "Sie sollten jetzt lieber gehen." falsch? Ich sehe den "Zwang" nicht, auf die andere (auch mögliche) Formulierung "besser" zurückzugreifen. Beide sind in meinen Augen (und nach meinem Bauchgefühl) recht am Platze. Es kommt wohl auch auf den Kontext an...

    Und warum sollen wir uns Ihrer Meinung nach unbedingt an englische Phrasen anlehnen? Im Übrigen sind Goethes Faust, der "Stern" und meine Fachzeitschriften nicht aus dem Englischen übersetzt worden - Sie meinten ja, "das Meiste kommt ja aus den Vereinigten Staaten". Wie kommen Sie darauf?

    Nachtrag: Unter http://www.linguee.de/deutsch/go+better.html finden Sie eine ziemliche Ansammlung der englischen Phrase "go better" mit ihren deutschen Entsprechungen. Es kommen unter anderem die Sätze "Sie sollten lieber gehen!" als auch "Es ist besser, wenn Sie jetzt gingen!" vor. Als Sahnehäubchen setze ich von mir aus auch noch den Satz "Es ist mir lieber, wenn Sie jetzt gehen würden!" hinzu. Wann was verwendet wird, entscheidet wohl doch der Kontext (Wem ist es lieber? Wann ist es besser?) usw. Da mir die Fachbegriffe zu diesem Thema fehlen, übergebe ich wie immer an die Experten.

  • DER TAGESSPIEGEL: Matthies ringt um Worte: Neusprech würgt Debatte ab

    In seiner Sprachkolumne "Matthies ringt um Worte" begründet Bernd Matthies, warum "alternativlos" als "Unwort des Jahres" ausnahmsweise passt.

    Nicht, dass wir nun dringend auf das „Unwort des Jahres“ gewartet hätten. Der brave Frankfurter Professor Schlosser, von dem außerhalb dieser Aktion wenig zu hören ist, versucht damit meist, Politiker zu kritisieren und ein wenig wohlfeile Gesellschaftskritik loszuwerden. Im letzten Jahr hat er uns mit allen Anzeichen großen Ekels das Wort „betriebsratsverseucht“ vor die Füße geworfen, das weder davor noch danach irgendwo zu hören war und deshalb zu Recht vergessen ist. Das Unwort des Jahres 2011 passt, ausnahmsweise, besser. Denn „alternativlos“ hat zweifellos große Bedeutung im politischen Diskurs dieser Tage, und es ist, immer, eine Lüge.

    Die Wahl richtet sich natürlich gegen Angela Merkel und ihre Getreuen, die sich der Welt gern als Sachwalter der Realität zeigen, die angeblich immer nur einen Weg kennt, und zwar den von Angela Merkel unter Druck der Fakten erwählten. Das ist natürlich Unsinn, denn es gibt immer eine Alternative, auch im Fall der Entschuldung Griechenlands, die Experten mit zahlreichen konkurrierenden Vorschlägen heilen wollten. Es reicht im Grunde, den Begriff „alternativlose Entscheidung“ näher anzusehen, um das Prinzip zu begreifen. Dann wenn es keine Alternative gibt, gibt es auch keine Entscheidung. Der Tod ist so ein Fall, denn niemand hat die Möglichkeit, sich auf Dauer gegen ihn zu entscheiden. Aber sonst? Selbstverständlich hätte es auch zum deutschen Einigungsvertrag, dem Musterfall der angeblichen Alternativlosigkeit, mehrere Alternativen gegeben, nur wollte die Mehrheit sie halt nicht ausprobieren.

    Der Makel der Unwort-Wahl besteht darin, dass sie nicht gerade blitzaktuell wirkt. Denn die Idee, etwas für politisch alternativlos zu erklären, stammt vermutlich von den Azteken – ganz sicher aber von Margaret Thatcher, die Anfang der 80er Jahre das TINA-Prinzip erfunden hat, kurz für „There Is No Alternative“. Ihre Gegner nannten sie spöttisch „Tina“ und bemängelten, die von ihr ständig behauptete Alternativlosigkeit sei nicht real, sondern nur ein propagandistisches Mittel, um Kritik in der Öffentlichkeit von vornherein zu delegitimieren und eine Diskussion zu unterbinden. Nahezu deckungsgleich argumentiert auch die Schlosser-Jury, die sich damit auch gleich auf der politisch korrekten Seite einfindet, denn das Spottwort vom Tina-Prinzip ist seitdem auf der Seite der Linken heimisch geworden und wird in praktisch allen Fällen gegen mutmaßlich „neoliberale“ Standpunkte ins Feld geführt.

    In der Tat werden vor allem Entscheidungen in dieser Richtung als „alternativlos“ begründet. Gerhard Schröder benutzte es vor drei Jahren, um das Rettungspaket für die „notleidenden Banken“ (Unwort 2008) unter die Leute zu bringen, Angela Merkel hat es auf den Afghanistan-Einsatz und die Rettung der HRS-Bank angewendet, und von ihr führt die Spur des Worts zu Ursula von der Leyen („Die Rente mit 67 ist alternativlos“) bis hin zum Rauswurf der Linkspartei aus dem Bundestagsplenum, den Volker Kauder für „alternativlos“ erklärte. Immer gab es natürlich Alternativen, nur hätte man früher eben einfach gesagt, diese oder jene Entscheidung sei richtig oder stehe unter Sachzwang. Oder die ehrliche Variante benutzt: Selbstverständlich gebe es andere Möglichkeiten, nur hätten deren Anhänger leider, leider nicht die Mehrheit. Heute soll die Debatte schlicht per Neusprech abgewürgt werden, und deshalb ist die Entscheidung für das Unwort des Jahres zwar nicht alternativlos, aber richtig.

  • Jetzt auch noch SarrazinDatum20.01.2011 16:14
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Jetzt auch noch Sarrazin

    Berliner Morgenpost: Bei der BBC erklärt Sarrazin knarzend seine Thesen

    Donnerstag, 20. Januar 2011 14:04 - Von Christoph Cöln

    Man hatte es schon geahnt: Thilo Sarrazin würde sich nicht mit Auftritten wie bei „hart aber fair“ zufrieden geben. Nun war es so weit. Im Radioprogramm der britischen BBC machte Sarrazin mit seiner Mission ernst, Deutschland und die Welt vom babylonischen Sprachgewirr zu befreien. In einer aus Berlin gesendeten Diskussionsrunde durfte er seine migrationskritischen Thesen einem internationalen Publikum vorstellen. Wohlgemerkt auf Englisch. Das klang dann so: “Hello. I am Thilo Sarrazin. I am glätt to speak to you all over se wörlt.”

    Sarrazins Englisch knarzt und rattert wie ein kaputter Käfer im schottischen Hochland und es dauert etwa 15 Minuten, bis der Hörer sich an diese phonetische Tortur gewöhnt hat. So müssen sich die Römer vorgekommen sein, als sie zum ersten Mal auf Germanen trafen. Sarrazins britischer Gastgeber überhört den sprachbildnerischen Makel des Ex-Bundesbankvorstands während der immerhin 50 Minuten dauernden Gesprächssendung allerdings geduldig. Das hängt wohl nicht alleine mit der inseltypischen Noblesse zusammen, sondern auch damit, dass er den Erfolgsautor aus Deutschland nicht unterschätzt.

    Zu Recht. Wie stets hat Sarrazin auch diesmal wieder sein bekanntes Rüstzeug dabei: die Statistik. Und die wiegt schwer. Gleich zu Beginn der Sendung mit dem schönen Titel „World Have Your Say“ gibt er davon eine Kostprobe. Auf die Gastarbeiter angesprochen, die von deutschen Regierungen zu Hunderttausenden ins Land geholt wurden, und von denen die Nachkriegswirtschaft noch Jahrzehnte später profitierte, weicht er zielstrebig aus. Lieber kontert er mit einer nicht enden wollenden Aufzählung von Zahlen-Kaskaden, die jedem Mathelehrer den Schweiß auf die Stirn treiben, und die belegen sollen, dass nicht-europäische Migranten sich kontinuierlich vermehren, während jene europäischer Herkunft wieder brav in ihre Heimatländer zurückkehren. Dann schließt er ungerührt: „People are not here because they were invited to work, people are here because they choose the germany as a land which is comfortable to live in.”

    In diesem Sarrazin-typischen Mix aus statistischen Oberflächen und soziokulturellen Kurzschlüssen geht es munter weiter. Da wird mal eben die genetische Überlegenheit der Juden gegenüber den Muslimen überschlagen, da wird pauschalisiert, dass ethnische Zugehörigkeit zugleich die Abhängigkeit von Sozialleistungen bedingt, und ganz nebenbei erklärt, wie man in einem Land die richtige moralische Atmosphäre herstellt. Dass er selbst dabei eine Vorreiterrolle inne hat, daran lässt er keinen Zweifel. Aus dem umständlichen Sarrazin-Englisch übersetzt, lautet seine geistige Hygiene-Formel wie folgt: Den Mut haben, seine Meinung zu sagen und nicht erst zweimal darüber nachdenken. Diese Losung gehört inzwischen zu den Standardsätzen, die bei keinem Auftritt des Ex-Politikers fehlen. Thilo, der Klartext-Sprecher, der selbstlose Aufklärer und Mahner.

    Die Strafräume der Debatten beherrscht er seit Monaten mit einer Zähigkeit, die verwundert. Und wenn es um die Multiplikator-Wirkung seiner Thesen geht, dann sprechen auch die Zahlen für sich: Ungezählte Talkshow-Auftritte, gedruckte Leitartikel und elektronische Forum-Kommentare stehen da zu Buche. Mit der BBC-Sendung stößt er jetzt ein weites Spielfeld auf: Er gibt den Global Player. Sarrazin weiß zu gut, dass Deutschland längst nicht das einzige Land ist, in dem sogenannte Integrations-Debatten gären.

    Auch die Auflage seines Millionen-Bestsellers wird sicher nicht darunter leiden. Immerhin gilt es, fremdsprachige Märkte zu erobern. Übersetzungen sollen bereits in Planung sein. Vielleicht sorgt „Deutschland schafft sich ab“ ja bald auf Türkisch für Furore. Immerhin hat das Buch hierzulande schon einen eigenen Wikipedia-Eintrag und der ist mit 75.000 Zeichen mehr als doppelt so lang, wie der Eintrag zum Islam (34.000 Zeichen). Den Titel seines Buchs übersetzt der Autor dem Publikum an den Weltempfängern übrigens so: „The Germany is doing itself away.“

    Der mediale Thilo-Overkill lässt selbst den Deutschland-Korrespondenten der BBC nicht kalt, der mit im Berliner Studio ist. Ehrlich beeindruckt spricht er davon, dass Sarrazin die Integrations-Debatte völlig auf den Kopf gestellt habe. Da kann man dem Kollegen nicht widersprechen. Aber was dabei herauskommt, wenn der „Volkskörper“ so sehr aus dem Gleichgewicht gerät, zeigt Jörg aus Niedersachsen, der sich per Telefon an dem Streitgespräch beteiligt und stolz verkündet, er gehöre jenen statistisch erfassten 20 Prozent an, die Sarrazin sofort wählen würden. Der so Gelobte beruhigt den darauf nervös gewordenen Moderator und verspricht, dass er keineswegs vorhabe, wieder in die Politik einzusteigen. Immerhin sei er schon 65. Offenbar noch jung genug um auszuteilen und einzustecken.

    In der BBC-Runde wird er später als „Fanatiker“ und „Faschist“ bezeichnet. Sarrazin lässt das an sich abperlen. Jeder sei halt selbst für seine Sprache verantwortlich, brummt er. Er hingegen sei nur für das verantwortlich, was er sage. Und das sei nun mal richtig. Wenn er falsch verstanden werde, sei das nicht sein Problem. Dafür übernehme er nicht die Verantwortung.

    Dann ruft Kuba aus Hamburg an. Sie ist die Tochter eines türkischen Gastarbeiters und fragt Sarrazin in blitzsauberem Englisch, ob ihm eigentlich klar sei, dass er mit seinem Buch und seinen Auftritten ein emotionales Reizklima schaffe - und damit gerade jene Integrationsbemühungen um Jahrzehnte zurückwerfe, die er im gleichen Zug einfordere. „Warum versuchen sie uns wieder zu entfremden?“, lautet ihr Vorwurf mit brüchiger Stimme.

    Daraufhin geht Sarrazin genüsslich in die Offensive, holt nun seinerseits das scharfe Beil raus: „Also“, bescheidet er die junge Dame, „das haben sie sich ja selbst ausgesucht. Sie müssen sich nicht wundern, dass sie in Deutschland diskriminiert werden, wenn sie hier ein Kopftuch tragen.“ Keine zwei Sätze später hat er sich dann auch schon widersprochen. Die Türken in „the Germany“ würden ja gar nicht wegen ihres Kopftuches angefeindet, nur, um sogleich ein noch größeres Kaliber aufzufahren: aber den Orientalen mache es eben Spaß, Schuldgefühle im anderen zu wecken. Ob er das wirklich glaube, tritt der BBC-Mann hörbar schockiert dazwischen. Ja, das habe er wortwörtlich von einer Türkin erfahren, so Sarrazin. Er zieht seinen Joker, die Zitat-Karte.

    Auch der resoluten Hamburgerin sind die Widersprüche in Sarrazins Argumentation aber nicht entgangen. Sie kommt noch mal aus der Deckung. Doch Sarrazin hat sich längst wieder in seinem statistischen Schützengraben verschanzt und plärrt: „Ich kenne die Fakten“. Die junge Dame unternimmt noch einen letzten Schlichtungsversuch. Was sie denn nun tun solle? Das sei doch ganz klar, so Sarrazin: „I want you to integrate!“

    >>>Hören Sie hier das vollständige Interview<<<

  • RE: Etwas Französisches ? RenueèDatum29.08.2011 16:34
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Etwas Französisches ? Renueè

    Warum sollte es nicht richtig sein? Wenn die Franzosen es selbst so schreiben:

    http://www.beaute-test.com/renuee_eternelle.php



    Und bei Eigennamen / Markennamen ist sowieso alles erlaubt.

  • Interview in der Berliner Zeitung Online mit Prof. Heike Wiese, Germanistik-Professorin an der Uni Potsdam:

    Heike Wiese, 45, ist Germanistik-Professorin an der Universität Potsdam. Die Sprachwissenschaftlerin, die in Kreuzberg lebt, forscht über die Jugendsprache in multiethnischen Innenstadtbezirken. Sie sagt, in Berlin entstehe gerade ein neuer Dialekt - das Kiezdeutsch.

    Frau Professor Wiese, was heißt: "Machst Du rote Ampel."

    Der Satz stammt aus einer unserer Studien. Dort hatte ihn ein Jugendlicher gesagt, der seinen Freund davor warnte, bei Rot über die Straße zu gehen. Das nenne ich Kiezdeutsch.

    Was ist Kiezdeutsch für eine Sprache? Ein Jugendslang, der in Berliner Innenstadtbezirken gesprochen wird?

    Nein, kiezdeutsch wird nicht nur in Berlin gesprochen, sondern generell in mehrsprachigen Wohngebieten in deutschen Städten. Kiezdeutsch könnte man als neuen deutschen Dialekt bezeichnen, mit dialektalen Eigenarten in Aussprache, Wortschatz, Grammatik. "Ich" wird zum Beispiel häufig zum "isch" wie in "Isch geh jetzt Viktoriapark".

    Gleichzeitig wird der Wortschatz erweitert, und zwar nicht nur mit Worten aus dem Englischen. Ein Satz wird dann mit "wallah" im Sinne von "echt" abgeschlossen. Das kommt aus dem Arabischen und heißt wörtlich "bei Allah", so wie wir "Gott sei dank" sagen. Oder "lan", das kommt aus dem Türkischen und bedeutet "Kerl". In der Jugendsprache heißt das dann: "Komm mal her, lan!" Aber natürlich auch "Komm mal her, Alter!"

    Wer spricht kiezdeutsch?

    Es ist keine Mischung aus Deutsch und Türkisch. Oder Deutsch und Arabisch. Jugendliche unterschiedlicher Herkunft sprechen das untereinander im gemeinsamen Alltag.

    Wieso sprechen auch Jugendliche, die ausschließlich Deutsch als Muttersprache haben, diesen seltsamen Dialekt?

    Diese Jugendlichen leben in mehrsprachigen Wohngebieten, haben dort Freunde. Ich denke nicht, dass türkischstämmige Jugendliche mit Kiezdeutsch angefangen und andere das nachgemacht haben. Das war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt. Fast alle Jugendlichen, die Kiezdeutsch sprechen, sind in Deutschland geboren.

    Sie sprechen mit ihren Eltern vielleicht noch zusätzlich türkisch, kurdisch oder arabisch oder eben deutsch. Mehrsprachige Jugendliche sind offener für Sprachspielereien und sprachliche Veränderungen, deshalb ist Kiezdeutsch so etwas wie ein Turbo-Dialekt, in dem grammatisch besonders viel passiert. Aber dieser neue Dialekt ist fest im Deutschen verankert.

    Aber dieser neue Dialekt setzt sich über die grammatischen Grundregeln der deutschen Sprache hinweg. Für viele steht Kiezdeutsch vor allem für Sprachverfall.

    Nein, unsere Sprache verfällt nicht, wenn in ihr ein neuer Dialekt entsteht, Das Spektrum des Deutschen wird reicher. Kiezdeutsch hat eine eigene Dialektgrammatik wie andere Dialekte auch, mit grammatischen Regeln. So, wie sie zum Beispiel im traditionellen Berliner Dialekt "meiner Mutter ihr Hut" sagen können, aber nicht "meiner Mutter sein Hut", so können sie zum Beispiel in Kiezdeutsch sagen "Danach ich treff mich mit Sarah.", aber nicht "Ich danach treff mich mit Sarah."

    Wird eine Sprache nicht ärmer, wenn man die Artikel oder anderes weglässt, oder?

    Es stimmt, dass in Kiezdeutsch manchmal kein Artikel steht, wo wir im Standardschriftdeutschen einen verwenden würden. Aber in unserer Umgangssprache lassen wir auch häufig die Artikel weg. "Sie müssen Alexanderplatz umsteigen", sagen wir dann.

    Oder wir verkürzen den Artikel und sagen, "hast du ’n Handy dabei?" Da ist der Artikel auch kaum noch zu hören. Und auch das sogenannte "Hochdeutsch" ist nur eine Variante, und grammatisch nicht "besser" als Dialekte wie Berlinisch oder Kiezdeutsch. Solche Dialekte und ihre Sprecher werden aber oft negativ bewertet.

    Wie meinen Sie das?

    Schon vor knapp 30 Jahren wurde von der Freien Universität die Einstellung der West-Berliner zum Berlinischen untersucht. Da fielen dann so Begriffe wie "Putzfrauen-Sprache" oder "schnodderig". Das wurde als Sprache der Unterschicht verstanden.

    In Ost-Berlin war das sicher anders.

    Mag sein. Generell ist in Deutschland das Standarddeutsch - also die Schul- und Schriftsprache - sehr nah am Sprachgebrauch der Mittelschicht. Ein anderer Sprachcode wird dann nicht als eigener Dialekt wahrgenommen, sondern gilt schlicht als falsch. Das ist aber eine soziale Bewertung.

    In Berlin gibt es generell das Problem, dass jeder fünfte Neuntklässler Schwierigkeiten hat, deutsche Texte lesend zu erfassen.

    Wie erfolgreich ein Schüler ist, wird aber nicht davon beeinflusst, ob er im Freundeskreis auch noch Kiezdeutsch spricht. Niemand spricht nur Kiezdeutsch, sondern beherrscht außerdem auch noch andere sprachliche Stile und Varianten - so wie Sie und ich ja jetzt auch anders sprechen als abends beim Bier mit Freunden.

    Eine Kreuzberger Lehrerin sagte vor kurzem zu mir: "Manche unserer Schüler sind hervorragend im schriftlichen Ausdruck, andere müssen noch viel lernen. Aber Kiezdeutsch sprechen sie alle." Wir haben viele Anfragen von Lehrern, die sich intensiver mit Kiezdeutsch beschäftigen wollen.

    Wird Kiezdeutsch auch aus einer Protesthaltung heraus gesprochen? Will man sich abgrenzen?


    Nein, man will eher zu einer Gruppe von Gleichaltrigen dazugehören. Und natürlich grenzen sich die Jüngeren von den Älteren ab, in dem sie Jugendslang sprechen.

    "Isch mach dich Messer" heißt es im Kiezdeutschen. Wird da nicht ein Gangster-Gehabe auch noch sprachlich artikuliert?

    In jedem Dialekt können Sie drohen. Wenn man im Berlinischen sagt "Ick stech da ab", oder wenn ein Bayer sagt, "Schleich di, du Saupreiß, sonst fangst oane", dann ist das auch nicht netter. Bei Kiezdeutsch denken aber viele nur an solche Inhalte, die mit Gewalt und Bedrohung zu tun haben. Das hat mit dem Dialekt nichts zu tun, sondern mit den Einstellungen gegenüber den Sprechern und den Erwartungen, die wir von ihnen haben.

    Wie flirtet man auf Kiezdeutsch?

    So wie in anderen Dialekten auch. Selbst die Bayern können doch nicht nur "Saupreiß" schreien.

    Sie haben auch untersucht, ob in Hellersdorf auch eine Form von Kiezdeutsch gesprochen wird.

    Hellersdorf haben wir ausgesucht, um zu sehen, inwieweit sich Jugendsprache in Wohnvierteln mit hohem und niedrigem Migrantenanteil unterscheidet. In Hellersdorf wird eher der traditionelle Berliner Dialekt gesprochen.

    Wie sind Sie überhaupt auf dieses Kiezdeutsch aufmerksam geworden?

    Ich bin vor ein paar Jahren im M29er Bus die Glogauer Straße in Kreuzberg lang gefahren. Da habe ich Jugendliche gehört, die offenbar gerade Schulschluss hatten. Die riefen sich was zu. Als Sprachwissenschaftlerin fand ich das sehr interessant, weil da ganz neue Satzkonstruktionen verwendet wurden.

    Wird Kiezdeutsch in den Innenstadtbezirken in der Zukunft das Berlinische überlagern?

    Ich könnte mir vorstellen, dass es sich weiter verbreitet. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, nimmt zu. Ob es allerdings den Status einer Jugendsprache verliert und dann auch im höheren Alter gesprochen wird, kann ich nicht abschätzen.

    -------------------------------------

    Flotte Sprüche:

    Musstu Du hier anhalten.

    Die hübschesten Frauen kommen von den Schweden. Isch meine so blond so. ("So" vor und nach dem Schlüsselwort)

    Und da stand und hat mir seine Hand gegeben. Wallah. (Wallah kommt aus dem Arabischen und heißt echt)

    Eye, rockst Du, lan. (lan kommt aus dem Türkischen und heißt Kerl)

    Gibs auch ne Abkürzung? (Gibt es wird zu gibs zusammengezogen)

    Isch mach Dich Urban. (Androhung von körperlicher Gewalt, die in der Folge einen Aufenthalt im Kreuzberger Urban-Krankenhaus nötig machen könnte)

    Wir sind jetzt neues Thema.

    Morgen ich geh Kino. (Satzstellung von Worten verschoben)

    Früher war er so wie uns. (Uns statt wir)

    Ja, ich aus Wedding. (Das so genannte Kopulaverb bin fällt weg)


    Das Gespräch führte Martin Klesmann. | Berliner Zeitung, 13.09.2011

  • RE: Deutsche FilmeDatum07.10.2011 14:32
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Deutsche Filme

    Diese Wahrnehmung habe ich auch, aber vielleicht hilft folgendes: Die Filme kommen zu uns über große Verleihfirmen, die natürlich Geld erwirtschaften müssen. Also wählen sie die Filme aus, die hier Erfolg versprechen. Das sind eben für uns "westliche" Rezipienten die uns schon seit Jahrzehnten bekannten amerikanischen Filmproduktionen. Die deutschen Filme haben hier auch ihr Publikum, man nehme nur "Lola rennt", "Keinohrhasen" und dergleichen. Ab und zu schwappt mal etwas französischen hierher und das war es dann. In kleinen Nischenkinos kann man auch unbekanntere Filme sehen, die dann natürlich nicht so kommerziell erfolgreich sind wie die in den großen Kinos.

    Umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Deutsche Filme brauchen, um in den USA erfolgreich zu sein, ein US-amerikanisches Publikum. Wenn das auf Grund der Machart (Produzentenfilm kontra Autorenfilm), des Themas bzw. wegen der Unbekanntheit der Akteure/Regisseure/Produzenten nicht gegeben ist, wird das dort auch nichts.

    Noch etwas: Die schiere Menge an Filmproduktionen aus den USA. Es wurden beispielsweise 2005 in den USA 699 Filme produziert (Quelle; Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/US-amerikan...m#New_Hollywood). Das wären pro Woche etwa 13 Filme. Da können wir mit unseren zwei großen Studios nicht mithalten.

    Nichtsdestoweniger gibt es sehr sehenswerte deutsche Produktionen, wie es neben den üblichen US-Blockbustern auch sehenswerte amerikanische Produktionen gibt.

  • Aus dem Bauche heraus würde ich die zweite Variante vorziehen, da sie mir die korrekte Deklination zu enthalten scheint. Die erste Variante sieht mir sehr nach Umgangssprache aus. Ist aber nur meine laienhafte Einschätzung - ich übergebe wie immer an die Fachkräfte.

    Grüße - Andy

  • RE: DebattenduellDatum27.03.2012 16:20
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Debattenduell

    Danke für diesen Tipp!

    Für den Interessierten in Berlin habe ich folgende Adresse: Berlin Debating Union e. V., für alle anderen: VDCH | Verband der Debattierclubs an Hochschulen.

    Grüße in die Runde

  • RE: Hoch-ZeitDatum08.05.2012 22:43
    Foren-Beitrag von AndyOSW im Thema Hoch-Zeit

    Zitat von Dorftrottel
    Ist der Höhepunkt erreicht? Geht noch etwas mehr? Wann ist es vorbei mit der unglücklichen bis zuweilen falschen Verwendung von hoch?

    Es kommt aus dem Englischen, das hohe Verantwortungsbewußtsein, die hohe Einsatzbereitschaft. Groß geht nicht, auch nicht stark oder sonst etwas, das muß alles in die Höhe. Ich habe eben auf der Internetseite einer Firma die hohe Fertigungspalette gesehen. http://www.haas.de/Labor.aspx.


    Was ist gegen "hoch" einzuwänden? Ein Berg ist "hoch", meine Ziele sind "hoch" und Goethe halten wir für "Hochkultur". Was kommt daran explizit aus dem Englischen? Ich bin hochgradig verwirrt und höchst entsetzt.

    Ihre angeführten Beispiele der Ihrer Ansicht nach "höchst missbräuchlichen Verwendung" des ach so schützenswerten "hoch" zeigen mir doch nur, was man mit "hoch" alles anstellen kann: es verwenden, wann immer es passt.

    Ich wiederhole mich bestimmt: Aber macht ein Wort, das die Engländer und Amerikaner auch verwenden, es damit schon für uns Menschen deutscher Zunge zu einem höchst unbenutzbaren Anglizismus?

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