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  • Thema von AndyOSW im Forum Sprachpolitik

    Gefunden bei sprachkreis-deutsch.ch:

    Bedroht der technologische Fortschritt die Reinheit der chinesischen Sprache?

    Viele Chinesen nutzen Programme wie MSN oder QQ, hören Musik am MP3-player und nutzen das Internet via ADSL - zumeist ohne die wörtliche Übersetzung ins Chinesische oder die richtige Abkürzung zu kennen.

    Grundsätzlich ist dies aber auch nicht notwendig, da mittlerweile viele englische Buchstaben Teile des chinesischen Wörterbuchs sind.

    Etwa ein Dutzend Abkürzungen wie GDP, NBA, IT, MP3, QQ, DVD und CEO seien im letzten Jahr unter den 5000 am meisten verwendeten Wörtern in chinesischsprachigen Medien gewesen, sagt ein Bericht über die Lage der Sprache in China 2006, der in Peking veröffentlicht wurde.

    Dem Bericht zufolge war ein Paar sogar so besessen von englischen Buchstaben, dass es sein Baby "@" nennen wollte, da der Bestandteil einer E-Mail-Adresse ihre Liebe zu dem Kind ausdrücken würde

    Doch während das "@" den meisten Internetnutzern in China natürlich bekannt ist, benutzen sie oft das englische Wort "at", um es auszusprechen - das Resultat klingt für Chinesen oft wie "ai ta", oder "liebe ihn".

    Für die Studie wurden im letzten Jahr über eine Milliarde Beispiele aus Zeitungen, Magazinen, TV-Sendungen, Radiosendungen und Netzauftritten gesammelt. Zusammengestellt wurde der Bericht vom Bildungsministerium und
    der Staatlichen Kommission für Sprache.

    "Heute werden mehr und mehr englische Abkürzungen im Chinesischen verwendet, somit werden sie zu einem wichtigen Bestandteil unserer Sprache", sagte Hou Min, eine Professorin an der chinesischen Universität für Kommunikation..

    "Durch ihre leichte Anwendung wurden die Abkürzungen populär", erklärte sie. So sei etwa DNA [deutsch DNS, acid=Säure] viel einfacher als die chinesische Version tuoyang hetang hesuan, während T xingtai (T-Bühne) einen englischen Buchstaben mit einem chinesischen Schriftzeichen kombiniere und so visuelle Bedeutung erhalte..

    "Da nun mehr und mehr Chinesen Fremdsprachen und vor allem Englisch lernen, wurde das Benutzen von Abkürzungen zu einem Trend unter gebildeten Personen", sagte sie.

    Einige Sprachforscher befürchten, dieser häufige Gebrauch könnte die chinesische Sprache beschmutzen und zu Kommunkikationsschwierigkeiten führen.

    Doch Li Yuming, der Vize-Direktor der staatlichen Kommission für Sprache meinte: "Chinesisch ist eine tolerante Sprache, die jeden Vorteil anderer Sprachen absorbieren kann."

    "Wir versuchen, eine sprachlich harmonische Gesellschaft zu errichten," sagte Li. "Idealerweise sprechen dabei die Menschen neben ihrer chinesischen Muttersprache auch einige Fremdsprachen."

    Die meisten Abkürzungen werden in den Bereichen IT, Medizin, Auto, Wirtschaft und Chemie verwendet.

    Der exzessive Gebrauch von Fremdwörtern könnte jedoch zu Leseproblemen führen, besonders für gewöhnliche Menschen, sagte Wang Tiekun, der Vize-Direktor der Abteilung für Sprachinformation des Bildungsministeriums.

    "Falsch geschriebene und falsch benutzte Wörter können in den Medien immer wieder gesehen werden und müssen korrigiert werden", sagte Wang.

    China.Org vom 20.Aug.2007

  • Facette - FassetteDatum26.09.2007 16:20
    Kann es sein, dass eine Entwicklung an mir vorbeigegangen ist?

    Ich las heute von einer "fassettenreichen Kultur" und stolperte über die Eindeutschung. Briten übersetzen mit "facet", Franzosen selbstverständlich "facette", Italiener "sfaccettatura", Niederländer mit "facet", Spanier mit "faceta", Portugiesen mit "face", nur die Schweden sagen noch "faset".

    Da ich gerade keinen Duden bzw. Wahrig greifbar habe, weiß ich jetzt nicht, ob die Eindeutschung neu ist oder bisher nur weniger gebraucht wurde.
  • 3sat - ZwischenSprach
    10.10.2007 21.00-22.00

    Die fünfte Sprache der Schweiz (Schweiz 2004)

    Die Schweiz gründet sich auf vier verschiedene Kulturen und Sprachen und hat mit 20 Prozent Ausländern den höchsten Migrantenanteil in Europa. Sie ist also fast so etwas wie eine Art Miniatur-Europa - mit all seinen Problemen und Chancen. In den letzten drei Jahrzehnten ist der Einfluss des Englischen immer mehr gewachsen und durchdringt inzwischen alle Lebensbereiche. Damit ist das Englische zum ambivalenten Prüfstein der schweizerischen Sprachenvielfalt geworden. Als der Kanton Zürich beschloss, das Englische als erste Fremdsprache in der Schule einzuführen, entbrannte ein Sprachenstreit.

    Der Dokumentarfilm 'ZwischenSprach' stellt die unterschiedlichen Meinungen und Stimmungen in diesem Streit vor.

  • MDR - Verlassene Heimat - Geschichten aus Mitteldeutschland
    03.10.2007 22.00-23.00 Uhr

    Abwanderung, Überalterung, hohe Arbeitslosigkeit und Frauenmangel - das sind oft die Schlagzeilen, wenn über zahlreiche, vor allem ländliche Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen berichtet wird. Doch wie leben die Menschen in diesen Regionen wirklich? Was verbinden sie mit dem Wort 'Heimat'? Autor Jan Peter war in den Regionen unterwegs, in denen es seit Jahren ständig bergab geht und in denen keine Hoffnung mehr auf ein wirtschaftliches Bergauf existiert. Er traf viele Menschen, die das schleichende Verschwinden ihrer Heimat bedauern. Manche haben resigniert. Viele sagen aber auch trotzig: Das ist doch unsere Heimat!

    'Unsere Mundart wird immer weniger gesprochen', beklagt Chorleiter Jens Köhler in der Oberlausitz. Die Sprache und die freundlichen Menschen bestimmen für ihn die Heimat. Gerade will er mit der Sing- und Trachtengruppe Großschönau 'Es geht ein dunkel Wolk herein' einstudieren. Eines der ältesten deutschen Volkslieder. Vielleicht sei die dunkle Wolke auch ein wenig bezeichnend für die eigene Situation, meint Jens Köhler, der hofft, dass sich nach den dunklen Wolken wieder die Sonne zeigt. Denn laut Statistik gibt es nirgendwo in Deutschland eine höhere Abwanderungszahl junger Frauen als im Landkreis Löbau-Zittau, in dem Großschönau liegt.

    Im Tannenbergsthal, im Vogtlandkreis, ist im Laufe der Jahre die Strecke für den Schulbus immer länger geworden. Wenn Busfahrer René Pöhland morgens die Kinder fährt, dann führt ihn sein Weg gleich an mehreren geschlossenen Schulen vorbei. Nachmittags steigen vor allem Rentnerinnen bei Pöhland ein. Ihre Kinder sind vor Jahren gen Westen gezogen. Autofahren haben sie nie gelernt und keiner aus der Familie ist mehr da, der sie chauffieren kann. So ist der Bus das einzige Fortbewegungsmittel, und René Pöhland hört sich geduldig die Geschichten seiner Passagiere an.

    'Es muss irgendwo doch ein paar Verrückte geben, die überhaupt noch etwas machen', sagt Uwe Giesicke und schiebt seinen Cowboyhut in den Nacken. Jeden Freitag versammeln sich die Lüttchendorfer aus dem Mansfelder Land in der Truckerkneipe, um vier Stunden lang zur Countrymusik zu tanzen. Uwe Giesicke ist jemand, der zupackt und andere mitreißt: 'Wir gehen hier nicht weg. Es können doch nicht nur noch die hoffnungslosen Fälle übrig bleiben.' Das Wochenende genießt der Cowboy in seiner Heimat. Doch schon am Montag muss er wieder los. Gen Westen. Zur Montage. So wie viele andere. In dem Film 'Verlassene Heimat' porträtiert Autor Jan Peter Menschen aus Mitteldeutschland, die tief in ihrer Heimat verwurzelt sind.
  • SWR - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod - Die große Bastian-Sick-Schau
    04.10.2007 22.30-00.00 Uhr

    Kaum ein sprachlicher Zweifelsfall entzweit die Deutschen so sehr wie die Frage, ob man nun 'zu Aldi' geht oder 'nach Aldi'. Und jeder kennt den Witz mit dem Manta-Fahrer, der auf der Suche nach einem Supermarkt neben einem Türken bremst: 'Ey, sag mal, wo geht's hier nach Aldi?', fragt er. 'Zu Aldi', verbessert der Türke. Der Manta-Fahrer guckt verdutzt: 'Was denn, schon nach sechs?'

    'Deutschlehrer' Sick machte daraus eine - nein, nicht Show, sondern Schau: Vortrag, Kabarett und höchst vergnügliches Spiel zugleich. Den letzten Abend seiner Tournee, im Stuttgarter Apollo-Theater, zeichnete der SWR auf. Drei Millionen Bücher hat der Spiegel-Kolumnist Sick von seinem inzwischen dreibändigen Buch 'Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod' verkauft. Während der 'litcologne' füllte er 2006 mit seinen Darbietungen mühelos die Köln-Arena. Sicks Erfolg ist phänomenal.

    Begonnen hat alles im Internet, Bastian Sick ist Kolumnist bei Spiegel Online. Wöchentlich brachte er hier so genannte 'Zwiebelfische', Fundstücke grammatikalisch falscher Sprachüblichkeiten, und löste damit begeisterte Reaktionen aus. Aus allen Ecken Deutschlands kamen nun Fotos von falsch Geschriebenem und eine Fülle anekdotischen Materials aus dem 'Irrgarten der deutschen Sprache'. Silbentrennung, Rechtschreibreform, Sprichwörter oder die Lautsprecher-Ansage der Deutschen Bahn: 'Meine Damen und Herren, soeben ist eine ofenfrische Brezelverkäuferin zugestiegen!'
  • WDR - Quarks & Co. - Auf der Spur der Neanderthaler
    06.10.2007 10.20-11.05 Uhr

    Neben dem 'homo sapiens', also dem modernen Menschen, ist der Neanderthaler die am besten erforschte Menschenart - auch wenn bislang noch kein komplettes Skelett gefunden wurde, sondern 'nur' Skelettreste an mehr als 300 Fundstellen. Selbst 150 Jahre nach der ersten Entdeckung hat die Erforschung des 'homo neanderthalensis', der etwa 300.000 Jahre in Europa herrschte, nichts an Aktualität verloren. Gerade in den letzten zehn Jahren haben Neufunde und neue Untersuchungsmethoden gezeigt, dass unser Bild eines tumben, seine Keule schwingenden Wilden so nicht stimmt. Quarks & Co begibt sich auf Spurensuche: Wann, wo und wie lebte der Neanderthaler? Was konnte er, und wie intelligent war er? Sind sich Neanderthaler und moderner Mensch womöglich sogar begegnet? Wie viel Neanderthaler steckt in jedem von uns? Außerdem besucht Quarks & Co Wissenschaftler, die die Sprache des Neanderthalers untersuchen und Forscher, die ihm 'ins Gehirn' sehen.

    Rund 4.000 bis 5.000 Jahre lebten 'homo neanderthalensis' und 'homo sapiens' zeitgleich in Europa. Aber noch immer streiten sich die Wissenschaftler, ob sie sich überhaupt getroffen haben - und wenn ja, was dann passiert ist. Kamen sie sich näher und zeugten wohlmöglich sogar gemeinsame Nachkommen? Ist der Neanderthaler gar nicht verschwunden oder ausgestorben, sondern sind seine Gene im Genpool des modernen Menschen aufgegangen? Quarks & Co berichtet über den aktuellen Stand der Forschung.

    Konnte der Neanderthaler sprechen? Einige Wissenschaftler sind davon überzeugt, auch wenn andere glauben, dass ihm ein bestimmtes Gen fehlt, das Sprechen erst möglich macht. In einer Höhle in Israel, nahe Kebara am Berg Karmel in Palästina, wurde ein Skelett gefunden, das zweifelsfrei als ein Neanderthalerskelett identifiziert wurde. Und erstmals war ein ganz besonderes versteinertes kleines Knochenstück dabei. Mit Hilfe dieses so genannten Zungenbeins, Schädeln und einer Halswirbelsäule hat der Anthropologe Bob Francis versucht, den Sprechapparat eins Neanderthalers zu rekonstruieren. Quarks & Co zeigt, wie Sprach- und Stimmtherapeuten Neanderthaler zum sprechen bringen wollen.

    Hirnforscher haben entdeckt, dass das Gehirn des Neanderthalers dem des modernen Menschen nicht unterlegen war. Die Unterschiede sind nur minimal. Prof. Karl Zilles vom Forschungszentrum Jülich machte mit einer neuartigen Technik Schädelinnenabdrücke von Menschenaffen, verschiedenen frühen Hominiden, Neanderthalern und modernen Menschen, um herauszufinden, wie sich das Gehirn im Laufe der Evolution verändert hat. Dabei stellte er fest, dass sich ein Teil des Vorderhirns, direkt über den Augenhöhlen, besonders stark vergrößert. Hier liegt eine Art Triebkontrollzentrum, das u.a. unser Sozialverhalten steuert. Vom Menschenaffen bis zum modernen Menschen vergrößert sich dieser Hirnteil in Relation zum restlichen Gehirn um das 200fache. Quarks & Co erklärt, was diese Entdeckung über die kognitiven Fähigkeiten des Neandertalers aussagt und sieht dem Wissenschaftler bei seiner Arbeit über die Schulter.

  • Der Schriftsteller Walter Kempowski ist tot. Er erlag in der vergangenen Nacht im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg seinem Darmkrebsleiden. Das teilte der Knaus Verlag in München mit. Bis zuletzt habe Kempowski an einem neuen Buch geschrieben. Auch zu seinen beliebten Literaturnachmittagen in seinem Haus in dem niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen hatte er noch bis zuletzt eingeladen.

    Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Er gehört seit Jahrzehnten zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Zu seinen bekannten Werken zählen unter anderen "Tadellöser & Wolff", "Uns geht's ja noch gold. Roman einer Familie" und "Deutsche Chronik". Für sein Mammutwerk "Echolot" erhielt er auch aus dem Ausland große Anerkennung. Sein letztes Buch "Alles umsonst" erschien 2006.



    Verweis auf die Walter-Kempowski-Seite des Verlages: http://www.randomhouse.de/specials/walterkempowski/

  • Da nicht so breit getreten und vom Verein Deutsche Sprache totgeschwiegen:

    Aktion Deutsche Sprache in Hannover gegründet

    Zurückgetretener Regionalvorstand wieder aktiv – Dr. Neemann: Erhaltung der deutschen Sprache liegt uns am Herzen

    Hannover.- Um die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln und um mit allen Mitteln gegen die Verhunzung und Vermischung der Deutschen Sprache mit Anglizismen und „Denglisch“ zu kämpfen, ist am 31. März 2006 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover unter der Leitung von Dr. jur. Hermann Neemann die „Aktion Deutsche Sprache“ (ADS) gegründet worden. Von 25 interessierten Männern und Frauen, die bisher zumeist im Verein Deutsche Sprache mitgewirkt hatten und spontan dem Gründungsaufruf gefolgt waren, traten 20 sofort der Aktion bei. Sie unterschrieben das Gründungsprotokoll und wählten einmütig einen Vorstand mit Dr. Hermann Neeman als Vorsitzendem. Zur zweiten Vorsitzenden wurde Martina Rodemann (Hannover), zum Schatzmeister Peter Wannemacher (Barsinghausen), zum Schriftführer Rolf Zick (Lehrte), sowie als Beisitzer Ulrich Heise (Langenhagen), Marion Reerink (Hannover), Heinrich Stracke (Hannover) und Walter Mehring (Laatzen) gewählt. Die Aktion Deutsche Sprache soll jetzt ins Vereinsregister eingetragen werden.

    Dr. Neemann hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der seit vielen Jahren ehrenamtlich wirkende Regionalvorstand des Vereins Deutsche Sprache (VDS), Region 30 Hannover, unter seinem Vorsitz im vergangenen Jahr wegen unüberbrückbarer Gegensätze zum VDS-Bundesvorstand geschlossen zurückgetreten war. Insbesondere die kategorische Ablehnung aller Vorschläge und Anträge der Basis zum Bundesdelegiertentag, darunter die Verteilung der Beitragseinnahmen unter Berücksichtigung der regionalen Vereinigungen, sowie die vom Bundesvorsitzenden gegen eine Reihe von Bundesvorstandsmitgliedern angestrengten Prozesse und der autoritäre, undemokratische Führungsstil hätten auf Dauer keine gedeihliche Zusammenarbeit möglich erscheinen lassen, sagte Dr. Neemann. Deshalb habe der Regionalvorstand nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, zu einer Einigung mit dem Bundesvorstand zu kommen, letztlich die Konsequenzen gezogen und sei trotz überall anerkannter hervorragender Arbeit im Interesse der Erhaltung und Reinhaltung der deutschen Sprache, mit größtem Bedauern zurückgetreten.

    Viele Mitstreiter waren Dr. Neemann gefolgt. Sie bilden jetzt den Kern der Aktion Deutsche Sprache (ADS). Nach der in der Gründungsversammlung beschlossenen Satzung können alle natürlichen und juristischen Personen jeder Nationalität, die ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben und sich zu den Zielen des Vereins bekennen, Mitglieder werden. Zu den Mitteln zur Erreichung der Ziele gehören unter anderem öffentliche Informationsveranstaltungen, Diskussionen in den Medien, Vorträge, Hilfe bei Übersetzungen von Anglizismen und „Denglisch“, Auszeichnung besonderer deutschsprachiger Leistungen und Kritik an Verschandelung der deutschen Sprache sowie Appelle an Medien, öffentliche und private Institutionen, an Personen der Politik, des gesellschaftlichen, kirchlichen und kulturellen Lebens, an Werbung und Wirtschaft mit der Forderung, in allen mündlichen und schriftlichen Äußerungen die deutsche Sprache zu pflegen und Schaden von ihr abzuwenden.

    Ferner heißt es in der Satzung, der Verein arbeitet mit allen Organisationen, Institutionen, Vereinen und Personen zusammen, die sich in gleicher Weise für die deutsche Sprache einsetzen. Er kann sich mit anderen Vereinen auf Landes- und Bundesebene, die denselben Zweck verfolgen, zusammenschließen. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Ziele. Er ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
    Der Vorsitzende Dr. Neemann betonte: „Wir wollen nicht alles anders, aber vieles besser machen als im VDS und ohne Reibungsverluste arbeiten.“ Er wolle nicht autoritär, sondern demokratisch führen, „nach Recht und Satzung“. Das setze eine offene Informationspolitik voraus. Die Mitglieder, aber auch andere Interessenten, von denen inzwischen weitere vier dem Verein beigetreten sind, wurden aufgefordert, sich aktiv in die Vereinsarbeit einzuschalten und damit eine Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung für die Deutsche Sprache zu erreichen.

    Der Vorstand der ADS hat sich bereits Gedanken für die ersten Aktionen in diesem Jahr gemacht. Als erste öffentlichkeitswirksame Aktion ist ein Fotowettbewerb mit den Aufnahmen von sehr guten deutschen Firmennamen in Stadt und Region Hannovergeplant. Dafür sollen die Mitglieder mobilisiert werden Ferner ist die Teilnahme an der Aktion „Politiker-Selbstverpflichtung zu gutem Deutsch“ der Deutschen Sprachwelt geplant. Zielgruppe in Hannover sind vor allem die Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags sowie die Kandidaten um die Spitzenämter Oberbürgermeister der Landeshauptstadt und Präsident der Region Hannover bei der Kommunalwahl im September dieses Jahres. Ferner will die ADS „Wahlprüfsteine“ zur Kommunalwahl 2006 an die politischen Parteien in der Stadt und Region Hannover senden und die Ergebnisse vor der Kommunalwahl veröffentlichen. Schließlich sollen Firmen und Geschäfte mit guter deutscher Werbung in der Region Hannover festgestellt und ausgezeichnet werden.

    Die Kontaktanschrift für die Aktion Deutsche Sprache ist:
    Dr. Hermann Neemann, Lothringer Straße 33 B, 30559 Hannover; Tel: 0511 – 52 62 14, Fax: 0511 – 215 40 98: Internet: http://www.Aktion-Deutsche-Sprache.de


    Die Aktion Deutsche Sprache über sich:

    Zitat von Aktion Deutsche Sprache
    Wer wir sind

    Um die deutsche Sprache als Amts-, Kultur-, Landes- und Wissenschaftssprache zu erhalten, zu pflegen, zu schützen und weiterzuentwickeln und um mit allen Mitteln gegen die Verhunzung und Vermischung der Deutschen Sprache mit Anglizismen und "Denglisch" zu kämpfen, ist am 31. März 2006 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover unter der Leitung von Dr. jur. Hermann Neemann die "Aktion Deutsche Sprache" (ADS) gegründet worden. Von 25 interessierten Männern und Frauen, die bisher zumeist im Verein Deutsche Sprache mitgewirkt hatten und spontan dem Gründungsaufruf gefolgt waren, traten 20 sofort der Aktion bei. Sie unterschrieben das Gründungsprotokoll und wählten einmütig einen Vorstand mit Dr. Hermann Neeman als Vorsitzenden. Zur zweiten Vorsitzenden wurde Martina Rodemann (Hannover), zum Schatzmeister Peter Wannemacher (Barsinghausen), zum Schriftführer und Pressesprecher Rolf Zick (Hannover) sowie als Beisitzer Ulrich Heise (Langenhagen), Marion Reerink (Hannover), Heinrich Stracke (Hannover) und Walter Mehring (Laatzen) gewählt. Die Aktion Deutsche Sprache wurde am 10. Mai 2006 unter der Nr. VR 200 176 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hannover eingetragen.

    Was wir wollen

    Die deutsche Sprache wird von Anglizismen und Amerikanismen in einem Maße überschwemmt, dass ihr Bestand als eigenständige Kultursprache gefährdet ist.

    Wir wollen das Bewusstsein wecken, dass es sich lohnt, ein gutes Deutsch zu sprechen ohne unnötige Anglizismen.
    Wir wollen, dass sich die deutsche Sprache als unser wichtigstes Kulturgut gegen die Überhäufung mit Wörtern aus dem Englischen behauptet.
    Wir wollen die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache erhalten und fördern.
    Wir wollen mit Taten, in Wort und Schrift dem oft sinnlosen Gebrauch englischer Wörter in der deutschen Sprache entgegenwirken.
    Der Sprachsalat, den viele unserer Landsleute in der Werbung, in der Wirtschaft, in den Medien und im Kultur- und Sportbereich anrichten, zeugt eher von Beschränktheit, auch wenn sie meinen, durch die Verwendung englischer Worte und Redewendungen weltgewandter und wichtiger zu erscheinen. Gesungen und gefeiert wird oft auf Englisch beim Geburtstag (Happy birthday to you), beim Heiraten (Just married). Unsere Wissenschaft schreibt schon vielfach in Englisch. Sie beginnt auf Englisch zu lehren und Studienabschlüsse englisch zu bezeichnen (bachelor, master). Neue Begriffe werden ohne Not aus dem Englischen übernommen. Es werden sogar angeblich englische Wörter " erfunden ", die es in der englischen Sprache nicht gibt, mit deren Gebrauch wir uns nur lächerlich machen. Unsere Sprache verliert dadurch ihre Fähigkeit, sich durch neue Wortprägungen der Moderne anzupassen. Dieser Prozess verändert unsere Sprache mehr als andere fremde Einflussnahmen in ihrer Geschichte.
    Ursachen sehen wir in der Amerikabesessenheit und Globalisierungsbeflissenheit, in unserem gestörten Nationalbewusstsein, in der übertriebenen Profilierungssucht einzelner und der gedankenlosen Nachplapperei vieler.



    Was wir tun

    Wir setzen uns überall und unablässig für die Ziele der Aktion Deutsche Sprache (ADS) ein:
    Erhaltung und Förderung der deutschen Sprache als eigenständige Kultursprache.

    So veranstalten wir in Hannover regelmäßig "Sprach-treffs" mit renommierten Referenten und anschließenden Diskussionen. Gäste sind gern willkommen.
    Wir veranstalten Protestaktionen, so z. B. im Hauptbahnhof Hannover, wo es von Kauderwelsch-Ausdrücken nur so wimmelt, oder im Amtsgericht Hannover, wo wir verhindert haben, dass entgegen Recht und Gesetz die Auskunftsstelle in "Service point" umbenannt wurde (vgl. § 184 Gerichtsverfassungsgesetz: Die Gerichtssprache ist deutsch).
    Wir richten in Hannover und den Städten der Region auf besonders belebten Plätzen Informationsstände ein, an denen wir mit Faltblättern, Broschüren und sonstigem Material auf unsere Ziele hinweisen. Unsere Mitglieder sprechen Passanten an. Sie versuchen, sie für unsere Sprache zu begeistern, und machen sie auf die Gefahren für unsere Sprache durch Anglizismen aufmerksam.
    Wir beteiligen uns am jährlich im September statt-findenden "Tag der deutschen Sprache" mit Aufklärung-saktionen und einem Informationsstand in der Innenstadt Hannovers.
    Wir haben das "Sprachbündnis Hannover" geschaffen und pflegen damit die Verbindung zu bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in unserer Region, die unsere Bestrebungen unterstützen, aber nicht Mitglieder in der ADS sind.
    Wir pflegen Kontakte zu maßgeblichen Landespolitikern, interessierten Abgeordneten und Ministerien, um sie für unsere Vorhaben und Ziele zu gewinnen. Dabei geht es uns insbesondere um die Förderung der deutschen Sprache im Schulunterricht, aber auch um die Vermeidung unnötiger Anglizismen in der Amts- und Behördensprache (§ 23 Verwaltungsverfahrensgesetz: Die Amtssprache ist deutsch).
    Zu den Wahlen fordern wir Parteien und Kandidaten in "Wahlprüfsteinen" auf, zur Erhaltung und Förderung der deutschen Sprache Stellung zu nehmen. Wir kontrollieren ihre Aussagen und kritisieren gegebenenfalls ihr Tun.
    Wir verstehen uns auch als Anwalt derer, die kein Englisch können oder wegen unzulänglicher Beherrschung der englischen Sprache ausgegrenzt werden und deshalb Schwierigkeiten haben, am modernen Leben in unserer Gesellschaft teilzuhaben.
    Wir wenden uns bei unseren Aktionen nur gegen die unkritische Übernahme von Anglizismen und Amerikanismen. Denn wir sind nicht gegen ein passendes Fremdwort, das eine Lücke in unserer Sprache fällt. Wir sind auch nicht gegen die englische Sprache, aber wir haben etwas gegen eine deutsch-englische Mischmaschsprache. Entweder richtig deutsch oder richtig englisch.


    Was Sie tun können

    Sie können uns unterstützen im Kampf für die Erhaltung und Förderung der deutschen Sprache

    bei unseren Informationsveranstaltungen mit Fachleuten aus allen Lebensbereichen,
    bei Besuchen von Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und in den Schulen,
    bei der Planung und Betreuung von Informationsständen in der Region Hannover
    beim Schreiben von Protestbriefen an alle, die durch übermäßigen Gebrauch von "Denglisch" Deutsch-englische Mischmaschsprache) auffallen,
    beim Aufdecken von englischen und deutschenglischen Wörtern in der Werbung, in Presse, Funk und Fernsehen oder in Gebrauchsanleitungen,
    bei allen sonstigen Aktivitäten zur Durchsetzung unserer Vereinsziele.
    Ob als aktives oder als passives Mitglied oder als Förderer - in der Aktion Deutsche Sprache sind Sie jederzeit Herzlich Willkommen.
  • Gefunden im "Pressemitteilung WebService":
    Zitat von flamingo
    Neues Glossar mit "600 Denglischwörtern"
    Verfasst von flamingo am Sa, 2007-11-17 17:35.

    Kleiner Führer durch das Denglisch-Dickicht

    Denglisch“ ist mittlerweile eine zusätzliche Sprache geworden. Für viele ist dies ein Ärgernis - vor allem, weil durchaus fast immer deutsche Begriffe zur Verfügung stehen. Keiner kann vermeiden, ständig englische Wortschöpfungen zu hören oder zu lesen. Oft ignoriert man diese oder verhält sich so als ob man weiß wo die Glocken hängen. Besser ist es allerdings, als Champion im globalen Umfeld mitzuspielen und zu wissen, was gemeint ist.
    Hierzu möchte ein neues Glossar mit über 600 Begriffen der Kölner Autoren Dominik C. und Heinz C. Pütz beitragen. Sie erläutern klar und teilweise humorvoll „was Sache ist“.

    Das Buch „ANGLIZISMEN DEUTSCH ERKLÄRT“ von D. & H. Pütz
    (ISBN 978-3-00-023178-0) ist für € 6,90 über jede Buchhandlung oder per Mail unter pueco@web.de erhältlich.

    Natürlich hat es jeder weiterhin selbst in der Hand, bei der eigenen Sprachwahl „denglischfrei“ zu verfahren. Zum Trost bleibt zu hoffen, dass auch weiterhin noch ein Restkontingent an deutschen Vokabeln im Umlauf bleibt.
    Im Folgenden ein kurzer Text im „modern sound“:
    Checken Sie hierbei zunächst ein Statement: Jeder lebt in einem Environment, das mit Wordings konfrontiert ist, die nicht home made sind. Sie müssen da schon sprachlicher Allroundmann (-woman) werden und durch den Bottleneck des Learning by doing hindurch.
    Hierzu einige Beispiele:
    Bei Stellenanzeigen werden z.B. Key Account Manager für den Customer Service oder Troubleshooter für einen Turn around gesucht. Interessierte, die ihre Manpower visualisieren wollen, sollen sich bei der Abteilung Human Resources melden, um evtl. in einem Assessment Center durch ein Casting ihr Know how und ihre soft Skills nach einer ultimativen Agenda für Challenges zu outen. Die Performance wird mittels Ranking und Rating gecheckt und vielleicht in einem Multiple-choice-Verfahren eingescannt.
    Man muss darauf achten, keinen Blackout nach dem Boarding zu haben und sich final nicht als Flop oder Softie zu desavouieren. Ansonsten sollte man additiv am besten noch einen Bonustrack zulegen. Vielleicht ist man last, but not least, nur ein narrow-minded Peanut und auch nur für das Back Office und Desk Research zu gebrauchen.
    Nach dem ganzen Procedere kann man chillen oder sich einen Coach oder Consulter engagieren, die im Face-to-face-Gespräch den wahren mentalen Core ertasten. Um nicht immer Loser zu bleiben sind auch Connections als optimale tools durchaus eine coole Lösung. Last Hipp sind auch - zum mentalen Upswing - Designer food und ein gutes Feeling, um jedes weitere Adventure bei einer neuen Occasion zu toppen.
    Beim Managen der alltäglichen Agenda werden Sie mit viel Bullshit durch Mailings und Flyers und von Call-Centers angebotenen Events überhäuft, was Ihr psychisches Limit übersteigt und evtl. zu einem Burnout führen kann.
    Ob in Outdoor- Werbemedien mit gecasteten Eyecatchern , im Television, Internet oder in den Papers – überall finden Sie Topinfos für Blockbusters und Global Players, damit Sie deren Corporate Identity erfassen. Sie brauchen nicht unbedingt alles zu monitoren, denn die nichts sagenden Messages der creativen Eggheads und Art Directors können Ihr mentales Equipment und Ihre Skills nicht bereichern. Da nutzt auch Brainwashing nichts. Überflutet werden Sie z.B. mit weltbewegenden Aussagen wie
    „We try harder / Tune your run / Explore the city limits / Inspire the next” oder “open your mind”.
    Betrachten Sie es als Challenge zum Survivaltraining und bleiben Sie cool.
  • „Bin ich (k)ein Berliner?“Datum08.12.2007 19:10
    Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Aus dem Kundenmagazin "plus" der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG):

    „Bin ich (k)ein Berliner?“

    Warum ausgerechnet der „Berliner“ bei uns „Pfannkuchen“ heißt

    Viele Namen für das Gleiche – In Hessen nennt man ihn Kräppel, die Schwaben sagen Küchli, in Österreich heißt er Krapfen, doch meistens geht er als „Berliner“ über die Ladentheke. Ausgerechnet in Berlin ist der „Berliner“ aber nicht als solcher erhältlich. Bei uns kauft man sich einen (Berliner) Pfannkuchen! Silvester haben die Pfannkuchen-Bäcker Hochkonjunktur. plus_12 besuchte eine Berliner Backstube und wollte wissen, woher das beliebte Fettgebäck stammt.

    Ob es nun die unglücklich verliebte Köchin war, die versehentlich den Kuchenteig in heißes Fett geworfen hat, oder ein Regiment-Feldbäcker, der sich – mangels Ofen – mit einem heißen Kessel Fett behelfen musste, bleibt die Frage. Dass ausgerechnet die Berliner den Berliner „Pfannkuchen“ nennen, ist insofern verwunderlich, als sie nämlich insgeheim
    der Meinung sind, das Gebäck selbst erfunden zu haben. Denn ein Berliner Zuckerbäcker soll im 18. Jahrhundert zum ersten Mal ein rundes Hefefettgebäck hergestellt haben. Doch die österreichische Küche beansprucht hier ältere Rechte. In der Bäckerei der Cäcilie Krapfen buk man schon 60 Jahre früher die „Cili-Kugel“, die später „Krapfen“ genannt werden sollte.

    Egal – das runde Fettgebäck mit und ohne Füllung ist in Berlin bis heute heiß geliebt, vor allem an drei Tagen im Jahr: Rosenmontag, am 11. 11. und Silvester.

    Dann muss auch in der Backstube von Karl-Friedrich Lehmann jeder seiner 100 Mitarbeiter ran – ohne Ausnahme. Selbst der Chef eilt zwischen Teigtopf und Backofen hin und her. Helles Weizenmehl, Hefe dazu, dann die warme Milch – nun muss die Knetmaschine ganze Arbeit leisten, bis die Masse leicht und cremig ist. „Gleich nach Weihnachten beginnen wir, die Pfannkuchen-Teiglinge vorzubereiten, sonst würden wir den Bedarf nicht abdecken können“, erklärt der Konditormeister. Der Hunger auf „Berliner“ in Berlin und Brandenburg ist groß. An die 40.000 Pfannkuchen verlassen Silvester den Handwerksbetrieb in Hessenwinkel. Dagegen ist die Produktion von 1000 Stück an „normalen“ Tagen eher bescheiden.

    Gebacken, in diesem Fall „gebrutzelt“, wird allerdings erst in der Nacht vor Silvester. Dann geht es in der Backstube heiß her, wenn die rund geformten Teigstücke in das heiße Ölbad wandern. Ursprünglich wurde Schweineschmalz verwendet, heute in der Regel Pflanzenöl. Bis es soweit ist, haben die Lehmannschen Teiglinge Zeit zum Gehen. „Wir verwenden
    auf gar keinen Fall gefrorene Teiglinge“, sagt Karl-Friedrich Lehmann, „denn die schmecken trocken.“ Er muss es wissen: Seit seiner Kindheit ist der Bäckersohn mit der Kunst des Backens vertraut. Seine eigene Back-GmbH eröffnete er kurz nach der Wende und versorgt die Kuchentheken in Karstadt-Filialen, Krankenhäusern, Kantinen mit Nachschub.

    Alle Hände werden gebraucht, wenn der duftenden Kugel die (richtige) Füllung verabreicht wird. Und da gibt es mittlerweile viele: Pflaumenmus, Nougat, Vanillecreme, Pudding oder Eierlikör „Der Klassiker ist aber Kirschkonfitüre“, weiß Konditormeister Lehmann. Berüchtigt als Partywitz ist die gemeine Senffüllung, die sich manchmal unter einen von vielen Pfannkuchen mischt.

    Doch warum heißt denn nun der „Berliner“ in Berlin nicht „Berliner“? Achselzucken auch bei Konditormeister Lehmann. Überlieferungen zufolge soll die Zubereitung der Teigstücke in einer Pfanne eine einfache und schnelle Art gewesen sein, die hungrigen Mägen zu füllen. Aus dieser Zubereitung soll der „Berliner Pfannkuchen“ seinen Namen haben. Und da man sich sowieso in Berlin befand, ließen die Berliner die Herkunftsbezeichnung einfach weg. Na also: das Schlemmen kann beginnen! Aber sachte, denn 100 Gramm des Gebäcks haben leicht über 500 Kalorien und 13 Gramm Fett. Und gute Vorsätze für das neue Jahr haben meistens eine ebenso kurze Haltbarkeitsdauer wie ein frischer Pfannkuchen.

    Prosit Neujahr!

    Bernd Wegner

  • Ernst Röhl: Mit fRÖHLichem GrußeDatum24.12.2007 07:24
    Ernst Röhl: Mit fRÖHLichem Gruße - Das dicke Ernst-Röhl-Buch
    Eulenspiegel-Verlag Berlin, 19,90 €, 224 Seiten, ISBN: 978-3-359-01688-5

    "Der exzessive Wörter- und Stilblütensammler hat mit Witz und Ver-
    stand viele Nachschlagewerke zum Zeitgeistigen Wortschatz vorge-
    legt ... und hat mit anderen Büchern auch seine Fähigkeit unter Be-
    weis gestellt, packend und unterhaltsam zu schreiben."
    Neues Deutschland

    Und weil Weihnachten ist, hier eine Leseprobe:

    Ernst Röhl: Muttersprache, Mutterlaut

    Richter des Oberlandesgerichts in Düsseldorf definieren die
    Rechtslage beim Einbiegen auf die Autobahn folgendermaßen: "Wer
    auf der Autobahn im Bereich von Vorsortierräumen, die durch Auf-
    stellung von fahrstreifengegliederten Vorwegweisern eingerichtet
    sind, auf der durch eine breite Leitlinie abgetrennten Rechtsabbiege-
    spur an den auf den für den Geradeausverkehr bestimmten Richtungs-
    fahrbahnen befindlichen Fahrzeugkolonnen rechts vorbeifährt, ohne
    nach rechts abbiegen zu wollen, und anschließend nach links in eine
    Fahrzeuglücke einschert, überholt rechtswidrig rechts."

    Da könnse mal wieder sehen: Die deutsche Sprache ist voller Rätsel
    und Unwägbarkeiten. Der treibende Teil einer Maschine, eines Flug-
    zeugs etwa, heißt nicht Treibwerk, sondern Triebwerk. Das Gewächs-
    haus des Gärtners dagegen, in dem die Triebe sich entfalten, heißt
    Treibhaus und nicht Triebhaus. Triebhäuser gibt es auch, sie heißen
    aber nicht so; meistens heißen sie Claudias Orgasmusstudio. Oder
    Praxis für Atemtechnik.

    Die Null geht im Deutschen als Zahlwort durch. Faulenzen wird
    als Verb bezeichnet, weil kein vernünftiger Mensch darin ein Tätig-
    keitswort erkennt. Schlappschwanz gilt sogar als Kraftwort. Schwanger
    aber, obwohl es sich doch geradezu aufdrängt, ist als Umstandswort
    immer noch nicht zugelassen.

    Uneinprägsam für den Rest der Welt sind deutsche Zungenbrecher:
    Als die Paten um den Putenbraten baten, konnten wir den Paten Pu-
    tenbraten bieten, weil wir grade, als die Paten baten, Putenbraten
    brieten.

    Unentwirrbar fest geknüpft sind - in Einzahl und Mehrzahl - die
    Bande der deutschen Sprache:

    das Band - die Bänder
    der Band - die Bände
    die Bande - die Banden
    die Bänd - die Bänds.

    Wer möchte da Ausländer sein?

    Vor die Aufgabe gestellt, das Wort Angstschweiß perfekt aus-
    zusprechen, bricht dem Nichtmuttersprachler sofort der Angstsch-
    weiß aus. Ebenso bei Impfzwang, Sumpfpflanze oder Lokomotivfüh-
    rerüberwachungssignal, beim Registerverfahrensbeschleunigungs-
    gesetz, bei der Zahnersatzzusatzversicherungsleistung, bei Eier-
    schalensollbruchstellenverursacher oder bei der Verwaltungsverord-
    nung über die Zusage einer Umzugskostenvergütung nach dem
    Landesumzugskostengesetz bei Abordnung unverheirateter Beam-
    ter ohne Hausstand.

    Liebe Deutsche in Ost und West!

    Das Deutsche, die deutsche Sprache, die deutscheste Spra-
    che Deutschlands, wenn nicht der Welt. Allerdings machen wir es
    der Welt nicht leicht. Denn die deutsche Sprache ist in stürmische
    Bewegung geraten. In meiner ostdeutschen Wohngegend hatten wir
    seinerzeit in der zweiten deutschen Diktatur eine Produktionsgenos-
    senschaft des Tischlerhandwerks, und zwar stellten diese Tischer
    Särge her, prima Särge, und darum hieß die Firma jahrzehntelang PGH
    Sargtischlerei. So hießen solche Betrieb üblicherweise; zumeist
    hatten sie noch einen schmückenden Beinamen wie etwa Maler-
    PGH "Rote Scheuerleiste". In der idyllischen Stadt Rathenow an der
    Havel gab es sogar eine PGH Sargtischlerei "Neues Leben".

    Im Laufe der jüngeren deutschen Geschichte ist die Bude mehrfach
    umbenannt worden: zunächst in PGH Erdmöbel, dann in Erdmöbel
    GmbH, und wir können nur hoffen, daß sich diese GmbH weiterhin am
    Markt behaupten wird. So muß man ja neuerdings sagen: am Markt
    behaupten. Aber: im Markt positionieren. Der gute alte Sonnabend
    kommt im Osten allmählich aus der Mode. Mehr und mehr breitet
    sich der Samstag aus, und das nicht nur in 2008, sondern auch in 2009,
    aber halt nicht mehr in der Woche, sondern unter der Woche sowie an
    Silvester, an Ostern und an Pfingsten eh.

    Er ist an Weihnachten gestorben... Diese Todesanzeige jagt den
    Freßsäcken im Osten immer noch einen tödlichen Schreck ein. Ham-
    se schon gehört, er ist gestorben! Neiiiin! Woran denn? An Weih-
    nachten!

    Alles schon passiert! Es ist ja auch gar nicht so leicht, die deut-
    sche Weihnacht zu überleben.

    Dies alles ist durchaus kein Grund zur Beunruhigung. Es
    ist alles ganz harmlos; denn es handelt sich nur um den
    wünschenswerten, eleganten süddeutschen Gebrauch der Präpo-
    sitionen. Es weht, wie die Brotzeit, aus Know-how-country herüber in
    den Osten und klingt halt ausgesprochen lecker, gell?

    Dennoch kann von zwei deutschen Sprachen auch nicht ansatz-
    weise die Rede sein; denn die Differenzen sind gering. Immerhin hieß
    der Führerschein im Osten einst Fahrerlaubnis, der Personalchef
    hieß Kaderleiter, der Werbechef von einst hieß Sekretär für Agitation
    und Propaganda, der Arbeitslose hieß Werktätiger, und der Work-
    aholic nannte sich sogar Held der Arbeit.

    Ich selbst hab mir das neue Deutsch sozusagen im Schweins-
    galopp beigebracht, zuerst all diese wunderbaren Lifestyle-Vokabeln:

    the briefing - die Postzustellung
    the laptop - der Topplappen
    the patchwork - die Fliegenklatsche
    the striptease-table - der Ausziehtisch.

    Neulich sage ich am Fahrkartenschalter: "Bitte eine Fahrkarte nach
    Ribnitz-Damgarten." "Pardon", sagt die junge Dame
    von der Bahn AG, "das heißt bei uns Ticket!"
    "Ticket?" sag ich. "Ist Ribnitz denn umbenannt worden?"
    "Keine Ahnung", sagt sie, "bei uns heißt es jedenfalls Ticket."
    "Wenn das so ist", sag ich, "dann hab ich bloß noch eine allerletzte
    Frage: Wo gibt's hier eigentlich die Fahrkarten?"

    Ach ja... So ist das mit den Wörtern. Planetengleich steigen sie auf
    und ab am geistigen Horizont.

    Freunde aus Dresden, die wissen, daß ich Sprachblüten schätze,
    schickten mir die Kopie eines Geschäftsbriefes, der in einer Firma
    namens Meß-Elektronik Dresden GmbH formuliert worden war.
    Hinter dem Firmennamen übrigens verbirgt sich, schwach verhüllt, der
    einstige VEB Meßelektronik Dresden. Sie haben auch dort inzwi-
    schen, wie sich von selbst versteht, keinen Betriebsleiter oder Betriebs-
    direktor mehr, sondern schon lange einen Geschäftsführer, in diesem
    Fall den Herrn Dr. Meyer, einen beispielhaft sprachsensiblen Zeit-
    genossen. Er teilt seinen wichtigsten Mitarbeiten, den "Leitern der
    Zentral- und Geschäftsbereiche", in diesem ebenso kurzen wie authen-
    tischen Schreiben Folgendes mit:

    "... Aus gegebenem Anlaß darf ich Sie noch einmal bitten, die folgen-
    den Formulierungen nicht mehr zu verwenden: Kader, Brigade, Öko-
    nomie, Werktätiger und andere ähnliche spezifische Begriffe, die
    aus der Vergangenheit stammen. Diese Begriffe sind für ein westliches Ohr
    stark vorbelastet und führen zu negativen Assoziationen. Wir machen
    uns im Umgang mit den westlichen Firmen das Leben unnötig schwer.

    Mit kollegialem Gruß
    Dr. Meyer, Geschäftsführer"

    ---
    Ernst Röhl (* 25. Dezember 1937 in Neu-Ruthenbeck bei Parchim in
    Mecklenburg-Vorpommern) ist ein deutscher Satiriker und Kabarettist. Als freier
    Autor erscheinen seine Bücher hauptsächlich im Berliner Eulenspiegel-Verlag.

    Der Eulenspiegel-Verlag ist ein seit 1954 bestehender Verlag mit Sitz in Berlin,
    dessen Schwerpunkt im Bereich der Satire liegt.

    Bis 1972 war der Eulenspiegel-Verlag Herausgeber der Satirezeitschrift Eulenspiegel.
    In der DDR galt der staatlich sanktionierte Eulenspiegel-Verlag als bedeutendster
    Satireverlag. Nach der Wende wurde 1993 von der Treuhand ein Konkursverfahren
    eingeleitet. Für die Konkursmasse fanden sich jedoch Käufer (namentlich Dr. Matthias
    Oehme und Jacqueline Kühne), die den Verlag neu gründeten.

    Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Teile des kulturellen Erbes der DDR zu
    pflegen. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Werkeditionen der
    Dichter Peter Hacks und Rainer Kirsch.

    Zur Verlagsgruppe Eulenspiegel gehören heute außerdem die Verlage Das Neue Berlin,
    edition ost, Neues Leben und seit Februar 2007 der Rotbuch-Verlag.
  • Frohe Festtage und einen Guten Rutsch!Datum24.12.2007 07:25
    Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l
    Allen Mitschreibern und Mitlesern des Deutschen Sprachforums wünsche ich - unabhängig von Weltanschauung und Konfession - eine besinnliche Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch ins Jahr 2008!

    Andy aus OSW

    P.S. Euer Weihnachtsgeschenk befindet sich bei den Buchtipps :-)!

  • Lingua Tertii ImperiiDatum28.12.2007 13:46
    Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Von 1933 bis 1945 führte der deutsche Schriftsteller Victor Klemperer ein ungewöhnliches Tagebuch. Gegenstand war die Sprache des Dritten Reiches, “Lingua Tertii Imperii” nannte er sie. Leidenschaftlich notierte er jede neue Redewendung, die ihm begegnete, von den Stammtisch-Witzen bis zu den Anleihen aus dem Technik-Jargon, Boxsport und Werbung. Vornehmliches Ziel Klemperers war es, Zeugnis abzulegen von der Vergiftung der deutschen Sprache durch die Nazis.

    Auf Arte gab es mal einen Dokumentarfilm zum Thema: Die Sprache lügt nicht - Die Tagebücher von Victor Klemperer · Dokumentarfilm von Stan Neumann, Frankreich 2004. Hoffentlich kommt er bald wieder.

    Andy


    Leseprobe:

    LTI - Lingua Tertii Imperii - Sprache des "Dritten Reiches"
    von Victor Klemperer

    "Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da."

    Es gab den BDM und die HJ und die DAF und ungezählte andere solcher abkürzenden Bezeichnungen.
    Als parodierende Spielerei zuerst, gleich darauf als ein flüchtiger Notbehelf des Erinnerns, als eine Art Knoten im Taschentuch, und sehr bald und nun für all die Elendsjahre als eine Notwehr, als ein an mich selber gerichteter SOS-Ruf steht das Zeichen LTI in meinem Tagebuch. Ein schön gelehrtes Signum, wie ja das "Dritte Reich" von Zeit zu Zeit den volltönenden Fremdausdruck liebte: Garant klingt bedeutsamer als Bürge und diffamieren imposanter als schlechtmachen. (Vielleicht versteht es auch nicht jeder, und auf den wirkt es dann erst recht.)

    Mein Tagebuch war in diesen Jahren immer wieder meine Balancierstange, ohne die ich hundertmal abgestürzt wäre. In den Stunden des Ekels und der Hoffnungslosigkeit, in der endlosen Öde mechanistischer Fabrikarbeit, an Kranken- und Sterbebetten, an Gräbern, in eigener Bedrängnis, in Momenten äußerster Schmach, bei physisch versagendem Herzen - immer half mir diese Forderung an mich selber: beobachte, studiere, präge dir ein, was geschieht - morgen sieht es schon anders aus, morgen fühlst du es schon anders; halte fest, wie es eben jetzt sich kundgibt und wirkt. Und sehr bald verdichtete sich dann dieser Anruf, mich über die Situation zu stellen und die innere Freiheit zu bewahren, zu der immer wirksamen Geheimformel: LTI, LTI!

    Selbst wenn ich, was nicht der Fall ist, die Absicht hätte, das ganze Tagebuch dieser Zeit mit all seinen Alltagserlebnissen zu veröffentlichen, würde ich ihm dieses Signum zum Titel geben. Man könnte das metaphorisch nehmen. Denn ebenso wie es üblich ist, vom Gesicht einer Zeit, eines Landes zu reden, genauso wird der Ausdruck einer Epoche als ihre Sprache bezeichnet.

    Das "Dritte Reich" spricht mit einer schrecklichen Einheitlichkeit aus all seinen Lebensäußerungen und Hinterlassenschaften: aus der maßlosen Prahlerei seiner Prunkbauten und aus ihren Trümmern, aus dem Typ der Soldaten, der SA- und SS-Männer, die es als Idealgestalten auf immer andern und immer gleichen Plakaten fixierte, aus seinen Autobahnen und Massengräbern. Das alles ist Sprache des "Dritten Reichs", und von alledem ist natürlich auch in diesen Blättern die Rede.

    Aber wenn man einen Beruf durch Jahrzehnte ausgeübt und sehr gern ausgeübt hat, dann ist man schließlich stärker durch ihn geprägt als durch alles andere, und so war es denn buchstäblich und im unübertragen philologischen Sinn die Sprache des "Dritten Reichs", woran ich mich aufs engste klammerte, und was meine Balancierstange ausmachte über die Öde der Fabrikstunden, die Greuel der Haussuchungen, Verhaftungen, Mißhandlungen usw. usw. hinweg.

    Man zitiert immer wieder TALLEYRANDs Satz, die Sprache sei dazu da, die Gedanken des Diplomaten (oder eines schlauen und fragwürdigen Menschen überhaupt) zu verbergen. Aber genau das Gegenteil hiervon ist richtig. Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein - im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.

    Es ist mir merkwürdig ergangen mit dieser eigentlichen (philologisch eigentlichen) Sprache des "Dritten Reichs".

    Ganz im Anfang, solange ich noch keine oder doch nur sehr gelinde Verfolgung erfuhr, wollte ich so wenig als möglich von ihr hören. Ich hatte übergenug an der Sprache der Schaufenster, der Plakate, der braunen Uniformen, der Fahnen, der zum Hitlergruß gereckten Arme, der zurechtgestutzten Hitlerbärtchen. Ich flüchtete, ich vergrub mich in meinen Beruf, ich hielt meine Vorlesungen und übersah krampfhaft das Immer-leerer-Werden der Bänke vor mir, ich arbeitete mit aller Anspannung an meinem Achtzehnten Jahrhundert der französischen Literatur. Warum mir durch das Lesen nazistischer Schriften das Leben noch weiter vergällen, als es mir ohnehin durch die allgemeine Situation vergällt war?


    Kam mir durch Zufall oder Irrtum ein nazistisches Buch in die Hände, so warf ich es nach dem ersten Abschnitt beiseite. Grölte irgendwo auf der Straße die Stimme des Führers oder seines Propagandaministers, so machte ich einen weiten Bogen um den Lautsprecher, und bei der Zeitungslektüre war ich ängstlich bemüht, die nackten Tatsachen - sie waren in ihrer Nacktheit schon trostlos genug - aus der ekelhaften Brühe der Reden, Kommentare und Artikel herauszufischen.

    Als dann die Beamtenschaft gereinigt wurde und ich mein Katheder verlor, suchte ich mich erst recht von der Gegenwart abzuschließen. Die so unmodernen und längst von jedem, der etwas auf sich hielt, geschmähten Aufklärer, die VOLTAIRE, MONTESQUIEU und DIDEROT, waren immer meine Lieblinge gewesen. Nun konnte ich meine gesamte Zeit und Arbeitskraft an mein weit fortgeschrittenes Opus wenden; was das achtzehnte Jahrhundert anlangt, saß ich ja im Dresdener Japanischen Palais wie die Made im Speck; keine deutsche, kaum die Pariser Nationalbibliothek selber hätte mich besser versorgen können.

    Aber dann traf mich das Verbot der Bibliotheksbenutzung, und damit war mir die Lebensarbeit aus der Hand geschlagen. Und dann kam die Austreibung aus meinem Hause, und dann kam alles Übrige, jeden Tag ein weiteres Übriges. Jetzt wurde die Balancierstange mein notwendigstes Gerät, die Sprache der Zeit mein vorzüglichstes Interesse.

    Ich beobachtete immer genauer, wie die Arbeiter in der Fabrik redeten, und wie die Gestapobestien sprachen, und wie man sich bei uns im Zoologischen Garten der Judenkäfige ausdrückte. Es waren keine großen Unterschiede zu merken; nein, eigentlich überhaupt keine. Fraglos waren alle, Anhänger und Gegner, Nutznießer und Opfer, von denselben Vorbildern geleitet.

    Ich suchte dieser Vorbilder habhaft zu werden, und das war in gewisser Hinsicht über alle Maßen einfach, denn alles, was in Deutschland gedruckt und geredet wurde, war ja durchaus parteiamtlich genormt; was irgendwie von der einen zugelassenen Form abwich, drang nicht an die Öffentlichkeit; Buch und Zeitung der Behördenzuschrift und Formulare einer Dienststelle - alles schwamm in derselben braunen Soße, und aus dieser absoluten Einheitlichkeit der Schriftsprache erklärte sich denn auch die Gleichheit aller Redeform.

    Was war das stärkste Propagandamittel der Hitlerei? Waren es Hitlers und Goebbels Einzelreden, ihre Ausführungen zu dem und jenem Gegenstand, ihre Hetze gegen das Judentum, gegen den Bolschewismus?

    Fraglos nicht, denn vieles blieb von der Masse unverstanden oder langweilte sie in seinen ewigen Wiederholungen. Wie oft in Gasthäusern, als ich noch sternlos ein Gasthaus betreten durfte, wie oft später in der Fabrik während der Luftwache, wo die Arier ihr Zimmer für sich hatten und die Juden ihr Zimmer für sich, und im arischen Raum befand sich das Radio (und die Heizung und das Essen) - wie oft habe ich die Spielkarten auf den Tisch klatschen und laute Gespräche über Fleisch- und Tabakrationen und über das Kino führen hören, während der Führer oder einer seiner Paladine langatmig sprachen, und nachher hieß es in den Zeitungen, das ganze Volk habe ihnen gelauscht.


    Nein, die stärkste Wirkung wurde nicht durch Einzelreden ausgeübt, auch nicht durch Artikel oder Flugblätter, durch Plakate oder Fahnen, sie wurde durch nichts erzielt, was man mit bewußtem Denken oder bewußtem Fühlen in sich aufnehmen mußte.

    Sondern der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang, und die mechanisch und unbewußt übernommen wurden. Man pflegt das Schiller-Distichon von der "gebildeten Sprache, die für dich dichtet und denkt", rein ästhetisch und sozusagen harmlos aufzufassen. Ein gelungener Vers in einer "gebildeten Sprache" beweist noch nichts für die dichterische Kraft seines Finders; es ist nicht allzu schwer, sich in einer hochkultivierten Sprache das Air eines Dichters und Denkers zu geben.

    Aber Sprache dichtet und denkt nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, je selbstverständlicher, je unbewußter ich mich ihr überlasse. Und wenn nun die gebildete Sprache aus giftigen Elementen gebildet oder zur Trägerin von Giftstoffen gemacht worden ist? Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.

    Wenn einer lange für heldisch und tugendhaft: fanatisch sagt, glaubt er schließlich wirklich, ein Fanatiker sei ein tugendhafter Held, und ohne Fanatismus könne man kein Held sein. Die Worte "fanatisch" und "Fanatismus" sind nicht vom "Dritten Reich" erfunden, es hat sie nur in ihrem Wert verändert und hat sie an einem Tage häufiger gebraucht als andere Zeiten in Jahren.

    Das "Dritte Reich" hat die wenigsten Worte seiner Sprache selbstschöpferisch geprägt, vielleicht, wahrscheinlich sogar, überhaupt keines. Die nazistische Sprache weist in vielem auf das Ausland zurück, übernimmt das meiste andere von vorhitlerischen Deutschen. Aber sie ändert Wortwerte und Worthäufigkeiten, sie macht zum Allgemeingut, was früher einem Einzelnen oder einer winzigen Gruppe gehörte, sie beschlagnahmt für die Partei, was früher Allgemeingut war, und in alledem durchtränkt sie Worte und Wortgruppen und Satzformen mit ihrem Gift, macht sie die Sprache ihrem fürchterlichen System dienstbar, gewinnt sie an der Sprache ihr stärkstes, ihr öffentlichstes und geheimstes Werbemittel.

    Das Gift der LTI deutlich zu machen und vor ihm zu warnen - ich glaube, das ist mehr als bloße Schulmeisterei. Wenn den rechtgläubigen Juden ein Eßgerät kultisch unrein geworden ist, dann reinigen sie es, indem sie es in Erde vergraben. Man sollte viele Worte des nazistischen Sprachgebrauchs für lange Zeit, und einige für immer, ins Massengrab legen.

    Grundeigenschaft: Armut
    Die LTI ist bettelarm. Ihre Armut ist eine grundsätzliche; es ist, als habe sie ein Armutsgelübde abgelegt.

    "Mein Kampf", die Bibel des Nationalsozialismus, begann 1925 zu erscheinen, und damit war seine Sprache in allen Grundzügen buchstäblich fixiert. Durch die "Machtübernahme" der Partei wurde sie 1933 aus einer Gruppen- zu einer Volkssprache, d.h. sie bemächtigte sich aller öffentlichen und privaten Lebensgebiete: der Politik, der Rechtsprechung, der Wirtschaft, der Kunst, der Wissenschaft, der Schule, des Sportes, der Familie, der Kindergärten und der Kinderstuben. (Eine Gruppensprache wird immer nur diejenigen Gebiete umfassen, für die der Zusammenhang der Gruppe gilt, und nicht die Ganzheit des Lebens.)

    Natürlich bemächtigte die LTI sich auch, und sogar mit besonderer Energie, des Heeres; aber zwischen Heeressprache und LTI liegt eine Wechselwirkung vor, genauer: erst hat die Heeressprache auf die LTI gewirkt, und dann ist die Heeressprache von der LTI korrumpiert worden. Deshalb erwähne ich diese Ausstrahlung besonders. Bis in das Jahr 1945 hinein, fast bis zum letzten Tag - das "Reich" erschien noch, als Deutschland schon ein Trümmerhaufen und Berlin umklammer war - wurde eine Unmenge Literatur jeder Art gedruckt. Flugblätter, Zeitungen, Zeitschriften, Schulbücher, wissenschaftliche und schöngeistige Werke.

    In all dieser Dauer und Ausbreitung blieb die LTI arm und eintönig, und man nehme das "eintönig" genau so buchstäblich wie vorhin das "fixiert". Ich habe, wie sich mir gerade die Möglichkeit des Lesens ergab - wiederholt verglich ich meine Lektüre mit einer Fahrt im Freiballon,d er sich irgendeinem Winde anvertrauen und auf eigentliche Steuerung verzichten muß -, bald den "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" und bald ein "Taschenjahrbuch für den Einzelhandelskaufmann" studiert, jetzt eine juristische und jetzt eine pharmazeutische Zeitschrift durchstöbert, ich habe Romane und Gedichte gelesen, die in diesen Jahren erscheinen durften, ich habe beim Straßenkehren und im Maschinensaal die Arbeiter sprechen hören: es war immer, gedruckt und gesprochen, bei Gebildeten und Ungebildeten, dasselbe Klischee und dieselbe Tonart.

    Sogar bei denen, die die schlimmst verfolgten Opfer und mit Notwendigkeit die Todfeinde des Nationalsozialismus waren, sogar bei den Juden herrscht überall, in Gesprächen, Briefen, auch in ihren Büchern, solange sie noch publizieren durften, ebenso allmächtig wie armselig, und gerade durch ihre Armut allmächtig, die LTI.

    Drei Epochen deutscher Geschichte habe ich durchlebt, die Wilhelminische, die der Weimarer Republik und die Hitlerzeit.

    Die Republik gab Wort und Schrift geradezu selbstmörderisch frei; die Nationalsozialisten spotteten offen, sie nähmen nur die von der Verfassung gewährten Rechte für sich in Anspruch, wenn sie in ihren Büchern und Zeitungen den Staat in all seinen Einrichtungen und leitenden Gedanken mit allen Mitteln der Satire und der eifernden Predigt zügellos angriffen.

    Auf den Gebieten der Kunst und der Wissenschaft, der Ästhetik und der Philosophie gab es keinerlei Beschränkung. Niemand war an ein bestimmtes Dogma des Sittlichen oder des Schönen gebunden, jeder konnte frei wählen. Man rühmte diese vieltönige geistige Freiheit gern als einen ungemeinen und entscheidenden Fortschritt der kaiserlichen Epoche gegenüber. Aber war die Wilhelminische Ära wirklich soviel unfreier gewesen?

    Bei meinen Studien zur französischen Aufklärungszeit ist mir oft eine entschiedene Verwandtschaft zwischen den letzten Jahrzehnten, des "ancien règime" und der Epoche WILHELMs II. aufgefallen. Gewiß, es gab unter dem XV. und XVI. LUDWIG eine Zensur, es gab für Königsfeinde und Gottesleugner die Bastille und sogar den Henker, es wurde eine Reihe sehr harter Urteile gefällt - aber auf die Dauer der Epoche verteilt, sind es nicht allzu viele. Und immer wieder, und oft fast unbehindert, gelang es doch den Aufklärern, ihre Schriften zu veröffentlichen und zu verbreiten, und jede an einem der Ihrigen vollzogene Strafe hatte nur eine Verstärkung und Ausbreitung des rebellischen Schrifttums zur Folge.

    Sehr ähnlich herrschte unter WILHELM II. offiziell noch absolutistische und moralische Strenge, es gab gelegentliche Prozesse wegen Majestätsbeleidigung oder Gotteslästerung oder Verletzung der Sittlichkeit. Aber der wahre Beherrscher der öffentlichen Meinung war der "Simplizissimus". Durch kaiserlichen Einspruch kam LUDWIG FULDA um den Schiller-Preis, der ihm für seinen "Talismann" verliehen worden war; aber Theater, Presse und Witzblatt leisteten sich hundertmal schärfere Kritiken des Bestehenden als der zahme "Talismann".

    Und in der unbefangenen Hingabe an jede aus dem Ausland stammende geistige Strömung, und ebenso im Experimentieren auf literarischem, philosophischem, künstlerischen Gebiet, war man auch unter WILHELM II. unbehindert. Nur in den allerletzten Jahren des Kaisertums zwang die Notwendigkeit des Krieges zur Zensur.

    Ich selber habe nach meiner Entlassung aus dem Lazarett lange Zeit als Gutachter für das Buchprüfungsamt Oberost gearbeitet, wo die gesamte für Zivil und Militär des großen Verwaltungsgebietes bestimmte Literatur nach den Bestimmungen der Sonderzensur durchgesehen wurde, wo es also um einiges strenger zuging als in den Inlandzensurstellen. Mit welcher Weitherzigkeit wurde hier verfahren, wie selten wurde selbst hier ein Verbot ausgesprochen!

    Nein, in den beiden Epochen, die ich aus persönlicher Erfahrung übersehe, hat es eine so weitgehende literarische Freiheit gegeben, daß die ganz wenigen Fälle des Mundtotmachens als Ausnahmen gelten müssen.

    Die Folge davon war, daß sich nicht nur die generellen Sparten der Sprache, als Rede und Schrift, als journalistische, wissenschaftliche, dichterische Form, frei entfalteten, daß es nicht nur allgemeine literarische Strömungen gab wie Naturalismus und Neuromantik und Impressionismus und Expressionismus, sondern daß sich auf allen Gebieten auch völlig individuelle Sprachstile entwickeln konnten.

    Man muß sich diesen bis 1933 blühenden und dann jäh absterbenden Reichtum vor Augen halten, um ganz die Armseligkeit der uniformierten Sklaverei zu begreifen, die ein Hauptcharakteristikum der LTI ausmacht.

    Der Grund dieser Armut scheint am Tage zu liegen. Man wacht mit einer bis ins letzte durchorganisierten Tyrannei darüber, daß die Lehre des Nationalsozialismus in jedem Punkt und so auch in ihrer Sprache unverfälscht bleibe. Nach dem Beispiel der päpstlichen Zensur heißt es auf der Titelseite parteibetreffender Bücher: "Gegen die Herausgabe dieser Schrift bestehen seitens der NSDAP keine Bedenken. Der Vorsitzende der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS."

    Zu Wort kommt nur, wer der Reichsschrifttumkammer angehört, und die gesamte Presse darf nur veröffentlichen, was ihr von einer Zentralstelle aufgegeben wird, höchstens daß sie den für alle verbindlichen Text in bescheidenstem Maße variieren darf - aber dieses Variieren beschränkt sich auf die Umkleidung der für alle festgelegten Klischees. In den späten Jahren des "Dritten Reichs" bildete sich die Gewohnheit heraus, daß am Freitagabend im Berliner Rundfunk Goebbels neuester "Reich"-Artikel einen Tag vor Erscheinen des Blattes verlesen wurde, und damit war jedesmal bis zu nächsten Woche geistig fixiert, was in sämtlichen Blättern des nazistischen Machtbereichs zu stehen hatte.

    So waren es nur ganz wenige Einzelne, die der Gesamtheit das alleingültige Sprachmodell lieferten. Ja, im letzten war es vielleicht der einzige Goebbels, der die erlaubte Sprache bestimmte, denn er hatte vor Hitler nicht nur die Klarheit voraus, sondern auch die Regelmäßigkeit der Äußerung, zumal der Führer immer mehr verstummte, teils um zu schweigen wie die stumme Gottheit, teils weil er nichts Entscheidendes mehr zu sagen hatte; und was etwa Göring und Rosenberg noch an eigenen Nuancen fanden, das wurde vom Reichpropagandaminister in sein Sprachgewebe eingewirkt.

    Die absolute Herrschaft, die das Sprachgesetz der winzigen Gruppe, ja des einen Mannes ausübte, erstreckte sich über den gesamten deutschen Sprachraum mit um so entschiedenerer Wirksamkeit, als die LTI keinen Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache kannte. Vielmehr: alles in ihr war Rede, mußte Anrede, Anruf, Aufpeitschung sein. Zwischen den Reden und den Aufsätzen des Propagandaministers gab es keinerlei stilistischen Unterschied, weswegen sich denn auch seine Aufsätze so bequem deklamieren ließen. Deklamieren heißt wörtlich: mit lauter Stimme, tönend daherreden, noch wörtlicher: herausschreien. Der für alle Welt verbindliche Stil war also der des marktschreierischen Agitators.


    Und hier tut sich unter dem offen zutage liegenden Grund ein tieferer für die Armut der LTI auf. Sie war nicht nur deshalb arm, weil sich jedermann zwangsweise nach dem gleichen Vorbild zu richten hatte, sondern vor allem deshalb, weil sie in selbstgewählter Beschränkuung durchweg nur eine Seite des menschlichen Wesens zum Ausdruck brachte.

    Jede Sprache, die sich frei betätigen darf, dient allen menschlichen Bedürfnissen, sie dient der Vernunft wie dem Gefühl, sie ist Mitteilung und Gespräch, Selbstgespräch und Gebet, Bitte, Befehl und Beschwörung. Die LTI dient einzig der Beschwörung. In welches private oder öffentliche Gebiet auch immer das Thema gehört - nein, das ist falsch, die LTI kennt so wenig ein privates Gebiet im Unterschied vom öffentlichen, wie sie geschriebene und gesprochene Sprache unterscheidet -, alles ist Rede, und alles ist Öffentlichkeit. "Du bist nichts, dein Volk ist alles", heißt eines ihrer Spruchbänder. Das bedeutet: du bist nie mit dir selbst, nie mit den Deinen allein, du stehst immer im Angesicht deines Volkes.

    Es wäre deshalb auch irreführend, wollte ich sagen, die LTI wende sich auf allen Gebieten ausschließlich an den Willen. Denn wer den Willen anruft, ruft immer den Einzelnen, auch wenn er sich an die aus Einzelnen zusammengesetzte Allgemeinheit wendet. Die LTI ist ganz darauf gerichtet, den Einzelnen um sein individuelles Wesen zu bringen, ihn als Persönlichkeit zu betäuben, ihn zum gedanken- und willenlosen Stück einer in bestimmter Richtung getriebenen und gehetzten Herde, ihn zum Atom eines rollenden Steinbocks zu machen.

    Die LTI ist die Sprache des Massenfanatismus. Wo sie sich an den Einzelnen wendet, und nicht nur an seinen Willen, sondern auch an sein Denken, wo sie Lehre ist, da lehrt sie die Mittel des Fanatisierens und der Massensuggestion. Die französische Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts hat zwei Lieblingsausdrücke, -themen und -sündenböcke: Priestertrug und Fanatismus. Sie glaubt nicht an die Echtheit priesterlicher Gesinnung, sie sieht in allem Kult einen Betrug, der zur Fanatisierung einer Gemeinschaft und zur Ausbeutung der Fanatisierten erfunden ist.

    Nie ist ein Lehrbuch des Priestertrugs - nur sagt die LTI statt Priestertrug: Propaganda - mit schamloserer Offenheit geschrieben worden als Hitlers "Mein Kampf". Es wird mir immer das größte Rätsel des "Dritten Reiches" bleiben, wie dieses Buch in voller Öffentlichkeit verbreitet werden durfte, ja mußte, und wie es dennoch zur Herrschaft Hitlers und zu zwölfjähriger Dauer dieser Herrschaft kommen konnte, obwohl die Bibel des Nationalsozialismus schon Jahre vor der Machtübernahme kursierte.

    Und nie, im ganzen achtzehnten Jahrhundert Frankreichs nie, ist das Wort "Fanatismus" (mit dem ihm zugehörigen Adjektiv) so zentral gestellt und bei völliger Wertumkehrung so häufig angewandt worden wie in den zwölf Jahren des "Dritten Reiches".

    Quelle: Victor Klemperer: Die unbewältigte Sprache, Darmstadt 1966

  • Thema von AndyOSW im Forum F r e i s t i l

    Gefunden bei http://www.77.am/index.php/content/view/...en-Sprache/204/:

    Unterschiede zwischen Deutsch und Französisch

    Wer zwischen Deutsch und Französisch übersetzt, muss die oft sehr gegensätzlichen Eigenarten dieser beiden Sprachen berücksichtigen.
    Auf Französisch wird das Wichtigste zuerst gesagt, erst dann kommen die Umstände zum Ausdruck. Auf Deutsch kann man die eigentliche Aussage sehr lange hintanstellen, ja sogar für das letzte Wort des Satzes aufheben. Das erhöht natürlich die Spannung. Man weiß erst am Schluss, ob die rätselhafte Frau, die in Paris in den Zug eingestiegen war und bis München kein Wort gesagt hatte, beim Verlassen des Abteils einen anlächelt oder erschießt. Je connais quelqu’un qui fait chaque jour des cadeaux à sa femme : Ich kenne jemanden, der seine Frau jeden Tag beschenkt/schlägt. Bis zum letzten Wort ist alles möglich.

    Das Französische liebt klare kurze Aussagen, und reiht sie aneinander in einer Art Paratax. Das Deutsche wiederum liebt die Syntax – ineinander geschachtelte Sätze, Nebensätze und Nebensätze des Nebensatzes – und zwingt dadurch den Leser oder den Zuhörer, sich das alles zu merken und den Sinn nach und nach aufzubauen. Kein Wunder, dass Deutsch für eine höchst philosophische Sprache gehalten wird.

    Selbst das Wort hat im Französischen und Deutschen einen anderen Wirklichkeitsgehalt. Im Französsichen scheint das Wort am Ding zu kleben, das es benennt. Im Deutschen ist das Wort vornehm abgehoben, immer ein wenig abstrakt, man spürt den Geist wehen.

    Auch das Bild des geschriebenen Wortes ist in Deutsch und Französisch sehr unterschiedlich. Deutsch liebt Riesenwortgebilde: „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“. Blumentopferde ist Erde für den Blumentopf oder Topferde für die Blumen. Jedenfalls weiß man erst am Schluss, was es ist (Erde). Zuerst erfährt man das „wie“, dann das „was“. Bis zum „was“ muß man sich aber alle „wie“ merken.

    Deutsch hat viele Konsonanten und schnalzt sie hin wie unbearbeitete Steine, die sich doch letztendlich mit vielen Ecken und Kanten zu einer graphischen Ordnung zusammenfügen (Schifffahrt mit 3 „f“, Selbstständig mit 2 „st“). Das Französische mit seinen vokalreichen Wörtern fließt geschmeidig dahin wie ein Bergbach und schleift obendrein auch noch die eckigen Steine, die er treffen mag. Da ist der Hiatus, das Zusammentreffen von 2 Vokalen, der tunlichst durch épenthèse vermieden wird (a-t’on), da ist die liaison, wo die Graphie ihre Rechte beansprucht und vor einem Vokal das klingen lässt, was sonst nur beim Schreiben gilt.

    Nicht zuletzt die Klänge der Sprache sind im Deutschen und im Französischen absolute Antipode. Man erinnert sich an das, was Nietzsche über den Klang der deutschen Sprache schrieb. Er, dessen Stil so poetisch ist, beklagte, dass Deutsch zu einer Exerziersprache für brüllende Offiziere heruntergekommen war. Man weiß vielleicht auch noch, dass Kaiser Friedrich II versucht hatte – wohl durch seine italienische Heimat beeinflusst – den deutschen Wörtern Vokalendungen anzuhängen. Wäre das nichto schöni gewesena?

    Geschrieben von Max Devime ( david.schmidhofer [at] yahoo.de )

  • Gefunden in http://www.derwesten.de/nachrichten/kult...532/detail.html:

    Dieter Thomas Heck: "Natürlich treffen Dich Verrisse"

    Eine TV-Legende tritt ab

    Ob ZDF-"Hitparade" oder "Melodien für Millionen" - Dieter Thomas Heck schrieb Fernsehgeschichte. Am 29. Dezember wird er 70 - und tritt mit einer Gala ab. Jürgen Overkott sprach mit Heck.

    DTH: (schmettert) Guten Tag, Herr Overkott.

    Sie sind ja geradezu unverschämt gut gelaunt. Ist das bei Ihnen immer so?

    DTH: Wenn ich mich über irgendetwas sehr geärgert habe, sage ich: Oh, da ist der graue Himmel, aber dahinten, da ist schon ein Stück blauer Himmel.

    Wissen Sie, was ich gerade festgestellt habe? Ich habe bedeutend schneller gesprochen als Sie. Das ist doch eigentlich Ihr Job.

    DTH: Bei der „Hitparade“! Wenn Sie aber beispielsweise meine letzte Sendung nehmen, „Melodien für Millionen“, dann hat das mit schnell nichts mehr zu tun. Das ändert aber nichts daran, dass viele Kollegen von Ihnen schreiben „der Schnellsprecher Dieter Thomas Heck präsentierte zu Herzen gehend ,Melodien für Millionen’“.

    Ich glaube, dieses Etikett werden Sie in diesem Leben nicht mehr los.

    DTH: Das kann doch nicht wahr sein. Das ist ja wie bei Ronald Reagan damals. Bevor er Präsident der Vereinigten Staaten wurde, war er über Jahre Gouverneur, dann Oppositionsführer, und wir Rindviecher schrieben immer „Cowboy-Darsteller“.

    Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, schnell zu sprechen?

    DTH: Das kann ich Ihnen sagen – das gehörte zur „Hitparade“. Da kannst nicht sagen: (betont langsam) Und nun, auf dem dritten Platz, kommt jetzt der Interpret Rex Gildo, der übrigens zu Hause ist in Wanne-Eickel, dort eine Gaststätte betreibt – ich habe da mal ein Beispiel konstruiert – und jetzt singt: Hossa-hossa-hossa, Fiesta Mexicana. Schrecklich!

    Als die „Hitparade“ im ZDF 1969 erstmalig gesendet wurde, war sie etwas Innovatives.

    DTH: Die war wie eine Sportsendung. Nein, die „Hitparade“ musste Tempo haben.

    Sie waren also der Ansicht, Schlager ist eine dynamische Musik, und dynamische Musik muss dynamisch präsentiert werden.

    DTH: Besser hätte (betont) ich es nicht mal besser formulieren können.

    Das Konzept der „Hitparade“ ist hauptsächlich vom Show-Regisseur Truck Branss entwickelt worden. Was war Ihr Anteil dabei?

    DTH: Der Hauptanteil war, dass ich die „Deutsche Schlagerparade“ erfunden habe, als Radiosendung für die Europawelle Saar. Da gab es die Beatles und die Stones neben Roy Black. Alles quer durch den Garten. Und ich habe gesagt, in einem Land, in dem 90 Prozent der Menschen, zu 100 Prozent nur eine Sprache verstehen, muss es doch eine Sendung geben, die deutsche Musik bringt: (betont) „Deutsche Schlagerparade“. Ich kam damals von Radio Luxemburg und musste natürlich auch erst mal etwas anderes haben, als das, was es damals bei der Europawelle gab. „Deutsche Schlagerparade“. Da lachten sich meine Kollegen tot. Aber ich habe gesagt: Kinder, Ihr müsst es doch nicht machen – ich mache es. Und nach 14 Tagen schon war die „Deutsche Schlagerparade“ die meistgehörte Sendung. Und dann kam Truck Branss, der damals Erster Regisseur in Saarbrücken war, und sagte: Hör mal, Junge, ick hab da wat jehört, det is ja unglaublich. Ick hab da mal reinjehört, Du singst ja alles mit. Det muss man fernsehmäßig machen.

    Und dann hat Truck Branss diese Idee erst mal fairerweise in Saarbrücken angeboten. Aber der Sender wollte nicht. Und dann hat Truck Branss gesagt: Dann biete ick det beim ZDF an. Und in Mainz hieß es: gekauft.

    Rundfunk ist eine Sache – und Fernsehen eine andere. Beim Radio brauchst Du nur ein Mikro, beim Fernsehen muss auch die Optik inszeniert werden.

    DTH: Das ist richtig. Und der große Punkt ist ja noch, Jürgen (und das wissen die wenigsten), Du Dich musst als Rundfunksprecher mit dem Mikrophon unterhalten können, und dahinter musst Du die Augen Deiner Freundin oder Deiner Frau sehen. Beim Fernsehen guckst Du in einen toten viereckigen Kasten rein, dahinter steht noch ein Mensch, der vielleicht sogar mürrisch guckt – den musst Du ignorieren.

    Du musst natürlich bleiben, auch wenn das Rotlicht an ist. Die Leute sagen mir immer: Herr Heck, wir haben das Gefühl, dass Sie bei uns im Wohnzimmer sind. Wir laden Sie immer zu uns ein. Nee, frisierte Schnauze, das wäre schrecklich.

    Neu war bei der „Hitparade“ auch, dass sie die Distanz zwischen Bühne und Publikum aufhob, dass sie Nähe produzierte – die Künstler saßen teilweise mitten zwischen den Fans.

    DTH: Das war der ganz entscheidende Punkt: Die Sendung mit den Menschen für die Menschen aufgenommen.

    Die „Hitparade“ erreichte anfangs bis zu 27 Mio. Zuschauer. Aber die Kritiker stimmen nicht immer in den Jubel ein. Haben Sie Verrisse getroffen?

    DTH: Natürlich treffen Dich Verrisse. Kein Mensch kann sagen, er steckt sie einfach weg. Aber es steckt ein wunderbarer Trost in den Zeilen von Erich Kästner, der da sagte: Ich sitze gerade in dem kleinsten Raum meines Hauses und habe ihre Kritik vor mir, gleich habe ich sie hinter mir. Aber grundsätzlich sage ich: Kritik kann, wenn sie konstruktiv ist, sehr hilfreich sein.

    Ende der 70er hat sich die „Hitparade“ verändert – nämlich als die Neue Deutsche Welle kam. War das ein Ergebnis von Kritik?

    DTH: Nee, ich bin immer für neue Schlager gewesen - jetzt kommt eine ganze Welle. Es wäre doch ein Wahnsinn gewesen, daran vorbeizugehen. Nee, nee, das war ganz anders. Ich bin damals mit Klaus Volkmann, der in den 60ern viel mit den Beatles gemacht hat, nach Berlin geflogen. Klaus Volkmann hatte Trio produziert. Und der erzählte mir im Flieger: Du, die Jungs haben unheimlich viel Schiss vor Dir. Wegen der Krawatte und so. Da habe ich erwidert: Lass mal, ich mach das schon. Also bin ich zu den Jungs hin und gesagt: Grüß Dich, Stefan, grüß Dich, Peter, grüß Dich, Kralle, ich bin der Dieter. Ja, von diesem Augenblick an hatten wir ein richtig tolles Verhältnis.

    Einige Leute fordern eine Quote für deutschsprachige Musik im Rundfunk...

    DTH: Ich auch.

    Wirklich?

    DTH: Weil ich sage: Du musst nicht alles spielen, aber Du musst ein Verhältnis haben. Es gibt zwar Sender, die nur Deutsch spielen, Spartensender, eine schlimme Erfindung. Oder Sender, bei denen ich nur Englisch höre - furchtbar. Es muss ja nicht nur Schlager sein. Hören Sie sich mal Nummern von Silbermond an - oder von Annett Louisan. Also: Warum haben wir nicht mehr das, was früher in Luxemburg oder bei der Europawelle so erfolgreich lief - das gemischte Programm? Da war was für die ganze Familie drin - für Mutter, für Vater und für den Sohn mit 15 und für die Tochter mit 17 und sogar für Oma und Opa. Die sollte man jedenfalls bei öffentlich-rechtlichen Sendern nicht vergessen.

    Pünktlich zum Siebzigsten werden Sie die Showbühne verlassen. Haben Sie eine Träne im Knopfloch?

    DTH: Du wirst nicht ohne Träne davonkommen. Ich habe das immer mit Leib und Seele gemacht. Aber ich will selbst den Zeitpunkt setzen, wann ich Schluss mache. Und wenn dann Menschen traurig sind, ist das auch sehr schön – das zeigt, dass sie Dich gern gehabt haben.

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    Der Westen ist das Onlineangebot der WAZ Mediengruppe.

  • Aktion "Lebendiges Deutsch" fragt:Datum06.01.2008 22:07
    Was ist ein „Jackpot“? Wir bitten um Meinungen und Vorschläge.

    Zitat Ende. Nachzulesen hier: http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/wortdm.php

    Nun wissen wir alle, dass die Herren Krämer, Kraus, Schneider und Sommer ein deutsches Wort dafür suchen, aber die Fragestellung impliziert eine allgemeine Bildungslücke über die allgemeine Lottowelt. Apropos: Wann wird ein Synonym für "Lotto" gesucht? Und wann eines für "Apropos"?

    Nun geben wir den wirklichkeitsfernen Herren (es sind wirklich keine Damen in dieser Runde) mal einen Tipp: http://de.wiktionary.org/wiki/Jackpot. Unter den Synonymen dürfen sie sich eines aussuchen, ich plädiere für Hauptgewinn.
  • WEB.DE: Klaro, geil und cool - Die Werbung nutzt die "Retrosprache"

    Hannover/Stuttgart (dpa/tmn) - "Klaro" will das kleine Mädchen mit dem Jungen in den Urlaub fahren, aber nur mit einem ganz bestimmten Reiseanbieter. Was sich anhört wie eine Werbung aus den 70er oder 80er Jahren, ist ein aktueller Spot eines Reiseveranstalters.

    Dabei würden die meisten Kinder heutzutage wohl kaum "klaro" sagen. Der Begriff war in den 70er und 80er Jahren modern und wirkt mittlerweile doch eher etwas angestaubt. Aus ungefähr der gleichen Zeit stammen auch die Modewörter "cool" und "geil". Manchmal werden solche Ausdrücke aber von der Werbung wiederentdeckt, die dann bewusst auf eine Art "Retrosprache" setzt.

    Die Werbemacher wollten damit Aufmerksamkeit erregen, sagt Peter Schlobinski, Sprachwissenschaftler an der Universität Hannover. Sie sprechen damit eine ganz bestimmte Zielgruppe an, und zwar Personen über 50, die das Produkt kaufen sollen. "Die waren in den 70ern jung und haben diese Sprache selbst verwendet", erklärt Franco Rota von der Hochschule der Medien in Stuttgart.

    Zur damaligen Jugendsprache gehörten auch Ausdrücke wie "flippig" oder "freaky", die heutzutage nur noch selten zu hören sind. Denn Begriffe mit einer y-Endung stammen laut Rota meist aus den 70er Jahren. Die Worte "dufte" oder "knorke" gibt es dagegen schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie waren damals besonders in Berlin sehr verbreitet, erklärt Schlobinski.
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    Die oben beschriebene Werbung, in der das Mädchen "klaro" sagt, richtet sich sogar gleich an zwei Zielgruppen: "Das kleine Kind, das die Redewendung gebraucht, spricht die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen an und der verwendete Ausdruck die der Eltern und Großeltern", so der Experte für Werbesprache aus Stuttgart.

    Einzelne Begriffe haben über die Werbung den Weg zurück in die Alltagssprache gefunden. "Das Wort 'geil' ist in den 90er Jahren etwas abgeflaut und wurde von einer Elektronikkette durch die Werbekampagne 'Geiz ist geil' wieder aktualisiert", erläutert Rota. Ähnlich sei es auch bei dem Begriff "cool", der seinen Höhepunkt in den 80ern hatte. Er wurde in den 90ern durch einen Schokoladenhersteller wiederbelebt, der mit dem Slogan "It's cool man" warb. Eine Wortneuschöpfung der Werbung ist laut Annette Trabold vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim zum Beispiel der Begriff "unkaputtbar".

    Werbesprache kann den Menschen beeinflussen. "Sie ist so allgegenwärtig wie kaum eine andere Gruppe von Botschaften in der Massenkommunikation", sagt Rota. Ein allgemeiner Trend zur Retrosprache lasse sich im aktuellen Sprachgebrauch allerdings nicht feststellen. Nur in einzelnen Fällen und mit viel Anstrengung sei es der Werbung gelungen, Begriffe auch in der Alltagssprache zu verankern. Jede Zeit hat eine andere Jugendmode, die sich auch sprachlich ganz bewusst abhebt. "Modewörter kommen daher nur selten wieder", erklärt Annette Trabold.

  • Walter Krämer in der SonntagsZeitung: «Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch»

    Professor Walter Krämer, Verteidiger der deutschen Sprache, über Anglizismen, Wichtigtuer und Prallkissen

    von Balz Spörri

    Herr Krämer, haben Sie sich heute schon über einen Anglizismus geärgert?

    Ich bin Zug gefahren und so am «Service Point» meines Bahnhofs vorbeigekommen. Das hat mich schon ein bisschen geärgert.

    Der Verein Deutsche Sprache hat gerade den neuen «Anglizismen-Index» ins Netz gestellt. Was möchten Sie damit erreichen?

    Zunächst einmal möchten wir den Leuten zeigen, wie viele englische Wörter bereits deutschsprachige Begriffe verdrängt haben. Wir haben rund 6800 Anglizismen aufgelistet. 50 bis 100 davon sind eine Bereicherung, etwa «fair» oder «Foul» im Sport. Die übrigen verdrängen bekannte deutsche Wörter.

    Zum Beispiel?

    Nehmen Sie den oder das Event. Dieses Wort wälzt ein ganzes deutsches Wortfeld platt. Für Event gibt es zahlreiche, erheblich bessere und aussagekräftigere deutsche Wörter.

    Machen Sie sich nicht zum Gespött, wenn Sie Airbag durch Prallkissen ersetzen wollen?

    Gerade das ist eines meiner Lieblingsbeispiele. Der Airbag wurde von Daimler in Stuttgart erfunden. Heute denkt jeder, das sei eine Erfindung der Amerikaner. Mit der englischen Wortwahl hat Daimler einen riesigen Marketingvorteil verschenkt. Zudem beschreibt Prallkissen die Vorrichtung viel präziser als Airbag.

    Warum sind Anglizismen überhaupt so beliebt?

    Zum einen gibt es Leute, die damit wichtig tun wollen. Und zum andern kann man damit Dinge verschleiern.

    Wie bitte?

    Ein Kollege von mir hat untersucht, wie die Klassengrösse und die Qualität des Unterrichts in der Schule zusammenhängen. Nach drei Jahren Forschung kam raus, dass der Unterricht in kleinen Klassen im allgemeinen besser ist. Wenn man das auf Deutsch vortragen würde, würde es sofort als Trivialität erkannt. Deshalb trägt die Studie einen englischen Titel: «Size matters».

    Klingt gut.

    Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch. Das gilt ganz besonders in meinem Fach, der Volkswirtschaft. Die wirklich führenden Leute reden entweder perfektes Englisch oder perfektes Deutsch, aber nicht eine Mischung von beidem. Das tun nur die wissenschaftlichen 40-Watt-Leuchten.

    Unser Vokabular umfasst 300000 bis 400000 Wörter. Wie sollen 6000 Anglizismen die deutsche Sprache gefährden?

    Diese 300 000 Wörter sind der Gesamtwortschatz. Ein normaler Bürger benutzt vielleicht 10 000 davon. Da sind 6000 schon ein anderer Prozentsatz.

    Was stört Sie an Anglizismen?

    Erstens finde ich die meisten hässlich. Ich bin kein Fremdwortfresser. Doch nur wenige von ihnen ermöglichen uns, etwas zu benennen, das vorher nicht benennbar war. Ebenso stört mich, dass Anglizismen meist von Leuten benutzt werden, die sich damit eine Art Kosmopoliten-Ausweis ausstellen wollen.

    Kritiker behaupten auch, Anglizismen schlössen ältere Leute von der Kommunikation aus.

    Das kommt hinzu. Meine Mutter kam mal mit einer Rechnung der Telekom zu mir und sagte: Ich versteh nicht, was diese Free-Calls und City-Calls bedeuten. Deswegen haben wir und andere Aktivisten einige Monate lang die Telefonrechnung nicht bezahlt. Es gibt ja in Deutschland dieses schöne Urteil, dass Rechnungen, die nicht in Deutsch geschrieben sind, nicht bezahlt werden müssen. Darauf hat die Telekom wieder auf Orts- und Ferngespräche umgestellt.

    Die akademischen Linguisten betrachten die Tätigkeit Ihres Vereins sehr skeptisch.

    Ja, klar, weil wir uns erlauben zu sagen, dass uns etwas nicht gefällt. Die Mehrheit der Linguisten glaubt immer noch, dass die Sprachwissenschaft eine positive Wissenschaft ist, die nur zu beschreiben hat, was ist, und sich jedes wertenden Kommentars zu enthalten habe. Es gibt aber durchaus Abweichler. Harald Weinrich, der wohl bekannteste lebende deutsche Philologe, ist auf unserer Seite.

    Der Linguist Rudolf Muhr wirft Ihnen «deutschtümelnde Absichten» vor.

    Unser Sprachverein zählt 30 000 Mitglieder. Dass da einige Deutschtümler dabei sind, kann ich nicht widerlegen. Aber die sprechen auf keinen Fall für die Mehrheit. Gehen Sie mal auf unsere Netzseiten...

    Hab ich gemacht. Ottmar Hitzfeld ist auch Mitglied ...

    Eben, dem nächsten Nationaltrainer der Schweiz kann man sicher nicht Deutschtümelei vorwerfen (lacht).

    Ihr Verein besteht seit 1997. Wie erfolgreich sind Ihre Bemühungen, unnötige Anglizismen zu beseitigen?

    Sehr erfolgreich sind die Bemühungen in der Werbung. Das ist allerdings nicht allein unser Verdienst. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Grossteil der Leute die englischen Slogans gar nicht versteht. Seither sind fast alle neuen Werbesprüche wieder in der Landessprache.

    Wo hatten Sie keinen Erfolg?

    Eine Katastrophe ist es an den Universitäten. Hier glauben viele Kollegen, ihre Weltoffenheit dadurch ausdrücken zu müssen, dass sie ausschliesslich Englisch sprechen – selbst wenn nur Deutsche im Raum sitzen.

    Walter Krämer, 59, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Uni Dortmund, gründete 1997 den Verein Deutsche Sprache, dem er seither vorsteht. Er ist
    u.a. Ko-Autor des Lexikons der populären Irrtümer.

    ---
    Ich fasse mal zusammen: Krämer hält Menschen, die englisch sprechen, allesamt für Wichtigtuer und Verschleierer (er hat nicht die Englisch-Muttersprachler ausgenommen). Krämer hält Anglizismen (also englische Vokabeln im Allgemeinen) für hässlich. Krämer (seines Zeichens Wirtschaftsstatistiker) kann nicht rechnen: Wenn mein Wortschatz 10000 von 300000 Wörtern umfasst, dann dürfte er auch nur 200 von 6000 Anglizismen umfassen. So aber sähe seine "Gefahr", seine "Anglizismenflut" etwas lächerlich aus. Wie sagte schon Goebbels: "Ich trraue keinerr Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe!"...

  • Anna Katharina Eißel: „Do you like Denglisch?“: customer relationship manager, out door snacking, e-mail-Anglizismen und Amerikanismen in der deutschen Sprache

    # Autor: Anna Katharina Eißel
    # Fachbereich: Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
    # Kategorie: Hauptseminararbeit
    # Institution: Universität Hamburg
    # Jahr: 2004
    # Seitenzahl: 28
    # Note: 1,3
    # Veranstaltung: Seminar II: Neuere Arbeiten auf dem Gebiet der Linguistik mit Schwerpunkt Pragmalinguistik
    # Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
    # Archivnummer: V79418



    Leseprobe:

    1. Einleitung

    Wie viele Anglizismen im gegenwärtigen Deutsch gebräuchlich sind, ist schwer zu ermitteln, ständig kommen neue hinzu (und manche ältere – beispielsweise veraltetes Modewortgut – oder flüchtige fallen weg). Entsprechende Lexika können aus diesen Gründen zwar nie die korrekte Anzahl der im wirklich Sprachgebrauch benutzten Wörter auflisten, dennoch möchte ich hier ein Zahlenbeispiel anführen.
    Das „Anglizismen-Wörterbuch“1 listet ca. 3.500 Anglizismen auf (unter Verwendung von rund 100.000 Belegen aus deutschen Zeitungen, Zeitschriften und deutscher Literatur). Diese Zahl mutet noch verhältnismäßig klein an, angesichts der wahrnehmbaren Allgegenwärtigkeit an Wörtern englischen Ursprungs in unserem allgemeinen Sprachgebrauch. In verschiedenen Bereichen der Sprachpraxis scheinen sie allerdings häufiger verwendet zu werden: z. B. in der Jugendsprache, in der Sprache der Werbung, in den Bezeichnungen neuer Technologien, in Berufsbezeichnungen, v. a. der Medienbranche.
    Was überhaupt ist „Denglisch“ im Unterschied zum „Anglizismus“? Im „Wörterbuch überflüssiger Anglizismen“2 findet man folgende Definition: „Der Begriff „Denglisch“ umschreibt Wörter, die deutsche Erfindungen (Handy, Wellness etc.) oder ein Gemisch beider Sprachen (abtörnen, versnobt etc.) sind.“ Der Terminus „Anglizismus“ umfasst ein breiteres Feld an Wörtern, so beschreibt ihn ein herkömmliches Lexikon3 knapp als „Englische Ausdrucksweise in einer anderen Sprache.“ Und auch das Fremdwörterbuch der Duden-Reihe4 findet oder braucht kaum mehr Wörter: „Übertragung einer für das britische Englisch charakteristischen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache.“

    Das „Anglizismen-Wörterbuch“5 hingegen definiert den Begriff Anglizismus nicht als Entlehnung aus dem von vorneherein „Englischen“, sondern klassifiziert ihn als allgemeine Überkategorie der Britizismen, Amerikanismen und Kanadismen. Im Folgenden werde ich zunächst einen allgemeinen, nicht auf das Englische, bzw. Amerikanische allein bezogenen, historischen Abriss der sprachlichen Fremdeinflüsse auf das Deutsche geben, verschiedene geschichtliche Perioden fremder Spracheinwirkungen aufzeigen, um das Thema der Hausarbeit quasi einzubetten. Darauf folgt ein definitorischer Exkurs über die Terminologien Erb-, Lehn- und Fremdwort, sowie die Kategorie der Lehnbildung bzw. Lehnprägung, um im dritten Kapitel, vor Allem anhand von wissenschaftlichen Texten, das eigentliche Thema wieder aufzugreifen, weiter einzukreisen und genauer zu untersuchen. Daran anschließend möchte ich die zur Überfremdung der Sprache gegenläufige, wenn auch weitaus weniger mächtige Tendenz des Sprachpurismus, wie er jahrhundertlang von vielen Sprachgesellschaften gefordert und praktiziert wurde, beleuchten. Das fünfte Kapitel will einen Ausblick auf die sprachlichen Verhältnisse in einem anderen Land geben, in dem es kurz die französische Sprachpolitik darstellt. In meiner Schlussbetrachtung beschäftige ich mich kritisch mit dem Für und Wider fremder Worte im allgemeinen Sprachgebrauch.

    2. Hauptteil

    2.1. Geschichte der fremdsprachlichen Einflüsse auf das Deutsche

    Die scheinbare Überschwemmung der deutschen Sprache durch fremde Wörter ist kein Syndrom neuerer Zeit – im Laufe seiner Geschichte wurde das Deutsche einhergehend mit der kulturgeschichtlichen Entwicklung des deutschen Sprachraums immer wieder durch Fremdwörter beeinflusst und erweitert (ob unterwandert, entstellt oder bereichert steht zur Diskussion und scheint zudem von Wort zu Wort verschieden). Die folgende Übersicht zeugt von den Wellen einstig einströmender Fremdwörter und damit zugleich von den früheren bis heutigen interkulturellen Beziehungen zwischen dem deutschen und fremden Sprachräumen. Die verschiedenen Entlehnungsperioden in den germanischen, bzw. deutschen Wortschatz spiegeln, um es mit Antje Stedje6 zu sagen „Kriege und historisches Geschehen, Ideologien, Moderichtungen, Kulturwandel, wissenschaftliche und technische Entwicklung“.

    ...

  • RBB - Leben für Allah
    09.02.2008, 18.02-18.30 Uhr

    Ein deutscher Imam in Berlin

    Als 15-Jähriger verbrachte er seine Tage mit Haschischrauchen und drohte in der Schule zu scheitern. Sein irakischer Vater schickte ihn nach Ägypten, wo er den Islam kennenlernte. Seine polnische Mutter hatte ihn christlich-liberal erzogen. In Ägypten faszinierte ihn der Islam mit seinen klaren festen Regeln. Heute ist Ferid Heider mit 28 Jahren der jüngste Imam in Berlin. In zwei Moscheen im Wedding und in Neukölln ist er für die religiöse Weiterbildung der Konvertiten und die Erziehung Jugendlicher zuständig. Er predigt und unterrichtet in einer Sprache, die junge Muslime inzwischen besser verstehen als Arabisch oder Türkisch: Deutsch. Anders als die meisten seiner Kollegen, die aus den Heimatländern nach Deutschland entsandt werden, kennt Ferid Heider den Alltag der Jugendlichen: Probleme in der Schule, keine Perspektive am Arbeitsplatz. Mit dem Koran und daraus abgeleiteten klaren Regeln versucht Ferid Heider sie vor dem zu bewahren, was auch ihm gedroht hatte: Abrutschen in die Kriminalität. Strenge Religiosität als letzte Rettung? Die renommierte Filmemacherin Margarethe Steinhausen hat sich in den letzten Jahren auf das Thema Islam und Integration konzentriert und war unter anderem die Autorin von zwei viel beachteten ARD-Filmen über junge Muslime: "Ehre - Stolz - Scham" über muslimische Mädchen und "Prinz - Pascha - Prügelknabe" über muslimische Jungen.

    Wiederholung: 11.02.2008, 09.45 Uhr

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Geschlecht: männlich
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