Guten Tag. Einige kennen vielleicht meinen Namen, ich war früher (und werde wieder) im Forum des VDS aktiv und habe wieder die Möglichkeit, im Internet unterwegs zu sein, werde auch hier mit Interesse weiter lesen.
Aber kurz, ich bin englischer Muttersprachler und seit 6 Monaten in Zürich nachdem ich fast 2 Monate in Deutschland war, Deutsch habe ich aber während meines Studiums als Fremdsprache gelernt, nicht im deutschsprachigen Raum.
Neulich habe ich in den Nachrichten bei einem privaten Radiosender in Zürich "Gemäß eines Berichtes..." gehört. (Die Nachrichten werden auf Hochdeutsch gesendet, obwohl viele, die zu Wort kommen Dialekt sprechen und andere Meldungen im Zürcher Dialekt gesendet werden.)
Ich habe gelernt, dass man "gemäß" mit dem Daziv verwendet, also "gemäß einem Bericht", und nachdem ich gesehen habe, dass es laut dem Duden und dem Wahrig Wörterbuch auch so ist, habe ich angenommen, dass das halt ein Fehler war.
Aber ein Freund von mir aus Deutschland hat mir gesagt, dass das (gemäß eines Berichtes) eigentlich doch richtig ist. Und das meinen sicher auch die Leute beim Sender.
Deshalb meine Frage: was lernen Schüler in Deutschland zu diesem Punkt, kommt es oft vor, dass man "gemäß" mit dem Genitiv verwendet, und wenn einer das tut, klingt es für euch deutsche Muttersprachler richtig?
Im letzten Beitrag des Themas "Mundarten in Deutschland" im Forum "Klartext" ist Folgendes zu lesen:
"...Es wird auch damit zu tun haben, daß Eltern Ihre Kinder sehr bescheuert erziehen. Sie selbst, die Eltern, sprechen breitesten Dialekt, den Kindern wird aber auferlegt hochdeutsch zu reden. Es mag es für die Kinder einiges einfacher machen, doch halte ich es schlichtweg für falsch."
Das ist nicht das erste Mal, dass ich eine spezifische Meinung zu Änderungen der gesprochenen Sprache in (Teilen von) Deutschland gelesen habe.
Mich würde interessieren, wie oft und in welchen Teilen Deutschlands es heutzutage öfter (also nicht nur in Einzelfällen) vorkommt, dass Kinder bewußt Hochdeutsch oder beuwßt den Dialekt des Orts oder der der Eltern lernen sollen. Also, "beuwßt" im Sinne, Eltern und evtl. Lehrer und andere am Wohnort dafür sorgen wollen, dass Kinder nicht unbedingt so sprechen wie die Eltern, weil entweder Hochdeutsch oder Dialekt geschätzt sind in einer Weise, dass es erwünscht ist, dass Kinder nicht so sprechen wie die Eltern und/oder wie im Wohnort sonst üblich.
Die Gründe würden mich auch interessieren. Werden mancherorts in Deutschland Dialekte geschätzt weil sie sonst aussterben könnten oder aus anderen Gründen? Wird Hochdeutsch (oder eine gesproche Sprache, die diesem gezielt ähnlich ist) mancherorts mehr geschätzt als Dialekt und wenn schon, warum?
Anders gesagt, im Wikipedia-Artikel über Blerinerisch steht u.a. "Durch die allgemein weitgehende Verwendung von Begriffen des Hochdeutschen gab es bis heute keine Notwendigkeit für einen schriftlichen Gebrauch und das Berlinern bleibt eine Mundart, was allerdings wohl auch darauf zurückzuführen sein wird, dass Berlinern vor allem innerhalb der Region selbst stets als Dialekt der einfachen Leute verpönt war, und sich die Bildungsschicht davon distanzierend stets um einwandfreies Hochdeutsch bemühte."
Inwiefern und in welchen Regionen Deutschlands passiert es heutzutage, das Änderungen der gesprochenen Sprache (Dialekt, Hochdeutsch, Mischung oder Tendenz von der einen Form zu einer neuen) bewußt aufgrund einer Einstellung zur Sprache stattfinden, statt wie immer in der Geschichte aller Sprachen "halt so" aufgrund verschiedener anderen Faktoren?
In München gibt es eine "High End HiFi Messe", dort kann man Geräte höherer Qualität zum Abspielen von Musik sehen und kaufen. Wie würde man am besten "high end" und "hifi" auf Deutsch sagen um diese englischen Wörter in deutschen Texten zu vermeiden?
Mich würde interessieren, warum bestimmte Substantive ein bestimmtes Geschlecht haben, insofern dass das in verschiedenen Fällen bekannt ist oder es weitere Quellen mit Informationen darüber gibt, denn viel darüber habe ich nicht gefunden.
Zum Beispiel, alle Wörter, die auf -ung, -heit und -keit enden, sind weiblich. Warum?
Warum heißt es der Hund und die Katze? Warum die Sonne und der Mond und auf Französisch umgekehrt?
Warum sind "der Haus" oder "die Haus" falsch? Eher, als es das Wort Haus in der modernen Form, oder einer der modernen Form ähnlichen Form, erstmal gab, kam es irgendwie dazu, dass es das Haus heißt. Die Gründe für sowas würden mich interessieren.
Warum haben verschiedene Flüsse verschiedene Geschlechte? Auch eine Frage aus diesem "Sprachbereich".
Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine. Es geht um die historischen Entwicklungen, die zu den Geschlechten der Substantive geführt haben, die heutzutage im Hochdeutschen richtig sind.
Im fränkischen Dialekt gibt es den Ausdruck "dreiviertel sieben" und gemeint ist 6:45, was ich falsch verstanden hätte.
Mir wurde gesagt, dass das (auch) richtiges Hochdeutsch ist, was ich bezweifle. Wie auch "viertel sieben", 6:15.
Sind diese Formen in der hochdeutschen Schriftsprache richtig? Wenn schon, sollen die Wörter getrennt oder zusammen geschrieben werden? Werden die Ausdrücke von Muttersprachlern sowieso im ganzen Sprachraum allgemein richtig verstanden?
Ich hätte gedacht, nur "sechs Uhr fünfünudvierzig" und evtl. "viertel vor sieben" wären richtig, wenn es um Hochdeutsch geht.
Diese Umfrage wurde im VDS-Forum erwähnt. Hier: http://www.equestionnaire.de/?q=4009 kann man sehen, worum es geht, falls es jemanden hier interessiert.
Nach französischem Vorbild wollen jetzt auch die Slowaken ihre Muttersprache in den heimischen Medien schützen. Ein neues Gesetz, das im Januar in Kraft tritt, fängt beim Fernsehen an und verbietet kurzerhand fremdsprachige Filme. Die Sender befürchten immense Folgekosten.
Quelle und ganzer Bericht zum Lesen oder Herunterladen:
In der Sendung "Studiozeit" im Deutschlandfunk gab es heute einen interessanten Beitrag zum Thema "Sprache und Denken". Interessant wäre, was die Forumsteilnehmer dazu meinen. In anderen Fäden kam das Thema kurz vor. Bericht: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/studiozeit-ks/753666/
Vor 30 Jahren "Zwischen Blatt und Blume - Das Elsass"
Zeitgeschichtliche Reihe. "Das Münster schreit um Hilfe in die Nacht. Niemand hat es gehört und kein Mensch hat es gemerkt. Das Elsaßland ist todeskrank", singt Roger Siffer, der Liedermacher, der heute schon in Paris, London oder Texas elsässisch singt. Außerdem etabliert sich Cäsar im Elsass; Gottfried von Straßburg schreibt Tristan und Isolde auf Deutsch; Martin Bucer, der Reformator des Elsass, stören im Gottesdienst bellende Hunde; Voltáire empfindet das Elsass als ein schönes Sanatorium und kauft sich einen Weinberg in Riquewihr bei Colmar, - das alles wird szenisch dargestellt von Germain Muller, Bürgermeister von Straßburg und Altmeister des elsässischen Kabaretts.
Weiter erklärt Toni Ungerer, warum der Elsässer ein Chamäleon ist und warum er sich wiezwischen Blatt und Blume fühlt. Theaterautor René Ehni erzählt, warum der Elsässer der letzte Deutsche und der beste Franzose ist. Martin Graff, selbst Elsässer, führt durch die wechselhafte Geschichte dieses Landes. Zwischen Blatt und Blume: einneuer filmischer Versuch, das Elsass zu verstehen, zu beschreiben und zu fühlen, von Cäsar bis heute. Zwischen Blatt und Blume: auch eine elsässiche Art, Filme zu machen.
Ich wollte einen Fehler in einem meiner Beiträge korrigieren (ein fehlendes Wort hinzufügen) und ein nicht gut formatiertes Zitat richtig formatieren. Ich bekam die Meldung:
In Antwort auf:Das nachträgliche Bearbeiten von Beiträgen ist in diesem Forum nur für eine gewisse Zeit möglich.
Der Beitrag ist vier Tage alt. Wie lange hat man, Fehler zu korrigieren, wenn man, wie ich in diesem Fall, beim Schreiben nicht ausreichend aufgepasst hat? Ich vermute 24 Stunden?
Danke für die Antworten. Dass man "laut" mit dem Genitiv verwenden kann, ist mir auch neu, scheint aber wesentlich öfter vorzukommen.
Die Sendung in der ich "gemäß eines Berichtes" gehört habe, war eine hochdeutsche Nachrichtensendung, dort sagen die auch "wegen des Wetters" zum Beispiel. Fast alle andere Meldungen, wie auch der Wetterbericht usw., sind auf Dialekt, also ohne Genitiv.
Das bei Ebay finde ich auch nicht gut, natürlich macht jeder Mensch ab und zu Fehler, das ist eben menschlich, aber ich finde, die Sprache sollte richtig gelernt werden.
Danke für die weiteren Antworten. Ich werde also beim Dativ im Zusammenhang mit "gemäß" bleiben.
Guten Tag Contravaniloquentiam, ja ich werde weiter hier bleiben und mitlesen. Schön, wieder von Ihnen zu lesen. Mich interessiert immernoch die deutsche Sprache, vor allem jetzt weil ich im deutschen Sprachraum bin. Interessant, dass "trotz" mit dem Dativ auf Hochdeutsch früher normal war. Wissen Sie, wann und warum das sich in der Standardsprache geändert hat? Vielleicht könnte es in der Zukunft "trotzdessen" statt "trotzdem" heißen (wie "deswegen" und nicht "demwegen"). Langsam glaube ich, alles was mit Präpositionen und Kasus zu tun hat zu verstehen, wir haben eben auch früher über dieses Thema diskutiert, aber ab und zu höre ich (auf Hochdeutsch) etwas, was mir wieder nicht klar ist oder mir neu ist. Übung macht den Meister. ;)
Danke für die Antworten. Schamane, gibt es auch Leute, die den Ruhrdialekt sprechen können, die ihn wegen seines Rufs mit Absicht nicht mehr sprechen, oder nur eher zu Hause, außerhalb des öffentlichen Lebens sprechen? Wenn Sie sagen, Sie sind einer der Letzten, der den Dialekt spricht, meinen Sie überhaupt, also dass jüngere Leute den Dialekt nicht sprechen könnten, oder sie könnten es zwar im Privatleben (Familie, Freundeskreis), aber in Ihren Beispielen würden sie es trotzdem nie tun?
Fritz-Franz, der Prozeß, den Sie beschrieben haben ist aber anders im Sinne, die Änderungen des Dialekts haben unbewußt bzw. ohne Absicht stattgefunden oder? Also die Leute aus Kantonen wie Schwyz die nach Zürich, Basel, Bern usw. umgezogen sind haben nicht mit Absicht versucht, die Dialekte der neuen Wohnorte zu sprechen? Und in keinem Fall wird gezielt Hochdeutsch statt Dialekt gesprochen.
Das Ruhrgebiet ist eine Region, die mich eigentlich sehr interessiert, unter anderem weil ich ein Großstadtmensch bin und dort gibt es viele Städte die aneinander grenzen, also eine große Metropole. Ich habe auch Informationen des Regional Verbandes Ruhr gelesen (Statistik und über Strukturwandel, dort geht es nicht um Sprache). Es ist interessant, dass die Größe des Raums nicht eine Rolle beim Verschwinden des Dialekts gespielt hat (Mischung verschiedener Dialekte, Zuzüge, und modernes städtisches Leben usw.).
In Antwort auf:...Dort hätte der Dialekt ihn benachteiligt, also legte er ihn ab und sprach nur Hochdeutsch, wenn auch mit einigen lokalen Einsprengseln, auch zu Hause, um seinen Kindern ein Vorbild zu geben...
Ist es dann ausschließlich so, dass das Verschwinden des Dialekts mit der negativen proletarischen Einstellung zu tun hat - und damit nicht auch mit einer positiven Einstellung zum Hochdeutschen?
In Antwort auf:Aber wie ich schon sagte, für den Dialekt kommt das zu spät, der ist mit dem Strukturwandel seit der Kohlenkrise in den 60ern zusammengeschrumpft wie die Zechenlandschaft und die Stahlindustrie......Das hätten sie auch früher nicht tun sollen, dann wäre die Situation jetzt ander
Also auch im Sinne, im modernen Ruhrgebiet nach dem Strukturwandel wird es für gut gehalten, Hochdeutsch zu sprechen unabhängig davon, dass der Dialekt als prollig und von gestern gilt und der Dialekt würde sonst immernoch aber langsamer verschwinden, oder eher, Leute würden ihn heute noch so wie vor einigen Jahrzehnten sprechen.
Ich nehme an, andere deutsche Muttersprachler, zumindest aus NRW, merken immernoch, wenn einer aus dem Ruhrgebiet, oder beispielsweise Düsseldorf oder Münster ist, also trotz Übernahme der Mediensprache bleiben Merkmale in der Aussprache?
Aber Fritz-Franz, wenn Sie mit Schweizern telefonieren, sprechen Sie eben Dialekt, die Person am anderen Ende der Leitung auch. Also, obwohl Dialekte sich vermischen und obwohl man vor allem in Städten verschiedene Dialekte hört, keiner spricht freiwillig als Normallfall Hochdeutsch, wie Sie gesagt haben, die Tendenz ist umgekehrt als im Beispiel des Ruhrgebiets. Und beide Sprachvarianten werden getrennt, man spricht also entweder Dialekt oder Hochdeutsch, nicht eine Mischung der beiden wie es bei manchen Leuten mancherorts in Deutschland und Österreich passieren kann.
In Antwort auf:Bemerkenswert in diesem Zusammenhang erscheint mir die Tatsache zu sein, daß die Betreiber der sprachlichen Globalisierung (von Deutsch über Denglisch zu Englisch) sich als besonders „heimatverbundene“ Menschen gebärden. Ich kann nicht anders, als diese Menschen für schizophren zu halten.
Das find eich komisch. Wer heimatverbunden ist, müßte eher darauf pochten, dass die Sprache der Heimat (egal welche Sprache in welchem Land und ob Dialekt opder Standardsprache) "rein" bleibt und sich nicht durch Globalisierung ändert.
Aber ich glaube, in schweizerischen Dialekten kommen nicht weniger Denglisch/englischen Wörter vor als im Hochdeutschen, der Dialekt wird also schon beeinflußt obwohl jeder weiterhin Dialekt spricht.
Die Beispiele des Ruhrdialekts hier finde ich interessant. Ich verstehe auch die Mehrheit, was aber natürlich nicht heißt, dass ich die Zitate im gesprochenen Dialekt verstehen würde.