In Antwort auf:Wie es mir erscheint, gehoert vor allem der muslimische Glauben der Tuerkei den allerschwierigsten Stolpersteinen vor ihrem Beitritt der EU, vielleicht ebenso gravierend, ihre Todesstrafe, die in keinem EU-Mitgliedsstaat erlaubt wird. Dies abgesehen von der Sprachdebatte der Forumrubrik "Tuerkisch als EU Amtssprache?" Meiner Ansicht nach haengt der Vorbehalt, die Tuerkei beitreten zu lassen, weniger von der Sprache als vom Glauben ab. Wenn die Tuerkei doch endlich EU-Mitglied, dazu deren Landessprache eine EU-Amtssprache, wird, dann ist sie der einzige nicht-christliche Mitgliedstaat in der Geschichte der Europaeischen Union
Merlot
Vorab sei gesagt, daß ich mir zum Beitritt der Türkei zur EU noch keine endgültige Meinung gebildet habe, tendenziell aber eher dagegen bin, wenn ich dies auch in erster Linie gefühlsmäßig und weniger rational begründen könnte.
In diesem Sinne: Die Türkei versteht sich als laizistischer Staat, ebenso wie Frankreich (Beispiel: Religiöse Symbole - oder solche, die dafür stehen können, z.B. das Kopftuch - sind in beiden Ländern im öffentlichen Raum verboten). Darf man dann gerechterweise die Türkei anders behandeln als Frankreich? Wie stellt sich die Frage dar, wenn Bosnien-Herzegowina oder Albanien einen Mitgliedsantrag stellen? Oder sind diese Länder auch schon allein deswegen nicht aufnahmefähig, weil es keine christlichen Länder sind?
Wenn der Annan-Plan von den griechischen Zyprioten angenommen worden wäre, wäre der türkischsprachige Norden Zyperns jetzt auch in der EU. Die Landessprachen sind sowohl Griechisch als auch Türkisch. Mit welchem Argument hätte man hier Türkisch als EU-Sprache verhindern wollen? (Diese Frage wird sich mit Sicherheit irgendwann erneut stellen - selbst wenn die Türkei kein EU-Mitglied wird - denn man kann nicht davon ausgehen, daß ein Land auf immer geteilt bleibt...)
So ein Schwellenwert könnte aber nur ein prozentualer sein, und dann wäre das System immer noch nicht gerecht. So gäbe es aufgrund der eingewanderten 10 Mio. Chinesen vielleicht eine EU-Sprache Chinesisch - obwohl China nicht in der EU ist - und Sprachen wie Maltesisch, Dänisch, Estnisch, Slowenisch usw. wären keine EU-Sprachen, obwohl die entsprechenden Länder EU-Mitglieder sind. Futuristisch gedacht könnte es dann dazu kommen, daß die EU-Sprachen irgendwann Chinesisch, Arabisch und Russisch sind, auch wenn keine dieser Sprachen eine EU-Nationalsprache ist.
In Antwort auf:Warum kein absoluter Schwellenwert, etwa festgemacht an der kleinsten EU-Nationalsprache? Das wäre um die 400.000 (Maltesisch).
Das wäre denkbar. Ich kenne mich mit den ganzen Minderheitensprachen nicht aus, aber dann käme sicher ein ganzer Schwung an neuen EU-Sprachen dazu. Ob das noch praktikabel (und bezahlbar - ich denke an die ganze EU-Bürokratie) ist?
In Antwort auf:Ich war drüben schon seit einiger Zeit eine alte Häsin, seit kurzem aber bin ich dort ein "-" (Quer-, Binde-, Gedanken-, Ergänzungsstrich, Minuszeichen?). Frage: Ist das nun ein Aufstieg oder ein Abstieg?
Als ich das sah, hatte ich noch viel deprimierendere Assoziationen.
Ich finde solche "Rangabzeichen" ziemlich unwichtig; was mir nur äußerst mißfällt, sind militärische Rangfolgen in unmilitärischen Zusammenhängen. Aber daß solche Vorschläge kommen, ist naheliegend. Naheliegend wären auch Inspektor, Oberinspektor, Hauptinspektor... (deutsche Beamte mögen hier ergänzen, ich kenne mich da nicht so aus).
Ein nicht ganz zu vernachlässigender Aspekt ist, daß offenbar inzwischen viele - auch wissenschaftlich arbeitende - Menschen meinen, ohne Bibliotheken auskommen zu können, da man sich ja die neuesten Informationen jederzeit bequem aus dem Internet holen könne.
Mich hat in der Arbeit mal eine Studentin angerufen und mich nach Informationen zu einem bestimmten Thema gefragt, da sie im Internet nichts finden konnte. Ich fand diese Frage sehr seltsam, und ich habe sie dann darauf aufmerksam gemacht, daß es an ihrem Studienort Köln sicher eine großartig ausgestattete Bibliothek gibt, die nur auf ihren Besuch warte. Auf diese Möglichkeit war sie selbst noch gar nicht gekommen. Ohne jegliche Ironie lautete ihre begeisterte Antwort: "Das ist eine gute Idee, das mache ich sofort."
Bei zurückgehender oder fehlender Nachfrage ist es schwer für die Bibliotheken, der Stadt, dem Land oder sonstigen Träger Geld für Neuanschaffungen, Buchpflege oder Personal zu entlocken. Und wenn die Öffnungszeiten immer mehr reduziert werden oder nur noch alte Schinken aus den Achtzigern dort stehen, geht auch niemand mehr hin. Ein Teufelskreis.
... habe ich gerade erst entdeckt (sehe mich halt noch ein wenig um) - also auch von mir ein fröhliches "moin" (oder "Moin"?), wenn mir dieser Ausdruck auch etwas schwer über die Tasten kommt.
In Antwort auf:Da wohl jeder seinen Benutzernamen-Wunsch erneut abgibt, tue ich das auch und schließe mich erneut Erika Ciesla an.
1. Gehilfe 2. Lehrling 3. Geselle 4. Meister
Mir gefällt das bisher am besten, wenn eine Rangfolge schon unbedingt sein muß (ich bin im Prinzip dagegen). Allerdings bitte ich zu berücksichtigen, daß der Lehrling üblicherweise noch unter dem Gehilfen steht, weil er derjenige ist, der am Abend die Werkstatt fegt.
Wieso römisch und wieso Militär? Was hat das mit diesem Forum zu tun? Oder ist mir was entgangen?
Ebenfalls ein herzliches Schalom. Ich glaube, für Erika wurde das falsche E gewählt, ich hätte das Э genommen, sonst wird aus Erika eine Jerika. Und wird Ciesla wirklich wie Tschjeschla ausgesprochen?
schön Sie bei uns zu sehen! In welchem Bereich haben Sie studiert/studieren Sie, auf den Ihre These zutreffe? Für den Bereich der Geisteswissenschaften einschließlich der Geschichte kann ich Ihnen versichern, daß Ihre These unhaltbar ist. Viele Standardwerke sind uralt, nicht neu aufgelegt.
Gruß, CVL
Jessas, jetzt hätte ich vor lauter römischen Rangfolgen und altdeutschen Handwerkern beinahe die Bibliotheken vergessen. Vielen Dank erstmal für die freundliche Begrüßung.
In "meinem" Bereich, den Naturwissenschaften, ist es selbstverständlich auch so, daß allgemeine Grundlagen sich selten überlebt haben und es auch noch einige alte Standardwerke gibt; aber sofern man sich mit Forschung beschäftigt (ich leider nicht), dann ist gelegentlich schon Literatur aus den Neunzigern veraltet. Ich darf hier die "Treibhausgase" anführen, die im größeren Umfang seit Anfang der achtziger Jahre erforscht werden. Damals wurde die Rolle der Ozeane als Kohlendioxidsenken gar nicht berücksichtigt, aus neuester Sicht wurde sie in den Neunzigern überbewertet. Man darf gespannt auf die nächste Theorie sein.
In den historischen Wissenschaften, zu denen ich auch Archäologie, (teilweise) Geologie und Paläontologie zählen würde, hält sich die Anzahl neuer Erkenntnisse vielleicht in Grenzen. Ich denke aber schon, daß es auch hier gelegentlich Neubewertungen gibt und Fragestellungen betrachtet werden, die bisher vernachlässigt wurden. Bitte berichtigen Sie mich, wenn das falsch sein sollte, aber ich habe den Eindruck, daß beispielsweise die Behandlung der "kleinen Leute" im Rahmen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erst in den letzten 15-20 Jahren modern geworden ist, wohingegen zuvor die Geschichte fast ausschließlich als vergangene Politik betrachtet wurde. Kurzum: Der Anteil bedeutsamer älterer Literatur mag in den einzelnen Disziplinen schwanken, aber auf neue Literatur kann wohl kein Fachgebiet verzichten.
Bei meinem Verweis auf darbende Bibliotheken und die möglichen Folgen hatte ich in erster Linie an Stadtbibliotheken gedacht, mit einem konkreten Beispiel im Hinterkopf. Bei uns sollte eine Stadtteilbibliothek geschlossen werden, mit Hinweis auf die allgemeine finanzielle Situation und die Nachfrage in speziell dieser Bibliothek. Leider befindet sich diese Bibliothek in einem Stadtviertel, dessen Bevölkerung man zum Großteil als "sozial benachteiligt" bezeichnet; die Idee war also nicht sonderlich konstruktiv. Erst nach einem Bürgerentscheid wurde erreicht, daß alle Stadtteilbibliotheken erhalten bleiben. Aber wenn sich niemand dafür interessiert, was ihn nicht persönlich betrifft?
Auch wenn Wiki nicht immer als seriös gilt (Auszüge):
"1934 bis 1937 war Filbinger Mitglied der SA und 1933 bis 1936 des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB). 1935 veröffentlichte er in einer katholischen Studentenzeitschrift einen Aufsatz, der Elemente der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts- und Rassenideologie übernahm. Gleichwohl stellte Generalstaatsanwalt Emil Brettle im Januar 1937 dem Kandidaten Filbinger bei der Vorstellung zum ersten juristischen Staatsexamen eine Zulassung zum zweiten Examen erst dann in Aussicht, wenn die aktenkundigen politischen Beanstandungen ausgeräumt wären. Filbinger trat im Frühjahr 1937 der NSDAP bei und begann damit die Referendarsausbildung. 1940 wurde Filbinger zur Marine eingezogen und erreichte 1943 den Dienstgrad eines Oberfähnrichs zur See. Kurz vor der Beförderung zum Leutnant wurde er zur Militärjustiz abkommandiert - gegen seinen Willen, wie er selbst nachträglich darstellte. ...
Im Frühjahr 1943 wurde Filbinger als Stabsrichter zur Militärjustiz der Marine abkommandiert. Filbinger war insgesamt an ca. 230 Marinestrafverfahren beteiligt. In sechs Fällen wurde dabei die Todesstrafe verhandelt. In zwei Fällen fungierte Filbinger als Vertreter der Anklage und in zwei Fällen als Vorsitzender Richter. Er war Ankläger in einem Verfahren gegen einen Plünderer, der 1943 zum Tode verurteilt wurde. Das Todesurteil wurde wegen der von Filbinger beigesteuerten entlastenden Dokumente nicht vollstreckt. Beim Fahnenfluchtverfahren gegen den 21-jährigen Matrosen Walter Gröger wurde Filbinger erst am Tag der Hauptverhandlung Ersatzmann des Anklagevertreters. In einem ersten Verfahren war Gröger zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden. Generaladmiral Otto Schniewind als Gerichtsherr wies allerdings die Anklagevertreter an, die Todesstrafe zu verlangen. Das Gericht verurteilte Gröger auf Antrag Filbingers zum Tode. Einen Begnadigungsantrag lehnte Admiral Dönitz ab und verfügte die Vollstreckung, die Filbinger für den 16. März 1945 ansetzte, wobei er als „Leitender Offizier“ das Exekutionskommando zusammenstellte und den Feuerbefehl gab. ... Mindestens das Urteil gegen Gröger wurde jedoch nachweislich vollstreckt. Filbinger hatte zudem am 1. Juni 1945, vier Wochen nach Kriegsende, einen Oberleutnant namens Petzold wegen Entfernens von der Truppe zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt."
Ich bezeichne solche Leute auch als Erbschleicher. Man muß ja nicht warten, bis die Goldgrube dahingeschieden ist. Mir gefällt dabei der sarkastische Unterton.
Ich korrespondiere beruflich mit Menschen u.a. aus Japan, China, Indien, den Arabischen Emiraten und dem Iran - dies tun wir in der Regel auf Englisch, bzw. das, was wir dafür halten. Hier geht es nicht um korrekte Grammatik oder geschliffenen Stil, sondern darum, daß wir dem jeweils anderen begreiflich machen, worum es in der konkreten Sache geht. Englisch ist Mittel zum Zweck, weiter nichts. Und es funktioniert, wenn damit der Zweck erfüllt wird. Eine weitere Sprache - außer Englisch -, die alle diese Länder miteinander verbindet, fällt mir nicht ein. Ich bin jedenfalls froh, nicht auch noch Japanisch, Chinesisch, Hindi, Arabisch und Persisch lernen zu müssen.
Solche Sätze gibt es wohl, beim zweiten "daß" hätte ich dann aber "so daß" (neudeutsch "sodass", ich lese dann immer mit Schweizer Aussprache "SOdass" wie "MERci") geschrieben - oder noch besser: "Geht es Dir so schlecht, daß Du mir nicht antworten kannst?"
In Antwort auf:Schweizer sprechen mit Schweizern Schwiizerdütsch, das ist klar.
Auch mit Welschschweizern? Ich habe hin und wieder beruflich mit Welschschweizern zu tun und wundere mich immer, daß die mir auf Englisch schreiben. Deutsch fände ich naheliegender und Französisch noch mehr.
In Antwort auf:Für den Ruhrdialekt behaupte ich einmal das folgende: er wird noch mit meiner Generation aussterben. Zum einen steht kein jahrhundertealtes regionales Selbstbewußtsein dahinter, wie etwa hinter dem Oberbayrischen.
Mit dem bayerischen Selbstbewußtsein ist es aber nicht getan. In manchen Gegenden ist die Zuwanderung so hoch, daß es nur noch wenige Alteingesessene gibt, die den ursprünglichen Dialekt sprechen können. Damit meine ich nicht nur München, wo ein bedeutender Zuzug schon seit 100 Jahren gegeben ist, sondern gerade auch kleinere Städte und Gemeinden im Umland, die in den letzten 15-20 Jahren eine enorme Zuwanderung erfahren haben, wie z.B. Fürstenfeldbruck, Freising, Unterhaching, oder wo die Geldigen und Großkopferten ihren Erst-, Zweit- oder Drittwohnsitz hinverlegt haben, z.B. Grünwald, Starnberg, Gauting, rund um den Tegernsee. Mir scheint es so, als gäben sich die "Düsseldorfer" (so nenne ich die "Zuagroasten", auch wenn sie aus Osnabrück oder Magdeburg kommen) im Laufe der Jahre immer weniger Mühe, sich den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen. Vor 20 oder 25 Jahren waren sie sich nicht zu schade, beim Betreten eines Ladens "Grüß Gott" zu sagen, auch wenn sie es in "Düsseldorf" anders gelernt haben. Inzwischen haben sie keine Hemmungen mehr, "gu'n Tach" zu sagen und "Brezeln" und "Brötchen" zu verlangen. Allerdings werden sie mittlerweile auch vom urbayerischsten Verkaufspersonal nicht mehr zurechtgewiesen, weil das "Brötchen" zur Lawine geworden ist.
In Antwort auf:Die letzten noch verbliebenen Einheimischen in den abgelegenen Dörfern mit schöner Aussicht begegnen den Zugewanderten oft mit großem Mißtrauen, ja mit Ablehnung, obschon sie wirtschaftlich von ihnen profitieren. Die von den Zugewanderten entrichteten Steuern vermögen sie nicht über den Zerfall der Dorfgemeinschaft und den Verlust alter Bräuche zu trösten.
Zu diesem Thema habe ich mal ein Buch angefangen zu lesen: Geert Mak: Als Gott verschwand aus Jorwerd. Der Untergang des Dorfes in Europa. Leider ist das schon eine Weile her, aber ich erinnere mich dunkel, wie die schrittweise Entwicklung von einer intakten Dorfgemeinschaft (auch mit aller notwendigen Infrastruktur!) zu einer Schlafgemeinde für Pendler dargestellt wird. Wie allmählich die nachbarschaftlichen Kontakte verschwinden, die Bräuche, die Poststelle, der Lebensmittelladen, das Wirtshaus, die Bäckerei, die Kirche. Aber dafür hat man dann ja das Auto, mit dem man zur Arbeit, zum Einkaufszentrum und ins Grüne (!) fährt.
In Antwort auf:Wäre es nicht für die Urbayer komisch, wenn einer von außerhalb Bayerns der keine beirischen Dialekte spricht "Grüß Gott" sagt, oder, mit Ausnahmen von "Semmel" usw., andere Dialektwörter wofür es etabliterte hochdeutsche Wörter gibt verwendet? Im Sinne, wer aus Bayern ist und selbst normalerweise Grüß Gott sagt und mal die Küste besucht, der sagt eher Guten Tag statt Moin Moin?
Nein, das fände niemand komisch. Es wird ja nicht erwartet, daß Auswärtige Dialekt sprechen, "Grüß Gott" in der hochdeutschen Version geht auch ;-) Es ist einfach nur ein Zeichen, daß man den Einheimischen mit Respekt begegnet, so wie man in Griechenland "kalimera" sagt, auch wenn man sonst kein Griechisch spricht. Daß es in Südbayern "Grüß Gott" und "Semmel" heißt, dürfte allgemein bekannt sein. "Semmel" ist auch nicht schwer auszusprechen - wenn man trotzdem auf seinem "Brötchen" beharrt, zeugt das von Ignoranz.
Ich war mal mit dem Fahrrad in Schleswig-Holstein unterwegs (ich habe mal an anderer Stelle davon berichtet). Wenn mir da jemand "moin moin" entgegengerufen hat, habe ich genauso zurückgerufen - sowas macht doch Spaß!