Ich gehe zur Schule, ich bin 48einhalb und besuche die Gewerbeschule zu Basel, in Deutschland ist es die Berufsschule. Ich leide.
Die Lehrer sagen das Bleistift. Sie radebrechen ein von der Regierung verlangtes Standarddeutsch, ja, so steht es auf DIN-A-4-Blättern, die in den Schulzimmern hängen, daß einem die Haare zu Berge stehen. Sagt mir, daß ich Recht habe mit der Bleistift, sonst glaube ich bald an gar nichts mehr!
Woher das nur kommt? Wieso kommen in der Schweiz die Geschlechter so durcheinander? „Sie bekommen das noch über“, höre ich. Hilfe! Helft!
Ist doch Quatsch. Am Fernsehen kommt es immer wieder vor, bei nachsynchronisierten Sachen, obwohl es im Englischen (das Meiste kommt ja aus den Vereinigten Staaten) nie heißt: You should rather go now. Es ist: You should better go now. Dafür: I’d rather be on the beach. Ich wäre lieber am Strand.
Auch gedruckt die Verwechslung der Personen. Warum sehen das Korrektoren nicht? Sie sollten jetzt besser gehen.
Ich hab’s zuerst am Fernsehen gesehen, zufällig, weil ich als Mann eigentlich keine Kosmetikwerbesendungen verfolge. Man liest es aber auch in den Weiten des Internetzes, und zwar in jeder erdenklichen Form, mit accent grave, mit accent aigu, auf dem letzten e, auf dem zweitletzten. Die von der Firma gepflegte Version ist doch tatsächlich mit gravis auf dem letzten e.
Ich kann das nicht ein Mal aussprechen, obschon mein Französisch nicht so schlecht ist. Sind wir nun so weit, daß jedwede Verhonepipelung salonfähig ist? Mir ist das zuviel Unsinn. Wer hilft mir, die Welt zu verstehen?
Ist der Höhepunkt erreicht? Geht noch etwas mehr? Wann ist es vorbei mit der unglücklichen bis zuweilen falschen Verwendung von hoch?
Es kommt aus dem Englischen, das hohe Verantwortungsbewußtsein, die hohe Einsatzbereitschaft. Groß geht nicht, auch nicht stark oder sonst etwas, das muß alles in die Höhe. Ich habe eben auf der Internetseite einer Firma die hohe Fertigungspalette gesehen. http://www.haas.de/Labor.aspx
Ein hohes Maß, hohe Effizienz, hoch erfreut . . . ?
Ursprünglich Ihre Hoheit, vermutlich. Ach, es ist noch nicht überall Neuzeit.
Habe eine Weile den Notizblock in Reichweite gehabt und während der lästigen Fernsehwerbung zugehört und gelesen:
Neu: erhöhter Wirkstoff Mikrospiegelpigmente Selbstanpassende Kristallstruktur Die Löffelschwungbürste und die Flexhaltformel Flüssige Haarbausteine Dr. Klenck: „In der Tat, . . .“ Faltenlineal Feinste Diamantpartikel Diamantglanzserum Unwiderstehlicher Rindfleischgenuß Millionizer Bürste Vervielfachte Wimpern Von ihrem Geschirr empfohlen Magnum Mini Für Genießer aus Leidenschaft glossy, glossy 24-h-Lippenstift Microflextechnologie Superstay Farbstärketechnologie
Das eklige daran finde ich, wie die Frau für dumm verkauft wird. Wenn Werber sich an Männer richten, kommen sie mit Bauchgefühl, unverfälschtem Geschmack und Das Auto, ein wenig anständiger. Verfassungsrechtlich müßte man die gleichstellungsfeindlichen Sprüche doch verbieten. Der Schwachsinn in der Werbung, vermutlich ein endloses Feld.
Die Ligatur ß entstand aus dem langen s und dem z. Es gab und gibt sie eigentlich immer noch, weil nie irgendwie verboten, auch im Französischen, Italienischen, Englischen, in vielen Sprachen, nein, Schriften, selbstverständlich zunächst in gebrochenen. Dann Antiquae und zuletzt Groteske. Nur Ungebildete wissen nicht, daß es sich um eine Gemeinenligatur handelt. Großbuchstaben und ß, das hat nichts miteinander zu tun. IMBISS, ROSS, fertig.
Vollkommene Idiotie, eine Versalligatur zu suchen, erst recht im Antiqua- oder Grotesksatz. In der Antike, bei den Römern, findet man nirgends einen Zusammenzug von Lettern. Stellt euch vor, am Tempel prangte SERENIßIMVS. Die Grandezza hatte man vor 2000 Jahren noch, zwei schöne runde S nacheinander zu meißeln. Das sz verdanken wir dem wirtschaftlichen Druck auf die Schriftenmacher und Setzer, übrigens auch ck, ch, ff, ss u. a. m.
Immer weniger Leute beherrschen doch auch die Regeln, wo ß zu setzen ist. In dieser Hinsicht sind alle Rechtschreibereformen gescheitert. Die Grundregel ist: Schreibe, wie du sprichst. Ich sage Fuß. Langes u und scharfes s. Ich sage Fluss. Kurzes u und scharfes s. Ich sage Mus. Langes u und stumpfes s (im Gegensatz zu scharf, hihi). Der Schmied arbeitet am Boß.
Brutale Verwirrung! Lesen ist keine Kommunikationsform. commun-ic-are (lat.) heißt gemein machen. Das ist ein Austauschvorgang zwischen zwei Anwesenden. Überall heißt es heute, die Partei hat dies und das kommuniziert, etwas wird vom Management kommuniziert. Völliger Quatsch. Der Parteisprecher hat etwas mitgeteilt oder veröffentlicht. Das Management macht bekannt. Da ist ja kein Gegenüber in einem Gespräch.
Komplexe Schönheit des Lesevorgangs? Meine Nerven, da ist aber jemand in seine wissenschaftlichen Entdeckungen verliebt. Was ist schön am Gedanken, am Lesen? Kommuniziert Neurologie nun mit der Ästhetik?
Die immer mangelhafte Schriftkultur ist gar kein so großes Unglück. Welchen Verlust erleidet die Menschheit beim Untergang aller Literatur? Vielleicht wird sie sogar freier. Der Ruf der Französischen Revolution war ja gerade kein in Stein gemeißeltes Motto, keine Schlagzeile, kein E-Mail-Text, sondern parole. Auch im Faschismus ist die Schrift nur Bestätigung des Sprechens. Mussolini, Goebbels, wer hätte die gelesen?
Wenn Macchiavelli, er selber schrieb Machiavegli, sich im Stile eines Buchautors kleidet, ist das doch nicht Luxus (lat. = Überfluß), sondern eben Kultur. Er pflegt etwas, ganz einfach. Es gibt keine Kulturtechnik, denn Technik ist Teil von Kultur. Kultur ist ein immensurables Ding, nicht meß-, nicht wägbar. Sie ist da oder nicht. colere (lat.) heißt anbauen, pflanzen. Der agri-cola, der (An-) Bauer ist derjenige, der den Acker (ager, agar) bebaut.
Zuerst kommt der körperliche Einsatz, dann der Zugriff, die Handhabe, später das Handwerk, noch später Kunsthandwerk und, wenn das heilige Feuer einschlägt, kann Kunst entstehen. Arbeit ist dabei ein falsch verwendetes Wort, weil der arbiter in der Antike nicht der Werker war, sondern der Vorarbeiter oder Planer (orbit). Aber wir alle sind doch auch arbiter, bevor wir uns ans Werk machen. Wer nicht total vernagelt ist, sieht sich immer erst um und beurteilt die Lage. Das ist der arbiter.
Kultur ist der Unterschied zwischen Mensch und Tieren. Diese sind ganz natur-i, Geborene. Wir können in vielem auch nicht gegen unsere Natur, wie wir sagen. Wir haben jedoch diesen Verbund von Hand, Herz und Verstand, wie jemand sagte. Ich mache mir keine Sorgen ums Lesen.
Der grüne Text hat so doofe Zeichen drin, die mit der Formatierung zu tun haben, sagt man mir.
Ich bleibe dabei, daß mehr Latein im Deutschen steckt, als uns vielleicht lieb ist. Orbis ist ja gerade der Hinweis auf die Umschau, auf one who goes to see.
Im Berner Oberland hört man heute noch unverändert Arbiter. Manfred Riedel ist vielleicht ein Genie, doch auf dem Papier. Feldforschung gehört dazu.
Sender und Empfänger: Na, bravo, sagt der Wiener, reine Einwegsache. Verwechselst du nicht Kommunikation mit Verbreitung?
Kleiner Zwerg ist ein Pleonasmus oder weißer Schimmel, also doppelt gemoppelt, obschon Schimmelfüllen nicht weiß sind.
Den so genannten Gedankenstrich sollte man mit Zurückhaltung verwenden, und zwar nur dann, wenn es wirklich darum geht darzustellen, daß jemand einem Gedanken nachhängt. Gesetzt wird ein Geviertstrich, heute leider meistens der Dreiviertelgeviertstrich oder à la Schreibmaschine nur der Divis (Trennungsstrich). Ich mache mir die Mühe, mein Textverarbeitungsprogramm aufzurufen, um die Zeichen einsetzen zu können. Gedankenstrich ―, Minuszeichen oder Streckenstrich –. Trennungsstrich -.
Mit der mittleren Reife sollte man sich nicht ungebildet nennen, es sei denn, das deutsche Reformabitur tauge nicht so viel, wovon ich leider schon 1985 den Eindruck hatte. Ein Facharbeiterdiplom suche ich nächsten Sommer zu erlangen, ich hole mit 48 Jahren die Mechanikerlehre nach, von der mich meine Eltern 1974 abgehalten hatten.
Gefreut hätte mich, wenn wir beim Thema geblieben wären. AndyOSW, worin liegt der Unterschied zwischen Hauptwort Dank und Hilfszeitwort (Adverb) dank hinsichtlich Fall ? Der Sprachwissenschafter muß erst geboren werden, der uns weismacht, es handle sich um verschiedene Wörter. Es ist nämlich ein und dasselbe Wort, bloß ein Mal groß geschrieben, das andere Mal klein.
Dank der Mithilfe von Herrn Kübling sind wir früher fertig geworden. Dativ. Dank des Mehls klebt der Teig nicht an. Unfug. Es wird immer gedankt, jemandem oder einer Sache. Wie es im Worte drin steckt, geht es beim Genitiv um Erzeugung, Verwandtschaft. Genus heißt auf Lateinisch Geschlecht. Dank und Genitiv stehen sich inhaltlich fern. Dank des Mehls schmerzt deshalb an der Großhirnrinde, weil das Mehl im Genitiv als Erzeugtes, als Verwandtes von etwas erscheint, während dank in eine andere Richtung fällt.
Des Stuttgarter Bahnhofprojektes Gegner haben sich versammelt, . . . Die Menschen, die gegen das Projekt sind, sind (sprachlich) Nachkommen, Erzeugte von dem Projekte. Darum der entsprechende Fall.
Wir haben nur vier Fälle in unserer Sprache. Finnisch, Ungarisch und Türkisch haben 14. Dafür kennt man da keine Präpositionen. Ob man von zu Hause kommt oder nach Hause geht, wird in diesen Sprachen mit fallabhängigen Endungen ausgedrückt. Du verstehst jetzt, warum ich der Verzweiflung näher rücke, wenn bei uns der Gebrauch von nur vier Fällen falsch ist. Ich erlebe fast täglich, wie Führungskräfte in der Wirtschaft nicht ein Mal den Nominativ beherrschen. Wir als Unternehmern, lese ich.
Da kann ich ja etwas lernen. Präpositionen sind keine Adverbien, es muss mir vorgestern schlecht gegangen sein. Welche Wortart den Fall vorgibt, ist aber nicht ganz klar. Das Zeitwort vor der Präposition? Wie ist die Rangfolge?
. . . wurde deren Trainer . . . finde ich ein treffendes Beispiel für die Entwicklung, die unsere Sprache nimmt. wurde ihr Trainer ist nach meinem Dafürhalten nicht nur passend, sondern auch richtig. Deren ist doch ein Possessivpronomen in Beugung, die es nicht braucht. Mir kommt das nur als Aufblähung vor.
Ja, de Berliner, die sajen ja och Ick liebe dir und Dir kenn ick, du Aas. Einfluss des Schwedischen, wo es keinen Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ mehr gibt. Jag kännar dig (Ich kenne dich), jag tror dig (ich traue dir).
Schamane, für mich geht dank und Genitiv einfach nicht.
Dank der Wirtschaftskrise ist, völlig einverstanden, unschlau. Wegen des Regens bleiben viele zu Hause, klassisches Beispiel. In Folge der schlechten Konjunktur, usw.
Wieder aus dem Bauch heraus: ihr Trainer geht doch bestens. Warum deren Trainer?
Die Spaltung kommt nur bei den dritten Personen vor, dritte Person Einzahl und dritte Person Mehrzahl. Ihr Hund war reinrassig. Deren Hund war reinrassig. Ihre Mägen knurren. Deren Mägen knurren. Deren ist ein hinweisendes oder abhängiges besitzanzeigendes Fürwort. Das einfache besitzanzeigende Fürwort, mein/e-dein/e-sein/-unser/e-euer/e-ihr/e, usw., ist von keiner Erweiterung abhängig. Irgendwie habe ich den Verdacht, daß manche Leute mit deren-derer-dessen den einfachen klaren Sinn zu erweitern, wenn nicht gar zu umgehen versuchen. Es kommt wichtiger daher.
Bei uns ist es nicht besser. Den schweizerischen Bundesbahnen muß man zu Gute halten, daß es vier Amtssprachen gibt, doch Meeting Point, Ticket Shop, Rail Service und dergleichen haben wir auch.
Ich glaube, es ist ein Generationenproblem. Die zwischen 1939 und 1958 Geborenen sind besonders anfällig für falsches Englisch. Sie verwalten auch nur, was ich zum Beispiel lebe. Es ist die Dabei-sein-ist-alles-Generation, und es scheint gleichgültig zu sein, wo man dabei ist. Politiker aller Couleur sind nämlich bei der Politik dabei, da wo die Macht lockt.
Meine Eltern, noch eine Generation älter (1914 bis 1939), sprechen nicht Englisch. Vielleicht ein paar Brocken. Ich spreche fließend Englisch. Meine Eltern haben viel daran gesetzt, daß ich es besser haben werde als sie. Weil ich es kann, brauche ich nicht damit zu prahlen oder daran herumzubasteln, obschon ich Wortspiele liebe. SALE am Schaufenster finde ich auch saublöd. AUSVERKAUF erregt doch mehr Aufmerksamkeit. Aber was soll’s, der Computer ist da, das Internet auch, die Vorherrschaft der USA in der Informatik auch (noch).
Im Englischen sind Angeln und Sachsen enthalten, wenigstens diese Verbindung ist gegeben. Ansonsten: Perron, Kondukteur, Chauffeur, Kontrolleur, Porteur, Lokomotive, train, couchette.
Er ist hell auf der Platte stammt von Photographen. Nur, wenn jemand auf der entwickelten Platte hell erscheint, wird der Abzug dunkel. Richtig heißt es: Sie ist klar auf der Platte. Fotografie!