In Antwort auf:
Guten Morgen Frau Musterfrau,
schön Sie bei uns zu sehen!
In welchem Bereich haben Sie studiert/studieren Sie, auf den Ihre These zutreffe?
Für den Bereich der Geisteswissenschaften einschließlich der Geschichte kann ich Ihnen versichern, daß Ihre These unhaltbar ist. Viele Standardwerke sind uralt, nicht neu aufgelegt.
Gruß,
CVL
Jessas, jetzt hätte ich vor lauter römischen Rangfolgen und altdeutschen Handwerkern beinahe die Bibliotheken vergessen. Vielen Dank erstmal für die freundliche Begrüßung.
In "meinem" Bereich, den Naturwissenschaften, ist es selbstverständlich auch so, daß allgemeine Grundlagen sich selten überlebt haben und es auch noch einige alte Standardwerke gibt; aber sofern man sich mit Forschung beschäftigt (ich leider nicht), dann ist gelegentlich schon Literatur aus den Neunzigern veraltet.
Ich darf hier die "Treibhausgase" anführen, die im größeren Umfang seit Anfang der achtziger Jahre erforscht werden. Damals wurde die Rolle der Ozeane als Kohlendioxidsenken gar nicht berücksichtigt, aus neuester Sicht wurde sie in den Neunzigern überbewertet. Man darf gespannt auf die nächste Theorie sein.
In den historischen Wissenschaften, zu denen ich auch Archäologie, (teilweise) Geologie und Paläontologie zählen würde, hält sich die Anzahl neuer Erkenntnisse vielleicht in Grenzen. Ich denke aber schon, daß es auch hier gelegentlich Neubewertungen gibt und Fragestellungen betrachtet werden, die bisher vernachlässigt wurden. Bitte berichtigen Sie mich, wenn das falsch sein sollte, aber ich habe den Eindruck, daß beispielsweise die Behandlung der "kleinen Leute" im Rahmen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erst in den letzten 15-20 Jahren modern geworden ist, wohingegen zuvor die Geschichte fast ausschließlich als vergangene Politik betrachtet wurde.
Kurzum: Der Anteil bedeutsamer älterer Literatur mag in den einzelnen Disziplinen schwanken, aber auf neue Literatur kann wohl kein Fachgebiet verzichten.
Bei meinem Verweis auf darbende Bibliotheken und die möglichen Folgen hatte ich in erster Linie an Stadtbibliotheken gedacht, mit einem konkreten Beispiel im Hinterkopf. Bei uns sollte eine Stadtteilbibliothek geschlossen werden, mit Hinweis auf die allgemeine finanzielle Situation und die Nachfrage in speziell dieser Bibliothek. Leider befindet sich diese Bibliothek in einem Stadtviertel, dessen Bevölkerung man zum Großteil als "sozial benachteiligt" bezeichnet; die Idee war also nicht sonderlich konstruktiv. Erst nach einem Bürgerentscheid wurde erreicht, daß alle Stadtteilbibliotheken erhalten bleiben. Aber wenn sich niemand dafür interessiert, was ihn nicht persönlich betrifft?