Hallo Riku,
wie Sie sagen, ist dem Normalsprecher des Deutschen der Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ, also der Unterschied zwischen Wem und Wen in der Regel intuitiv geläufig, eben weil es sich, wie Sie es formulieren, "sonst falsch anhört". Dahinter steckt die intuitive Erfassung zwischen direktem und indirekten Objekten einer Handlung, wobei diese schulgrammatischen Bezeichnungen allerdings nicht unbedingt glücklich gewählt sind.
Sehen Sie die Möglichkeit, Ihrer Freundin zu helfen, oder würde Ihre Freundin sich bevormundet oder von oben herab behandelt fühlen? Wir wollen schließlich nicht Ihre Freundschaft zerstören. Falls Ihre Freundin aber offen ist dazuzulernen, hätte ich hier den ersten Schritt eines ganz konkreten und handfesten Ansatzes vorzuschlagen, den sogar jedes Kind versteht.
In Ihrem Beispielsatz heißt es: die Mutter kauft dem Kind Schokolade.
1) Fragen Sie: was kauft die Mutter denn? Ihre Freundin würde antworten: Schokolade. Dadurch beweist sie, daß sie intuitiv begreift, was das grammatische und logische Objekt der Handlung ist.
2) Fragen Sie nun: "Kauft die Mutter das Kind?" Ihre Freundin wird entweder verwirrt reagieren oder viel wahrscheinlicher in der Art antworten, daß die Mutter das Kind ja gar nicht kaufen kann, oder daß die Mutter Schokolade kauft und ja gar nicht das Kind oder "das hätte ja gar keinen Sinn", etc. Sie begreift somit intuitiv, daß das Kind im Beispielsatz nicht das direkte Objekt der Handlung sein kann.
Machen Sie dann mit anderen konkret und anschaulich gehaltenen Beispielsätzen weiter.
"Die Verkäuferin verkauft der Mutter eine Bluse."
- was verkauft die Verkäuferin?
- verkauft die Verkäuferin die Mutter?
"Jan schüttet Julia ein Glas Milch ein."
- was schüttet Jan ein?
- schüttet Jan die Julia ein?
"Lisa leiht dem Lukas das grüne Buch."
- was verleiht die Lisa?
- verleiht die Lisa den Lukas?
Und so weiter. Es sollten Ihnen genug eigene Beispiele nach diesem Muster einfallen. Achten Sie aber darauf, daß die Antwort auf die "was macht..." - Frage ohne Zweideutigkeiten ist, und daß eine Ja-Antwort auf die zweite Frage unmittelbar sinnlos und absurd erscheinen muß.
Somit sollte ein intuitives Gespür für den logisch-konkreten Unterschied zwischen direktem und indirektem Objekt entstehen, und das wäre der erste Schritt. Der bis hierhin unbewußte Lerneffekt ist, daß "wem" und "wen" nicht ein- und dasselbe sind. In einem weiteren Schritt müßte dies dann bewußt gemacht werden.
Darüber, wie es dann weitergeht, denke ich noch nach.