GEO 03/2009, S. 24: "Sprechen Sie Irdisch?"
Gibt es im All intelligentes Leben? Dr. John Elliott von der Leeds Metropolitan University hat vorsorglich schon eine Software entwickelt, um die Sprache von Aliens zu verstehen.
GEO: Herr Dr. Elliott, wie entziffern Sie Sprachen, die noch keiner gehört hat?
Dr. Elliott: Ich vergleiche sie mit denen, die wir kennen. Dafür habe ich mehr als 60 Sprachen auf ihre Struktur untersucht, von Zulu über Chinesisch bis Englisch. Und so verschieden sie klingen - im Prinzip funktionieren sie alle nach demselben Muster.
GEO: Und das soll auch für das Außerirdische anwendbar sein?
Dr. Elliott: Davon gehe ich aus. Denn um effizient und brauchbar zu sein, muss jede Sprache eine bestimmte Struktur haben. Zum einen muss sie beschreibende Wörter wie "Haus" und "laufen" enthalten, zum anderen Funktionswörter wie "und", "nicht" oder "oder". Diese Funktionswörter sind immer kurz und wiederholen sich in bestimmten, für Sprachen einschlägegen Rhythmus. Erkennt die Software Muster, kann sie die Sprache in Phrasen und Wörter zerlegen.
GEO: Wie lang muss eine Alien-Botschaft denn sein, damit sich ein derartiges Muster feststellen lässt?
Dr. Elliott: Eine SMS wäre zu kurz, aber ich benötige auch keinen Roman. Es würde genügen, wenn die Außerirdischen uns einen längeren Zeitungsartikel übermittelten.
GEO: Hat Ihre Software auch einen irdischen Nutzen?
Dr. Elliott: Aber ja. Auch auf der Erde gibt es Sprachen, die wir nicht verstehen! Gerade bin ich eingeladen worden, vor den Bahamas die Kommunikation von Delfinen zu untersuchen. Wenn wir bessere Aufnahmen von deren rund 130 unterscheidbaren Tönen haben, konnen wir vielleicht schon bald versuchen, darin so etwas wie Wörter oder Phrasen zu identifizieren.