In der Internetzpräsenz der "Tagesschau" findet sich folgender Bericht zum Thema:
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"Sprachlicher Verbraucherschutz"
Die Union kämpft gegen Denglisch
Das Englische durchdringt die deutsche Sprache - vom "Callcenter" und "Sale" bis hin zum "Carsharing." Viele Deutsche können aber mit diesen Begriffen nichts anfangen. Höchste Zeit, die eigene Muttersprache besser zu pflegen, findet eine Arbeitsgruppe der Union. Sie fordert eine Rückbesinnung auf "die Schatzkiste der deutschen Sprache".
Von Ulrich Bentele, tagesschau.de
Die Bahn ist mal wieder der Bösewicht. Nein, nicht häufige Verspätungen prangern Politiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, es ist die Sprachwahl der Bahn, die für andauernde Verstimmung sorgt. Ein Drittel der Deutschen kann nur deutsch, was also ist von Angeboten wie "Surf & Rail", "DB Carsharing" oder verquasten Auskünften wie "Call A Bike Standort" zu halten? Nichts, meint eine Arbeitsgruppe der Union und fordert mehr Deutsch in Deutschland. Der Verständlichkeit wegen.
Union: Sprachpflege ist Verbraucherschutz
"Wir brauchen einen erweiterten Begriff von Verbraucherschutz", sagt die junge CDU-Abgeordnete Julia Klöckner. Die "zunehmende Verwendung von Anglizismen ohne Not" stößt ihr schon länger sauer auf. Es sei doch zumindest befremdlich, wenn im deutschen Supermarkt-Regal ein "Eye-Makeup-Remover" ohne jeden deutschen Hinweis stehe, um was es sich handele, meint Klöckner. "Das hört sich alles ganz toll an, nur verstehen tut es keiner mehr." Teilweise komplett in englisch gehaltene Verpackungsbeschriftungen, verwirrende Hinweisschilder auf Bahnhöfen und pseudomoderne Sprachwendungen hat sie deshalb den Kampf angesagt und mit Kollegen zum Pressegespräch geladen.
Dort begeht die Pressesprecherin der Unionsfraktion aber erst einmal einen kleinen Fauxpas, als sie die anwesenden Journalisten auf ein "Hand-Out" zum Thema hinweist. Schnell verbessert sie sich: "Wir haben ein Thesenpapier vorbereitet." Und darin schlägt die Union Alarm: "In Flughäfen und Bahnhöfen ist Deutsch mittlerweile Randsprache geworden" heißt es. "Täglich werden so Millionen von Menschen in Deutschland ausgegrenzt", sind sich die politischen Sprachpfleger sicher.
Rückgang deutscher Vokabelkompetenz
Woran es liegt, dass die Deutschen dem Deutschen das (D)englische vorziehen, meint die Kulturpolitikerin Gitta Connemann zu wissen. Die Deutschen seien dabei, ihr "wichtigstes Kulturgut, die Sprache" zu verlieren. "Die Deutschen werden sprachlos", sagt sie und beklagt den frappierenden Rückgang an deutscher Vokabelkompetenz in der Gesellschaft. "Viele Deutsche sind nach wie vor auf der Flucht und leiden an ihrer Vergangenheit", ist sie überzeugt. Dieses "gestörte Verhältnis zum Patriotismus" drücke sich auch in einem mangelnden Selbstbewusstsein die eigene Sprache betreffend aus.
Unterstützung kommt von institutionalisierten Deutsch-Freunden der "Stiftung Deutsche Sprache" und vom "Verein der Deutschen Sprache". Deren Vorsitzendsmitglied Menno Aden beklagt, dass Deutschland der große Vorreiter in Sachen Verbraucherschutz in Europa sei, die Pflege der eigenen Sprache aber vergesse. Dabei stellt er aber auch klar, dass es nicht darum gehe, die deutsche Sprache vor Veränderungen zu schützen. "Wir sind keine rückwärtsgewandten Fremdwort-Jäger." Wenn aber etwa ein Hinweisschild mit "Not Stop" beschrieben sei, wisse doch niemand, ob dies nun ein Nothalt sei oder eher komplettes Halteverbot anzeige.
Kein "Sprachfundamentalismus"
Auch die Unionspolitiker wenden sich gegen "Sprachfundamentalismus". Der Bürger habe aber ein Recht darauf, zu verstehen, was er liest - vor allem was die Sicherheit angehe, etwa bei Gebrauchsanweisungen. Da kann sich die CDU auch eine Gesetzesinitiative vorstellen. An die Privatwirtschaft mit ihren "angloteutonischen" Werbekampagnen soll allenfalls ein Appell ausgehen, doch bitte ein wenig mehr auf Verständlichkeit zu achten. "Wir wollen aber nicht vorschreiben, nicht verpflichten, nicht sanktionieren", stellt Wirtschaftpolitiker Laurenz Meyer klar.
Als leuchtendes Vorbild soll einmal mehr die Politik vorangehen. Man werde darauf achten, Schriftstücke des Bundestages und der Bundesregierung in klar verständlichem Deutsch zu verfassen. Und vor allem in Unternehmen, in denen der Bund Anteilseigner ist - Telekom und Bahn - soll darauf hingewirkt werden, dass deutsche Texte möglichst auch deutsch klingen sollen.
Dann erzählt Klöckner noch von einem Gespräch mit Bahn-Vorstand Otto Wiesheu, dem früheren bayerischen Wirtschaftsminister. Der habe ihr gestern erst von einem tollen neuen Bahn-Service namens "Touch & Travel" vorgeschwärmt. Was darunter zu verstehen sein, habe sie gefragt. Darauf Wiesheu: "Das ist ein Handy-Dienst, aber ehrlich gesagt klingt das für mich erst einmal nach Fummeln & Fahren."
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