Hier die Begründung der FAZ für die Namensänderung:
"Reading Room" heißt jetzt "Lesesaal"
Die Begründung
Sprachpuristen atmen auf, Freunde der deutschen Sprache zufrieden durch, die unter dem schillernden Namen "Feuilleton" versammelte Redaktion spricht wieder eine Sprache: Nach kurzer Überlegung haben wir beschlossen, den provozierenden Widerspruch unseres englischnamigen Bücherforums zur Zukunft der deutschen Sprache aufzulösen: Unser virtueller Leser-Tummelplatz mit dem Taufnamen "Reading Room" wird in Zukunft "F.A.Z. Lesesaal" heißen.
Da sage noch jemand, Anglizismen hätten keinen Sinn im Deutschen. Irrtum - im vorliegenden Fall hat ein besonders perfider eine Debatte befeuert, die jetzt zu einem glücklichen Ende für all jene geführt hat, die an die Strahlkraft und Entwicklungsfähigkeit der deutschen Sprache glauben. Und wer wollte daran nicht glauben? Deutschtümelei? - Iwo! Eher ein Experiment mit der Hypothese, dass das Deutsche auch Entwicklungen der neuen Medien angemessen benennen kann.
Der neue Name entspricht damit dem von unseren Lesern im Internet und in - teils mit "Mein Herz gehört Deutschland"-Aufklebern oder beschrifteten Zeitungsausschnitten gespickten - Briefen an die Redaktion am häufigsten gemachten Vorschlag. Wäre die Befangenheit in der Verwendung halbenglischer Wörter und die Skepsis gegenüber dem Duden nicht so groß, man möchte den Vergleich mit einem jüngst in diesem Nachschlagewerk aufgenommenen, an die Fußball-WM erinnernden Begriff wählen: Die Redaktion sah sich einer "Fanmeile" für die deutsche Sprache gegenüber.
Auch wenn das Wort "Reading Room" mit seinen vielen positiven Assoziationen immer einen Platz in unserem mehrsprachigen Herzen behaupten wird, hat uns "Lesesaal" doch sogleich überzeugt, weil es einfach und klar ist, die für unser Forum wichtigste Tätigkeit, das Lesen, in den Vordergrund stellt und der Begriff "Saal" in seiner klassischen Altertümlichkeit schon fast wieder sinnempfänglich und damit geeignet für die Benennung neuer virtueller Räume ist. Einen in der Diskussion um die Neubenennung oft gegen "Lesesaal" ins Feld geführten Einwand kann man vielleicht mit dem Hinweis entkräften, dass das Internet heute schon viele wirkliche Lesesäle in Bibliotheken und Universitäten erschlossen hat, sodass sich das Lesen ganz neu-organisch mit dem Austausch über Gelesenes mittels Email oder der Teilnahme in einem Forum verbindet. Lesesäle haben heute ganz neue, direkter nach außen dringende Echos.
Zu erratisch erschienen uns hingegen in der Namensdiskussion anzutreffende Vorschläge wie "Lit.Faz.Säule", fast wehmütig ließen wir den "Literatur-Bus" vorbeifahren, die "Leseweide" erinnerte uns zu sehr ans Wiederkäuen, die "Schmökerecke" erweckte unliebsame Assoziation mit der Raucherkneipe. Der Vorschlag "BuchFAZetten" wurde von einem Kollegen mit dem Einwurf "Warum nicht FAZettels Raum" gekontert und schließlich verworfen.
Ein Bücherforum "Bücherforum" zu benamen wäre uns erschienen wie eine Zeitung "Zeitung" zu nennen, während wir bei dem Vorschlag "Fazecke" ehrlich gesagt einen Hintersinn gewittert haben. Über "Neigungsgruppe Buchbesprechung" haben wir sehr gelacht, den "Salon" als zu elitär verworfen. Voilà, es ist der demokratische Lesesaal, weltoffen und ohne Eintrittsbarrieren.
Uwe Ebbinghaus
Ich muß sagen, die "Lit.Faz.Säule" hätte mir auch gefallen.