3sat - Vor 30 Jahren
21.02.2008, 00.25-01.05 Uhr
Kinder zahlen die Zeche
Junge Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland
Aus dem Pressetext von 1978: Über eine Million ausländischer Kinder und Jugendliche leben bei uns. Für die Erwachsenen ist der Aufenthalt im fremden Land ein Aufstieg. Doch den Preis zahlen die Kinder.
Schon heute ist in vielen Großstädten der Bundesrepublik jedes zweite neugeborene Kind ein kleiner Ausländer. Bis jetzt leben über eine Million ausländischer Kinder und Jugendliche bei uns. Niemand weiß, wie viele von ihnen hierbleiben werden, auch die Eltern nicht. Sie schwanken zwischen Angst und Hoffnung. Denn die Zeiten der Hochkonjunktur, als jede Arbeitskraft umworben wurde, sind vorbei. Das Ausländergesetz lässt Spielräume offen, die im Zweifelsfall zum Nachteil der Ausländer benutzt werden können. So leben die meisten in Angst vor den Behörden, der Koffer bleibt stets griffbereit. Viele Jugendliche wollen hierbleiben, aber nur wenige haben Aussichten auf Arbeit oder eine Lehrstelle. Die meisten fühlen sich allein gelassen. Denn die Eltern sind durch Arbeit und eine für sie oft unverständliche Umwelt völlig überfordert. Für die Erwachsenen bedeutet der Aufenthalt im fremden Land wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg. Doch den Preis dafür zahlen die Kinder. Sie müssen mit zwei Sprachen und zwei Kulturen aufwachsen. Sie sind doppelt benachteiligt, denn sie müssen nicht nur die Sprachbarriere, sondern auch die Widerstände in ihrer sozialen Umwelt überwinden.
Der Film von Marion Odenthal und Arno Schmuckler schildert nicht nur die Situation dieser jungen Ausländer, sondern versucht auch, Auswege zu zeigen. So gibt es eine Vielzahl von privaten, kirchlichen und staatlichen Initiativen, die alle darauf abzielen, Modelle zu finden, um eine Eingliederung voranzutreiben. Als vordringlichste Aufgabe gilt jedoch die Anpassung des Ausländerrechts an die Realität. Wie kann verhindert werden, dass aus dieser zweiten und dritten Ausländergeneration das wird, was Fachleute heute eine "soziale Zeitzünderbombe" nennen?