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Unterschiede zwischen Deutsch und Französisch
Wer zwischen Deutsch und Französisch übersetzt, muss die oft sehr gegensätzlichen Eigenarten dieser beiden Sprachen berücksichtigen.
Auf Französisch wird das Wichtigste zuerst gesagt, erst dann kommen die Umstände zum Ausdruck. Auf Deutsch kann man die eigentliche Aussage sehr lange hintanstellen, ja sogar für das letzte Wort des Satzes aufheben. Das erhöht natürlich die Spannung. Man weiß erst am Schluss, ob die rätselhafte Frau, die in Paris in den Zug eingestiegen war und bis München kein Wort gesagt hatte, beim Verlassen des Abteils einen anlächelt oder erschießt. Je connais quelqu’un qui fait chaque jour des cadeaux à sa femme : Ich kenne jemanden, der seine Frau jeden Tag beschenkt/schlägt. Bis zum letzten Wort ist alles möglich.
Das Französische liebt klare kurze Aussagen, und reiht sie aneinander in einer Art Paratax. Das Deutsche wiederum liebt die Syntax – ineinander geschachtelte Sätze, Nebensätze und Nebensätze des Nebensatzes – und zwingt dadurch den Leser oder den Zuhörer, sich das alles zu merken und den Sinn nach und nach aufzubauen. Kein Wunder, dass Deutsch für eine höchst philosophische Sprache gehalten wird.
Selbst das Wort hat im Französischen und Deutschen einen anderen Wirklichkeitsgehalt. Im Französsichen scheint das Wort am Ding zu kleben, das es benennt. Im Deutschen ist das Wort vornehm abgehoben, immer ein wenig abstrakt, man spürt den Geist wehen.
Auch das Bild des geschriebenen Wortes ist in Deutsch und Französisch sehr unterschiedlich. Deutsch liebt Riesenwortgebilde: „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“. Blumentopferde ist Erde für den Blumentopf oder Topferde für die Blumen. Jedenfalls weiß man erst am Schluss, was es ist (Erde). Zuerst erfährt man das „wie“, dann das „was“. Bis zum „was“ muß man sich aber alle „wie“ merken.
Deutsch hat viele Konsonanten und schnalzt sie hin wie unbearbeitete Steine, die sich doch letztendlich mit vielen Ecken und Kanten zu einer graphischen Ordnung zusammenfügen (Schifffahrt mit 3 „f“, Selbstständig mit 2 „st“). Das Französische mit seinen vokalreichen Wörtern fließt geschmeidig dahin wie ein Bergbach und schleift obendrein auch noch die eckigen Steine, die er treffen mag. Da ist der Hiatus, das Zusammentreffen von 2 Vokalen, der tunlichst durch épenthèse vermieden wird (a-t’on), da ist die liaison, wo die Graphie ihre Rechte beansprucht und vor einem Vokal das klingen lässt, was sonst nur beim Schreiben gilt.
Nicht zuletzt die Klänge der Sprache sind im Deutschen und im Französischen absolute Antipode. Man erinnert sich an das, was Nietzsche über den Klang der deutschen Sprache schrieb. Er, dessen Stil so poetisch ist, beklagte, dass Deutsch zu einer Exerziersprache für brüllende Offiziere heruntergekommen war. Man weiß vielleicht auch noch, dass Kaiser Friedrich II versucht hatte – wohl durch seine italienische Heimat beeinflusst – den deutschen Wörtern Vokalendungen anzuhängen. Wäre das nichto schöni gewesena?
Geschrieben von Max Devime ( david.schmidhofer [at] yahoo.de )