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Der Tragödie letzter Teil
Hallo Fritz-Franz,
ich hoffe, daß Du noch im Forum schreibst. Ich war längere Zeit nicht mehr hier und werde vorläufig auch nicht mehr so oft schreiben, auch wenn ich momentan "unendlich viel" Zeit habe.
Mir ist in dem "Tagebuch" die folgende Zeile aufgefallen:
"(Dasselbe in revidierter Reformorthographie von 2004, „konservativ“ angewendet)"
Was ist eine "revidierte" Reformorthographie? Ich störe mich hier an dem Wort "revidiert". Ich kenne das Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung nur im Sinne von "nachsehen" oder "prüfen". Ist diese "Re-Reform" einfach nur "nachgesehen" und "überprüft"? Nein, sie wurde "berichtigt", wobei wir uns über die Richtigkeit des "richtig", das in diesem Wort steckt, sicherlich einig sind.
Aber der Pöbel (dazu rechne ich auch superschlaue Berater), der durch die Verwendung von Fremdwörtern glänzen will, die er gar nicht versteht, hat mal wieder gewonnen: Im deformierten Duden hat "revidieren" nun auch die Bedeutung "korrigieren". Weiß niemand mehr, was eine Revision mal war? Die Bedeutung hat sich ja inzwischen auch geändert. Aber wenn ich in Revision gehe, bedeutet das doch nicht, daß damit das Urteil zwangsläufig geändert wird (außer man verfügt über genügend Geld).
In der dem Latein sehr nahestehenden rumänischen Sprache heißt "Auf Wiedersehen" fast wörtlich übersetzt "La revidere", noch deutlicher als das italienische "arrivederci". Und das soll sicher nicht heißen, daß man sich bessern soll.
Naja, ich mußte jetzt einfach mal meinen Frust rauslassen, wie der neue Duden nicht nur die Schreibweise, sondern auch die Bedeutung von Wörtern vorschreiben will.
Gruß
Gnomus
Mit den Fotos der Katzen meiner Muter dauertes noch etwas, ich muß sie erstmal suchen. Leider ist eine der beiden schon seit etwa 2 Wochen verschollen, meine Mutter ist deshalb sehr traurig. Ich hatte die Katze ja auch sehr gern.
Hallo gnomus,
vielleicht lasten Sie dem "Duden" (der Duden-Redaktion oder dem Verlage selbst) viel mehr an, als er zu verantworten hat. Meiner (vielmals geäußerten) Ansicht nach ist er nur "Das Wörterbuch der deutschen Sprache." Eine Anleitung zur Rechtschreibung soll er sein und beinhaltet (unter anderem) auch die amtlichen Regeln zur deutschen Rechtschreibung (die er nicht festlegt). Was da drin steht an Schreibweisen und Bedeutungen haben wir selbst "verbockt", der "Duden" wie auch der "Wahrig" sind in meinen Augen nur ein Spiegel des Wortschatzes der deutschsprechenden Völker.
In Antwort auf:Aber nur vielleicht! Dudenverlag und -redaktion haben zweifellos eine nicht geringe Mitverantwortung an dem Durcheinanander, wie es sich derzeit darstellt.
vielleicht lasten Sie dem "Duden" (der Duden-Redaktion oder dem Verlage selbst) viel mehr an, als er zu verantworten hat.
In Antwort auf:Nicht das (schon lange nicht mehr), sondern ein.
Meiner (vielmals geäußerten) Ansicht nach ist er nur "Das Wörterbuch der deutschen Sprache."
In Antwort auf:Die er aber sehr eigenmächtig interpretiert, auslegt und gewichtet. In der 23. Auflage hat er mit seiner Vorbemerkung zu dem abgedruckten Text "Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung" sogar schlicht die Unwahrheit gesagt.
Eine Anleitung zur Rechtschreibung soll er sein und beinhaltet (unter anderem) auch die amtlichen Regeln zur deutschen Rechtschreibung (die er nicht festlegt).
In Antwort auf:Bei den Bedeutungsänderungen oder -erweiterungen mag das zutreffen (z.B. realisieren), denn die ergeben sich ja aus dem Sprachgebrauch; bei den vermehrt aufgenommenen denglischen Ausdrücken auch; aber die abenteuerlichen neuen Schreibweisen (inbesondere die Getrenntschreibweisen) haben doch nicht "wir", die Schreibenden gewollt oder ins Spiel gebracht, sondern irgendwelche Kommissionen. Und Kultusminister, die keine Gelegenheit ausließen, ihr Nichtwissen und ihre Inkompetenz in der Sache zu demonstrieren, haben diese gegen alle Bedenken aus Fachkreisen und aus dem Volke durchgeboxt. Das darf man wohl getrost eine Tragödie nennen.
Was da drin steht an Schreibweisen und Bedeutungen haben wir selbst "verbockt"
Zitat von Ute E.Da fehlen mir jetzt Fakten, aber ich glaube Dir.
In der 23. Auflage hat er mit seiner Vorbemerkung zu dem abgedruckten Text "Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung" sogar schlicht die Unwahrheit gesagt.
Die Kultusminister (von 1996) sind gegenüber denen von 1901 aber demokratisch gewählt (so man wählen war), die Inkompetenz haben wir also mitgewählt (verkürzt gesprochen), ergo ist auch die RSR von uns "mitverbockt" (ich bitte um Entschuldigung für diese kühne Kausalkette :-)).
RE: Der Tragödie letzter Teil
in F r e i s t i l 27.07.2007 23:23von Schamane • Moderator | 931 Beiträge
Nee, nee, nee. Ich lasse mich nicht persönlich für alles verantwortlich machen, was Politiker und Bürokraten so verbocken. Außerdem war die RSR bei keiner Wahl ein zentrales Thema, was angesichts drängenderer politischer Probleme wohl auch hingenommen werden muß und kann.
Vielleicht machen wir eine neue APO auf: Altschreibende Plebejische Opposition.
In Antwort auf:
Die Kultusminister (von 1996) sind gegenüber denen von 1901 aber demokratisch gewählt (so man wählen war), die Inkompetenz haben wir also mitgewählt (verkürzt gesprochen), ergo ist auch die RSR von uns "mitverbockt" (ich bitte um Entschuldigung für diese kühne Kausalkette :-)).
Es geht überhaupt nicht um eine Gegenüberstellung oder einen Vergleich der Reformen von 1901 und 1996. Es geht um den Eingriff (Notwendigkeit, Art, Umfang, Nutzen ...) in eine Rechtschreibung, die sich ein knappes Jahrhundert lang bewährt hatte.
Natürlich sind unsere Kultusminister demokratisch gewählt (nach demokratischer Wahl ernannt worden). Aber als Minister ist man qua Amt eben Diener des Volkers - und verpflichtet, diesem aufs Maul zu schauen. Und genau das haben die Kultusminister in dieser Angelegenheit nicht getan. Sie haben sich nicht nur selbstherrlich über die Mehrheitsmeinung des Volkes und schwerwiegende Bedenken unabhängiger Fachlaute hinweggesetzt, sondern gezielt und bewußt verhindert, daß während der Bewährungsphase kritische Untersuchungen stattfinden konnten. Sie haben Schmieren- und Marionettentheater nicht nur zugelassen, sondern sogar begünstigt. Bis zuletzt (siehe Rat für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair) wurde mit Vernebelungen und dümmlichen Tricks gearbeitet. Daß die Reform total mißglückt und ein Fehlgriff war, wußten die Kultusminister schon längst (siehe Johanna Wanka im Spiegel); aus Gründen der "Staatsräson" sollte sie aber durchgepeitscht werden.
Wer das als gutes oder "normales" demokratisches und wissenschaftlich angemessenes Vorgehen betrachten will, möge das tun.
Ich glaube, dass die Fachfragen der derzeit (noch immer) diskutierten Rechtschreibung nicht von den jeweiligen Kultusministern, sondern von Fachleuten erörtert wurden (hat ja auch Jahrzehnte gedauert). Die gescholtenen Kultusminister sind nur die politischen Entscheidungsträger, und da ist es der Deutschen liebster Sport, auf diese einzuhacken, statt auf die Fachleute. Außerdem glaube ich auch, dass das Vorliegende einen Kompromiss der Vorstellungen der damaligen (1996) und jetzigen beteiligten Fachleute und Politiker darstellt, einen breiten Konsens kann es in dieser Frage nicht geben. Den hat es im Vorfelde der 2. Orthographischen Konferenz auch nicht gegeben, danach ebenso wenig. Die Geschichte von 1901 wiederholt sich nur, diesmal nur mit demokratischer Grundlage. Natürlich kann man beide Reformen nicht direkt (politisch) vergleichen, aber in der Sache schon. Wir kennen nicht genau die Kämpfe, die damals ausgefochten wurden (wenn es im wilhelminischen und obrigkeitshörigen Deutschland solche gegeben hat), die von heute sind dank breiter Medienpräsenz bekannt. Aufschlussreiches von damals und heute fand ich unter Duden und Maßgeblichkeit.
In Antwort auf:
Die gescholtenen Kultusminister sind nur die politischen Entscheidungsträger, und da ist es der Deutschen liebster Sport, auf diese einzuhacken, statt auf die Fachleute.
Wenn Kultusminister in der Sache Anküdigungen nicht einhalten, Unwahrheiten verbreiten, notwendige Diskussionen verhindern und ihre "Fachleute" aus der Diskussion herausnehmen (sie gegen alle Kritikmöglichkeiten abschotten), dann wird man diese doch wohl zu Recht tadeln und an ihre Pflichten erinnern dürfen.
Haben wir denn schon vergessen, was Kultusministerin Doris Ahnen im Zusammenhang mit der Einrichtung des Rates für deutsche Rechtschreibung angekündigt hatte? Und haben wir wirklich nicht mitbekommen, wie schnell das alles nicht mehr galt?
Was ich meinte.
Politiker sind nur die Talkmaster oder Verkäufer in einer Sache. Ist die Sache kritikwürdig, kritisiere ich den, der das verbockt hat, nicht den Verkäufer. Politiker sollen sich um die Richtung kümmern, machen kann nur der Fachmann. Zum Abschlusse: Die Rechtschreibreform 1996 (das sind eigentlich alles olle Kamellen) wurde durch Politiker beschlossen. Wie die Kommata aber jetzt gesetzt werden, haben sich Fachleute ausgedacht. Wenn ich also an den neuen Rechtschreibregeln herumkritteln möchte, schlage ich den Fachmann. Wenn mir das Wie der Reform nicht passt, schlage ich den Politiker. Bildlich gesprochen :-)
Persönlich stehe ich der 96er-Reform neutral gegenüber. Im Arbeitsleben muss ich die neue Rechtschreibung gebrauchen (Hausorthographie), also sind für mich Diskussionen über das Ob und Wie und Warum müßig. Und ich werde nicht zwischen Alt im Privaten und Neu im Beruf wechseln. Das ist aber meine persönliche Entscheidung.
Aber diskutieren muss man über Rechtschreibung und ihre Reformen dürfen :-)
In Antwort auf:
Ist die Sache kritikwürdig, kritisiere ich den, der das verbockt hat, nicht den Verkäufer. Politiker sollen sich um die Richtung kümmern, machen kann nur der Fachmann.
Aber genau das ist doch immer wieder versucht worden und geschehen, nämlich Kritik an den "Architekten" der RSR zu üben, an dem, was sie da an Vorschlägen auf dem Tisch hatten. Wenn Politiker aber dafür sorgen, daß diese Kritik nicht zugelassen, nicht ernstgenommen, nicht beachtet wird bzw. nicht an die verantwortlichen Macher herangelangen darf, dann sind sie ebenfalls zu verurteilen. Das haben sie jahrelang mit allen möglichen Tricks getan.
In Antwort auf:Ja, und zwar werden sie jetzt (2007) deutlich anders gesetzt, als sich das die "Fachleute" vorher (1996) ausgedacht hatten. Das sollte doch zu denken geben. Warum hat man den "Fachleuten" von 1996 gleich soviel Macht gegeben, warum hat man sie nicht die Erprobungszeit nutzen lassen, indem andere (unanhängige) Fachleute mit ihnen hätten diskutieren können?
Wie die Kommata aber jetzt gesetzt werden, haben sich Fachleute ausgedacht
In Antwort auf:
Wenn ich also an den neuen Rechtschreibregeln herumkritteln möchte, schlage ich den Fachmann.
Welchen? Welche Mitglieder des heutigen "Rates für deutsche Rechtschreibung" sind denn "vom Fach" - und nicht von irgendeinem Interessenverband? Wo und wie gab es denn bisher überhaupt Möglichkeiten, diesen "Fachmann" zu "schlagen"? Genau das war ja eben nie vorgesehen und ist dort, wo es ernsthafte Ansätze gab - ständig untergraben und verhindert worden. Wobei übrigens auch die GEW ein ganz fieses Spiel betrieb.
In Antwort auf:Und das allein schon deshalb, weil in ihrem Zusammenhang demokratische Prinzipien leiden mußten und geopfert wurden.
Aber diskutieren muss man über Rechtschreibung und ihre Reformen dürfen :-)
Jetzt habe ich was nicht mitbekommen: Welche demokratischen Prinzipien mussten geopfert werden?
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