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Der Tragödie letzter Teil
In Antwort auf:
Der Rat für Rechtschreibung kann ja wohl nicht für die Rechtschreibreformvorschläge von 1996 verantwortlich gemacht werden, da er ja erst 2004 gegründet wurde.
Das tut ja auch niemand. Aber man kann ihn wohl dafür verantwortlich machen, daß er „seinen Job“ nicht mehr weitergemacht hat. Daß er (ohne Not) vor den Politikern gekuscht hat, die erstens ganz schnelle und zweitens auch ganz bestimmte Ergebnisse erwarteten. Daß er sich so deutlich mit seiner Marionettenrolle abgefunden hat. Außerdem kann man mehreren einzelnen Mitgliedern dieses Rates Vorwürfe machen; insbesondere auch dem Vorsitzenden, Herrn Zehetmair, bei dem man aus vielen Äußerungen entnehmen konnte, daß er in der Sache einfach uninformiert war.
In Antwort auf:
Ihn habe ich auch nicht mit "Fachleute" gemeint, sondern die ost- und westdeutschen, österreichischen und schweizer Germanisten, die 1980 begannen, im Internationalen Arbeitskreis für Orthographie den Grundstein für die 96er Reform zu legen.
Diese Leute hatten ja im wesentlichen das Prinzip der gemäßigten Kleinschreibung auf den Tisch gelegt, wurden darin aber wieder zurückgepfiffen. In dem Entwurf, der dann 1996 in die Schulen gelangte, war das Prinzip ja gewissermaßen auf den Kopf gestellt, da ging es plötzlich um eine deutlich vermehrte Großschreibung. Man kann also nicht von „einem Grundstein“ sprechen.
Aber die Frage bleibt: Wann und wie hatte man eine Möglichkeit, diese Fachleute zu „schlagen“, eine kritische öffentliche Auseinandersetzung mit ihnen zu führen? Das ist doch stets verhindert und unterbunden worden, bis die betreffenden Leute in der Verantwortungslosigkeit verschwanden.
Welche „Fachleute“ meinten Sie denn in Ihrem Satz „Wie die Kommata aber jetzt gesetzt werden, haben sich Fachleute ausgedacht“?
In Antwort auf:
Welche demokratischen Prinzipien mussten geopfert werden?
Ich habe nicht gesagt, daß demokratische Prinzipien geopfert werden mußten. Ich habe gesagt, daß demokratische Prinzipien leiden mußten und geopfert wurden. Das höchste demokratische Prinzip ist doch wohl der Respekt vor dem Mehrheitswillen eines Volkes. Wenn der aber von Politikern auf den Kopf gestellt wird, hat das mit Demokratie nichts mehr zu tun. Siehe hier.
Ferner sehe ich es als demokratisches Prinzip an, daß Politiker denjenigen gegenüber, die ihnen ihr Amt per Wahl (direkt oder indirekt) ermöglicht haben, zur Wahrheit verpflichtet sind. Bezüglich der RSR gab es aber Politikerlügen zuhauf.
RE: Der Tragödie letzter Teil
in F r e i s t i l 31.07.2007 23:43von Schamane • Moderator | 931 Beiträge
1) Was soll der Quatsch?
2) Ich werde die Ergebnisse ignorieren und schreiben wie bisher.
Zu 2) stehe ich nach wie vor, aber zu 1) besteht bei mir keine Klarheit, nämlich zur Frage, was der ganze Unfug eigentlich sollte oder soll, oder anders ausgedrückt, der Frage "cui bono", wem nützt das.
Weder den Schülern und ihren Deutschlehrern, noch dem Sprachvolk wurde genützt, aber es ist obendrein auch kein greifbarer Vorteil für die politische Kaste abzusehen. Mit Rechtschreibung kann man sich politisch weder besonders profilieren, noch gibt dieses marginale Politikgebiet besonders viel her. (Das können Sie verstehen, wie Sie möchten.)
Die Frage "wem nützt das?" in einer nun etwas handgreiflicheren Formulierung, nämlich "wer verdient daran?", hilft auch nicht viel weiter. Es müssen zwar viele neue Duden und Schulbücher gedruckt werden, und das wird wohl kurzfristig den Absatz beim Dudenverlag und bei Klett und Konsorten ankurbeln. Aber das ist doch nun wirklich keine Lobby, hinter der eine wirtschaftlich relevante Masse stünde. Wenn da Unternehmen der Größenordnung Daimler, Metro oder Allianz in ihren Interessen berührt wären, das wäre ein anderer Fall. Aber eine Handvoll Spezialverlage? Welche Lobby haben die denn? Die RSR als politischer Schachzug, um Arbeitsplätze bei Diesterweg zu erhalten? Wohl kaum.
Ich bitte also um Erleuchtung, wem diese Deform genützt haben soll. Den finanziellen Interessen welcher wirtschaftlich und politisch substantiellen Seite wurde gedient? Eine ökonomische Theorie der RSR, bitte. Denn ich stehe vollkommen im Dunkeln.
In Antwort auf:Die meisten Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung sind ja überkaupt keine Fachleute. Er (und sein Zeitrahmen) wurde(n) von den Kultusministern gezielt so besetzt/gesetzt, daß er keine Chance hatte, wirklich alles noch einmal zu prüfen und zu diskutieren. Nur den "gröbsten Unfug" sollte er aus dem Regelwerk entfernen; und was darunter zu verstehen war, war eigentlich vorher schon von politischer Seite beschlossen, d.h. es war auch geklärt, was der Rat bitteschön nicht mehr anzurühren hatte.
Es kann nicht sein, dass das was laut Fachleuten ein Mal als richtig bzw. am besten war dann nach nur ein paar Jahren doch nicht richtig oder am besten ist.
Das ist ja das Traurige an der Sache, daß es hauptsächlich darum ging, daß die Kultusminister heil aus dem Wirrwarr herauskamen, daß die Öffentlichkeit "beruhigt" wurde. Eine wirklich ergebnisoffene, kritische Diskussion und Überprüfung unter Fachleuten war seit 1996 nicht nur nicht vorgesehen, sondern sogar verhindert worden. Bis zuletzt.
Bei Stellungnahmen in der Presse und im Fernsehen (Interviews, Diskussionsrunden) konnte man immer wieder feststellen, daß viele Kultusminister (und auch andere Politiker) oft nur grob oder überhaupt nicht wußten, um was es eigentlich inhaltlich ging. Immer wieder waren Beispiele zu hören, die jeder Grundlage entbehrten. Hätte man ihr Rederecht von einem Kenntnisnachweis abhängig gemacht, wären uns viele dumme Kommentare erspart geblieben.
@ Ute E.:
Bin etwas spät, habe es aber nicht vergessen: Es stimmt nicht, dass die von mir genannten "ost- und westdeutschen, österreichischen und schweizer Germanisten" 1980 nur das von Dir angebrachte und dann verworfene Kleinschreibungsprinzip auf den Tisch gelegt hätten. Meine Formulierung war absichtlich "die 1980 begannen". Deine Erwiderung klingt so, als ob sich die Fachleute dann zurückzogen - mitnichten: neue Vorschläge wurden vorgebracht. Ich nehme an, das ist immer so, wenn "die Politik" Zuarbeiten braucht.
Demokratische Prinzipien sterben nicht, wenn sich jemand mal nicht daran hält (das kommt dauernd vor), sondern wenn wir es hinnehmen. Leider sind auf Bundesebene Volksentscheide nicht vorgesehen (vielleicht absichtlich), aber wenn ein Bundesland per Volksentscheid die Rechtschreibung ändert und die entsprechende Regierung diese dann so umsetzt (Demokratie par excellence), dann haben wir schlimmstenfalls sechzehn verschiedene Rechtschreibregeln. Das kann es auch nicht sein. Wo ist die Lösung?
Ich probiere es mal:
Erstens: Möglichkeit des Volksentscheid in allen Bundesländern.
Zweitens: Eine bundesweit koordinierte Bürgerbewegung zur Korrektur der Reform, die vor allem auch die Fachleute überzeugt und einbezieht. Rein populistisches Krakeel bringt nichts.
Drittens: Volksentscheide in allen Bundesländern zur Korrektur der Reform (bundeseinheitliche Rechtschreibung). Gesichert werden muss vor allem, dass die Volksentscheide in allen Bundesländern Erfolg haben werden, sonst siehe oben.
In Antwort auf:Natürlich nicht nur das, auch andere (die inzwischen verworfen wurden). Es verwundert aber doch, in welch kurzer Zeit ein und dasselbe Fachgremium von der "gemäßigten Kleinschreibung" auf die vermehrte Großschreibung (bis zu dem grausamen Grammatikverstoß "es tut mir sehr Leid") umschwenken konnte.
Es stimmt nicht, dass die von mir genannten "ost- und westdeutschen, österreichischen und schweizer Germanisten" 1980 nur das von Dir angebrachte und dann verworfene Kleinschreibungsprinzip auf den Tisch gelegt hätten.
In Antwort auf:Nur 16 Rechtschreibregeln, na das wäre mal eine wirkliche Reform ;-)
aber wenn ein Bundesland per Volksentscheid die Rechtschreibung ändert und die entsprechende Regierung diese dann so umsetzt (Demokratie par excellence), dann haben wir schlimmstenfalls sechzehn verschiedene Rechtschreibregeln.
Du meinst natürlich Regelsysteme. Glaubst Du, bei entsprechenden Volksabstimmungen in den anderen Bundesländern wären wesentlich andere Mehrheiten zustande gekommen als bei der in Schleswig-Holstein? Die Abstimmung war doch ein eindeutiges Signal. Zumindest hätte sie zu einer Möglichkeit der Überprüfung der neuen Regeln führen müssen, und zwar damals schon. Aber die damalige Kommission durfte weiterhin hinter verschlossenen Türen tagen und in Abständen von der Akzeptanz des Regelwerks berichten.
Es gab ja übrigens eine Chance, die von den Politikern auch zunächst als eine solche angekündigt war: das komplette Regelwerk - insbesondere auch unter Einbeziehung von Kritikern - noch einmal zur Diskussion zu stellen und zu überprüfen. Was ist dann - durch wiederholten Eingriff der Politik - daraus geworden? Der Rat wurde der Lächerlichkeit preisgegeben. Man kann durchaus verstehen, wenn inzwischen die öffentliche Einstellung überwiegt "Ganz gleich, wie falsch oder schlecht, nur nicht noch einmal etwas ändern."
In Antwort auf:Das hat man schon jahrelang versucht, ohne Erfolg. Um das zu erreichen, müßte man genügend Politiker finden, die es auch so sehen - nämlich daß in Angelegenheiten, die das Volk direkt angehen, auch das Volk entscheiden darf. Oder wenigstens Fachleute des betr. Gebiets, die unabhängig sind. Man mag ein paar genz wenige davon finden, aber die sind leider immer in der Minderzahl.
Ich will die Politiker da raushaben, entscheiden soll das Volk! (siehe oben)
In Antwort auf:Erstens sehe ich das Forum hier nicht als Stammtisch an. Zweitens ist dieses Schreiben hier gewiß nicht meine einzige Aktivität, die für saubere Politik und gegen Volksverdummung und -bevormundung eintritt.
Oder es bleibt, wie es ist - alle (auch wir) quatschen sich am Stammtisch die Kehle heiser - ändern wird sich nichts.
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