Hallo „FF“,
Een Grammatik hebbt wii för dat Plattdütsche ok ne, dar möt wii alns nar dem Muhl schreven. Tja, un wenn dat denn schreven is, denn weet je jümmers nor nich, as dat to praaten is.
auf See auf See
Aber zu dem „EsZet“ wollte ich eigentlich was sagen. An sich ist die Bezeichnung „EsZet“ falsch und irreführend, denn das EsZet ist nicht wirklich ein EsZet, sondern die Ligatur aus „s“ und „s“, genauer gesagt, aus „ſ“ und „s“, hat mit den kurzen und den langen Vokalen à la KuMiKo also gar nichts zu tun.
Bis 1941 war noch allgemein bekannt, daß man üblicherweise ein langes „ſ“, und nur am Wortende ein rundes „s“ schreibt. Wörter, die auf einem Doppel-s enden, konnten darum weder mit „ſſ“, noch mit „ss“ geschrieben werden, denn beides ist falsch, geht einfach nicht. Die einzig richtige Schreibweise ist „ſs“, und genau das und nichts anderes ist, was das „ß“ darstellt.
Nun mag manch einer einwenden, daß das doch nur ein Artefakt aus der Zeit sei, als man noch Fraktur druckte, ein altes Gelumpe also, dessen man sich entledigen müsse. Dem wage ich zu widersprechen! Wie wertvoll dieser Buchstabe ist, offenbart sich nämlich erst im Kompositum. Ein Meßingenieur zum Beispiel, ist in bewährter Orthographie stets ein Meßingenieur, aber was lese ich da, wenn mir dieses Wort in neuer Schreibung vorkommt? Ich sehe plötzlich nur noch Messingenieur, und stelle fest, dieses Wort ist mir unbekannt. Dito beim Messergebnis, das kann ich wahrlich nicht mehr lesen!
Ergo: Im Kompositum steht das „ß“ mit seiner augenfreundlichen Oberlänge an der Trennfuge, wie der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt. So wie das Licht dem Kapitän auf See eine sichere Heimkehr gewährt, so führt das „ß“ das lesende Auge sicher durch den Text, gibt dem Leser Halt und Orientierung.
Angeblich soll, so sagen die Minister, durch die Regel mit dem langen und dem kurzen Vokal das Schreiben erleichtert werden, und genau das ist der Kardinalfehler der ganzen Rechtschreibreform! Wir schreiben doch gar nicht um des Schreibens willen, sondern damit es gelesen werde! Orthographie hat also die Aufgabe, uns einen gut lesbaren Text zu geben, das Schreiben muß man hingegen schon lernen!
Und schließlich sei noch angemerkt, daß das vorgebliche Ziel noch nicht einmal erreicht wurde. Wenn ich heute Wörter wie „Hinderniss“, „Graßnarbe“, „Sinuss“, „Blaßmusik“, „Außschusssitzung“, und „Orgassmuss“ lese, et cetera, dann kann ich nur noch hämisch grinsen.
Es werden im Schulunterricht seit Einführung der neuen deutschen Doofschreibung nicht weniger, sondern signifikant mehr Fehler geschrieben. Diese Reform ist ein ganz und gar mißratenes Experiment, welches nur aus Gründen einer falsch verstandenen Staatsräson nicht beendet wird!
Glückauf!
Erika Ciesla
Und an dieser Stelle abermals meinen aufrichtigen Dank an die Gründer dieses Forums, denn beim VDS, dieser Betriebskampfgruppe der Ess-Ess-Orthographie mit Spezialbegabung allein für das Denglische, hätte dieser Artikel keine Überlebenschance; der wäre gelöscht, noch ehen man „Papp“ sagen kann.